Jedes neue Remake muss sich die Frage nach seiner Rechtfertigung gefallen lassen. Oliver Hirschbiegels “The Invasion” (2007) greift die Story auf, die bereits 1978 von Philip Kaufman unter dem Titel “Invasion of the Body Snatchers” (übrigens ebenfalls ein Remake, hier allerdings des Originals von Don Siegel aus dem Jahre 1956) in einem bemerkenswerten Film verarbeitet worden ist. Der Film beginnt mit einem Unglück. Eine amerikanische Raumfähre verglüht beim Wiedereintritt in die Atmosphäre (die angebotenen Bilder lassen übrigens ganz ungewollt andere Assoziationen aufkommen), die Trümmer werden großflächig verteilt. Das soll sich sehr zum Nachteil der Menschheit auswirken, denn an den Trümmern haftet ein höchst aggressiver Virus, der, wenn er den Menschen erst einmal befallen hat, diesen im Schlaf zu einem mit allen anderen Infizierten gleichgeschalteten Wesen verwandelt.
“The Invasion” fügt der bekannten Geschichte insoweit etwas Neues hinzu, als uns diese gleichgeschalteten Wesen als eine friedliche und damit bessere Variante des Menschen ins Bewusstsein gerückt werden. Nicht mehr der bewusstseinslose Zombie droht über die Menschheit zu kommen, sondern ein Mensch in einer Daseinsform, die ihn zwar seiner Individualität berauben, dafür aber Krieg und Leid überwinden lassen wird. So laufen einmal im Hintergrund Nachrichten und der Zuschauer erfährt, dass man sich an den bekanntesten Konfliktherden der Erde auf einen friedlichen Kompromiss geeinigt hat. Auch ist man übereingekommen, Aidsmedikamente zukünftig kostenfrei zu verteilen.
Dieses Thema im Film aufzugreifen, ist, wenngleich nicht neu, durchaus interessant. Leider scheitert der Film an seiner Umsetzung. Und das aus gleich zwei entgegen strebenden Gründen, womit sich der Film leider im Endeffekt schadet, weil er sich in seiner Wirkung neutralisiert.
Zum einen gelingt es dem Film nicht wirklich, die behauptete Überlegenheit der Gleichschaltung aller Individuen zu friedlicher Koexistenz glaubhaft zu vermitteln. Zumindest auf einem Niveau, das zum Nachdenken anregt. Vielmehr wird eine in dieser Form nicht erwägenswerte Phrase über den Film gekleistert, ohne die Schwächen der dünnen Konstruktion verdecken zu können. Niemand, der die in Gruppen herumtappenden Neu-Besser-Menschen gesehen hat, wird den Gedanken an diese “bessere Welt” ernsthaft weiter verfolgen.

Will der Film nun auf der einen Seite zumindest Nachdenklichkeit über eine bessere Welt aufkommen lassen, was ihm wie erwähnt aufgrund seiner Eindimensionaltät nirgends gelingt, so beraubt er sich damit zugleich der Momente, die den Klassiker so sehenswert gemacht haben. Das Bedrohungspotential dessen, wovor man Angst haben muss, nämlich einer unfreiwillig-friedlichen Welt, senkt sich so zwangsläufig. Wenngleich man dieser neuen Gemeinschaft, einer Revolution vergleichbar, mit Gewalt einverleibt wird. Folge ist, dass das, was uns in den “Körperfressern” so wohlig hat erschauern lassen, hier in einer Weise präsentiert wird, die weder Schauder verursacht noch nachdenklich macht. Die Art der Präsentation wirft viel eher die Frage auf, ob man nicht eher daran interessiert war, die Altersbeschränkung für den Film so niedrig wie möglich zu halten, um den Profit an der Kasse zu vergrößern.
Wirklicher Grusel kommt in diesem Film an keiner Stelle auf. Wenn sich einmal die Möglichkeit ergibt, kann man sich mit Sicherheit darauf verlassen, dass entweder abgeblendet oder die Szene gewechselt wird. Stilistisch scheint sich der Regisseur mehr auf seine schnellen Schnitte verlassen zu haben. Leider erzählen die Bilder oft zu wenig, um über hektisches Geflacker hinaus Wirkung zu entfalten.
So jagt der Regisseur eine sichtlich bemühte Nicole Kidman durch den Film und der Zuschauer fragt sich die ganze Zeit, wofür denn nur? Daniel Craig als bester Freund wirkt in seiner Figur zuweilen hölzern und kann nicht wirklich überzeugen. Wer sich an das Finale des Films mit Donald Sutherland erinnert (und das wird man, wenn man den Film jemals gesehen hat), dem kommen vielleicht die Tränen, wenn er den nunmehr vom Virus verwandelten aber ganz unverwandelt agierenden Daniel Craig betrachten muss.
Wie in neueren Hollywood-Endzeitdramen scheinbar üblich, man schaue sich nur “I Am Legend” an, müssen wir am Ende auch noch ein Happy End – und nun kommt zum ersten Mal wirkliches Grauen auf! – ertragen. Natürlich wird nicht nur ein Gegenmittel gegen den Virus just in time entwickelt, nein, darüber hinaus werden auch noch alle Infizierten wieder in ihre Individualität entlassen. Kleine Gedächtnislücke, sonst keine Nebenwirkungen.
Am Schluss fragt ein Reporter, ob man sich denn auch des Erfolges über den Virus gewiss sein kann, ob der Mensch wieder ist, was er vorher war. Die Frage wird mit dem Hinweis darauf, dass die Zeitungen wieder voll mit Schreckensmeldungen sind, bejaht. Dieser Umstand hätte in einem anderen Film vielleicht ein Gefühl des Unwohlseins und Nachdenkens hervorrufen können, hier freut man sich: der Film ist nämlich vorbei.
Wertung: 5/10