Die Vorlage für Helmut Käutners 1955 aufgeführten Film stammt aus der Feder von Carl Zuckmayer. Der hatte zehn Jahre zuvor das dreiaktige Drama “Des Teufels General” veröffentlicht. Das erfolgreiche Werk entstand noch während der Kriegsjahre und wurde 1946 uraufgeführt. Als Inspiration diente Zuckmayer die Freundschaft zu Ernst Udet, dem berühmten Fliegerass aus dem I. Weltkrieg. Udet, der in der Wehrmacht Generalluftzeugmeister im Generalsrang wurde, erschoss sich am 17. November 1941 wegen der Anfeindungen, die der Niederlage in der Luftschlacht um England folgten.


Bilder: Enführung
Die Hauptfigur im Film ist der General der Luftwaffe Harry Harras, gespielt von Curd Jürgens. Der unpolitische Mann ist ein Soldat alter Schule. Sein Verständnis vom Soldatenhandwerk stammt aus dem 1. Weltkrieg, als unter den Fliegern ein besonderer Ehrbegriff galt. Der Film verweist darauf, wenn Harras von einer Uhr erzählt, die er aus der Hand eines von ihm abgeschossenen Piloten empfangen hat. General Harras trinkt und feiert gern. Seiner Meinung verleiht er ohne auf persönliche Nachteile oder die Empfindlichkeiten anderer Rücksicht zu nehmen, mit deftigem Ausdruck Gehör. Im Dezember 1941 ist das in Deutschland gefährlich. Harras ist sich dessen nicht ausreichend bewusst.

Bild: Fliegerheld Eilers mit Frau
Zu Beginn wird uns Harras auf dem Höhepunkt seiner Macht gezeigt. Seinen Kameraden voran feiert er den 50. Luftsieg des Fliegerhelden Friedrich Eilers (Albert Lieven). Die Stimmung ist gut, es fließt reichlich Alkohol. Wie gewöhnlich macht Harras aus seiner Abneigung gegen die Partei keinen Hehl. Er fühlt sich sicher, schließlich erfüllt er seine Pflichten treu. Außerdem: wer sollte ihn ersetzen können? Wer wollte ihn ersetzen? Er weiß nicht, dass er bereits abgehört wird.
Der Vorwand, mit dem sich die Staatsmacht in Gestalt des SS-Gruppenführers Schmidt-Lausitz (Viktor de Kowa) dem General nähert, sind unerklärliche Ausfälle in der Bomberflotte. Harras ist für die Flugtüchtigkeit der Maschinen verantwortlich. Die Untersuchung der vordergründigen Frage, ob ein Konstruktionsfehler oder Sabotage vorliegt, nutzt Zuckmayer, um die verhängnisvollen Verstrickungen eines Unpolitischen in ein Unrechtssystem aufzuzeigen. Zwar hat der General schon immer über den Krieg und seine Verantwortlichen geschimpft. Gleichwohl hat er als Soldat seine Pflicht getan. Und damit denen gedient, die er verachtet. Denen geholfen, die Verbrechen begehen. Zu spät wird das dem General klar.

Bild: Zum Verbrecher degradiert

Bild: Weggesperrt

Bild: Ein Erschießungskommando “irrt” sich in der Tür
Am Beginn dieses Erkenntnisprozesses steht seine durch Gruppenführer Schmidt-Lausitz veranlasste Verhaftung. Ohne konkreten Anlass, mit keiner Information versorgt, wird er tagelang eingesperrt. Der Staat will seine Macht demonstrieren. In beeindrucken Bildern stellt Käutner das auf perfide Weise perfektionierte System der Erniedrigung dar, mit dem der innere Widerstand des Generals gebrochen werden soll.

Bild: Zwei Welten
Der Mann, der nach dieser Einschüchterungshaft seinen alten Posten wieder einnehmen darf, ist nicht mehr der Soldat von vorher. Und Gruppenführer Schmidt-Lausitz setzt Harras stärker und stärker unter Druck. Als der die rätselhaften Ausfälle bei den Bombern endlich erklären kann, weiß er um seine Verstrickung in eine Verbrecherorganisation. Die Entscheidung zur Aufklärung wird zu einer späten Gewissensfrage. Was tun, wenn der Teufel seine Schuld einfordert?
Man spürt schnell, dass dem Film eine hochintelligente Vorlage zu Grunde liegt. Helmut Käutner gelingt eine hervorragende Umsetzung ins bewegte Bild. Das Drama entwickelt sich entlang sorgfältig entworfener Charaktere und geschickt verflochtener Nebenmotive. Die Besetzung des Generals mit Curd Jürgens ist ein Glücksfall. Als besonders gelungen empfand ich zudem die starken hell/dunkel-Kontraste und das Spiel mit dem Schatten. Dadurch legt sich über viele Szenen etwas Unheimliches.
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IMDb: Des Teufels General