In “House of Sand and Fog” (2003) spielt Jennifer Connelly Kathy, eine vom Schicksal wenig verwöhnte Frau mit Alkoholproblemen, die durch behördliches Versagen ihr Haus verliert. Eine hässlicher Streit um das Haus mit dem Neueigentümer, der sich ebenso im Recht glaubt wie Kathy, und eine Beziehung zu einem Polizisten führen zu einer explosiven Gemengelage, die sich in einer tragischen Begebenheit auflöst.

“Dark Water” ist der Film, den Jennifer Connelly im Anschluss an “House of Sand and Fog” gedreht hat. Ein Vergleich mit dem Vorgängerfilm drängt sich auf, weil es in “Dark Water” die neue Wohnung ist, um die sich das Drama des Films entwickelt.
Jennifer Connelly spielt Dahlia Williams, die sich gerade mit ihrem Mann Kyle (Dougray Scott) einen knapp vor der Eskalation stehenden Sorgerechtsstreit um die gemeinsame Tochter Cecilia (Ariel Gade) liefert. Kurze Rückblicke zeigen Dahlia als von der Mutter vernachlässigtes Kind. Ihre Vergangenheit und der aktuelle Konflikt haben sie seelisch angeschlagen. Ihr Mann, der inzwischen bei der neuen Freundin lebt, behandelt sie als Verrückte und droht später sogar, einen Psychiater einzuschalten. Der soll ihr vor Gericht die Fähigkeit, für die gemeinsame Tochter zu Sorgen, absprechen.
Auf Dahlia lastet daher schon ein gewaltiger Druck, als sie aus Kostengründen eine Wohnung in einem schäbigen, dreißig Jahre alten Appartementhaus bezieht. Damit beginnen ihre Schwierigkeiten aber erst richtig. Dauerregen über den ganzen Film hinweg gibt die Atmosphäre für einen Film ohne einen einzigen Sonnenstrahl vor. Die dunklen und feuchten Gänge, der schlecht funktionierende und schummrige Lift, ein mürrischer Hausmeister, den man sofort verdächtig findet, wenngleich man noch nicht weiß weshalb, machen das Haus zu einem durch und durch unangenehmen, unheimlichen Ort.
Gleich am ersten Abend entdeckt Dahlia an der Decke eine undichte Stelle. Dunkles Wasser tropft herab. Das Leck erscheint nicht lediglich als Leck. Es strahlt greifbares Unbehagen aus. Die Verantwortung um die Beseitigung wird zwischen Hausmeister (Pete Postlethwaite) und Makler Murray (John C. Reilly), der Dahlia die Wohung noch so freundlich beflissen aufgeschwatzt hat, hin und her geschoben.
Eine Tasche, die Cecilia gleich am ersten Tag auf dem Dach des Gebäudes findet und die offensichtlich einem kleinen Mädchen gehört, sowie immer wieder vernehmbare Schritte aus der eigentlich verlassenen Wohnung einen Stock höher, geben ebenso Rätsel auf wie Cecilias neue imaginäre Freundin.
Walter Salles “Dark Water” funktioniert als Drama ausgezeichnet. Die tollen Bilder erzeugen ganz schnell eine Atmosphäre, die den Zuschauer spürbar auf einen Level mit der Hauptfigur des Films bringen und dort im wahrsten Sinne des Wortes mit Dahlia mitleiden machen. Die Figuren, die konsequent entwickelt und allen voran von Jennifer Connelly und Ariel Gade herausragend dargestellt werden, tragen wesentlich zum Gelingen dieses Teil des Films bei.
Was nicht so recht funktionieren will, ist das mysteriöse “Dark Water”, das regelmäßig die Szenen überspült. Mal stellt es sich als Gegenstand eines Traumes von Dahlia heraus, mal ist es real vorhanden, hat aber natürliche Ursachen. Dann gibt es aber auch Gelegenheiten, in denen das dunkle Wasser übernatürliche Ursachen hat. In Verbindung mit dem starken und intelligenten Drama wirkt die übernatürliche Komponente überflüssig und unnötig. Zumal der Film von seiner Gewichtung dadurch in Schieflage gerät.
“The Ring” räumt dem gefährlichen Videoband zentrale Bedeutung ein. Der Gegenstand mag für sich betrachtet ebenso albern sein wie “dunkles Wasser”, funktioniert aber im Film sehr gut. Stellt man sich “Dark Water” als Koffer vor, dann ist das Übersinnliche das unnötige Hemd, welches dafür verantwortlich ist, dass man den Koffer nicht mehr schließen kann. Das ist sehr schade.
Dennoch ist der Film sehr empfehlenswert. Das kleine Leck kann man verschmerzen. Die schlechten Kritiken, die der Film bekommen hat, gehen jedenfalls völlig fehl.
Wertung: 7.5/10