„Brügge sehen … und sterben?“ ist ein Loblied auf Brügge, aber es ist möglich, dass Brügge es nicht merkt. In diese Stadt Belgiens werden nämlich die beiden Auftragskiller Ken (Brendan Gleeson) und Ray (Colin Farrell) geschickt, nachdem Ray auf der Insel einen Auftrag vermasselt hat.

Der Film spart nicht mit Seitenhieben auf Stadt und Land. Das Niveau der Witze bereitet dem Zuschauer keine Atemnot, einfach weil es sich nicht besonders in die Höhe schwingt. Es passt aber zu Ray und Harry (Ralph Fiennes), dem Chef der beiden. Die beiden sind wahrlich keine Bildungsbürger.
Ken und Harry mögen die Stadt sogar sehr. Deshalb glaubte Harry auch, Ray etwas Gutes zu tun, als er ihn nach Brügge geschickt hat, wo er von seinem Partner umgebracht werden soll. Brügge sehen … und sterben“ heißt in diesem Fall, mit einem schönen Erlebnis aus dem Leben zu scheiden. Aber Harry ist kein Menschenkenner. Ray gefällt Brügge so wenig, wie Ken der Auftrag zusagt, seinen Partner umzubringen.
Die Regie von Martin McDonagh, der bereits für „Six Shooter“ (2004) mit dem Oscar für den besten Kurzfilm ausgezeichnet worden ist, produziert eine Geschichte mit schönen Bilder und tollen Farben. Der Film verliert nie sein angemessenes Tempo, wenngleich die Gesetze der Zeit am Ende (Szene im Turm) arg auf die Probe gestellt werden. Die Musik passt gut zur jeweiligen Stimmung.
Ich habe ein Problem damit gehabt, dass der Film lustiger sein will, als es ihm gut tut. In Woody Allens „Cassandras Dream“ hat – unabhängig vom Niveau der Witze – die Balance zwischen Gewalt und Witz gestimmt. Die Brüder, die dort einen Mord begehen, drängen sich als Vergleich zu den sich gut verstehenden Killern in “Brügge sehen …“ einfach auf. Nicht nur weil Colin Farrell in beiden Filmen mitspielt. Auch in diesem Film leidet seine Figur an den Nachwehen der Tat. Aber unter der Regie von Martin McDonagh muss Colin Farrell zu sehr den Komiker geben. Das ist zwar häufig lustig und hat mich auch zum lachen gebracht, aber ebenso häufig wurde das Maß überschritten. Sowohl thematisch als auch in der Darstellung durch Colin Farrell (Overacting). Mit diesem außer-Balance-kommen schwindet die Glaubwürdigkeit des Films. Das ist schade, denn mit Brendan Gleeson, Colin Farrell und einem sehr überzeugenden Ralph Fiennes besitzt der Film tolle Schauspieler. Man muss schon ein Jünger Quentin Tarantinos sein, um den Stil des Films vorbehaltlos genießen zu können.
Zuneigung auf der einen und Prinzipien auf der anderen Seite führen am Ende zu einem konstruierten Schluss, der Zuschauer, die ihren Kopf nie ganz abschalten können, wahrlich betrüben kann. Das wäre vermeidbar gewesen. Schon weil es der Film gar nicht nötig hat, mit einem cleveren Finale noch eins draufzusetzen. Vielleicht mag der Regisseur (und Drehbuchautor) auch einmal darüber nachdenken, ob ein Mann wohl noch sehr lange lebt, wenn er von mehreren Dumm-Dumm Projektilen so zentral getroffen wird? Wird nicht sogar im Film erklärt, welch verheerende Folgen diese Munition verursacht?
So bleibt am Ende vom Loblied auf Brügge ein zwiespältiger Eindruck. Unmöglich, das nicht zu merken.
Wertung: 6.9/10