Vor einigen Wochen habe ich auf der Seite der IMDb auf einem Message Board einen Beitrag eines Nutzers entdeckt, der über den Besuch von Satoshi Kon (”Paprika”, “Tokyo Godfathers”, “Millennium Actress”) in Schweden berichtet hat. Eine Frage, die dem Regisseur bei einer Publikumsdiskussion gestellt worden ist, galt seinen Lieblingsfilmen. Satoshi Kon nannte unter anderem den mir unbekannten “The World According to Garp”. Gestern habe ich mir die DVD angeschaut. Es ist eine der DVDs, die ich wegen ihres Covers (es zeigt einen süßlich lächelnden Robin Williams mit 80-er Jahre Fönfrisur) nie angefasst hätte. Was ein Fehler gewesen wäre. Zum Glück hatte ich von dem Film gelesen. Soviel zum Nutzen und Mehrwert von Message Boards auf IMDb.
“The World According to Garp” liegt ein Buch zugrunde, das, wie auch die Vorlage für den wunderbaren “The Door in the Floor” (2004), von John Irving stammt. Die Regie des 1982 gedrehten Films führte George Roy Hill (”Butch Cassidy and the Sundance Kid”, “The Sting”).
Ich werde über eine uneingeschränkte Empfehlung hinaus, sich den Film anzuschauen, keine Details der Handlung verraten, die das ereignisreiche Leben des Schriftstellers T.S. Garp nachzeichnet. Worin liegt die Magie des Films? Vielleicht darin, die Schönheit des Lebens ungeachtet seiner Widrigkeiten zu feiern.

Mann beißt Hund: Robin Williams als T.S. Garp
“Garp” ist im Vergleich mit “The Door in the Floor” die leichtere, deutlich humorvollere Irving-Verfilmung. Trotz eines höheren bodycounts und ungeachtet von Schicksalsschlägen, die auch den Titelhelden nicht verschonen.
„Schreiben ist wie Ringen. Man braucht Disziplin und Technik. Man muss auf eine Geschichte zugehen wie auf einen Gegner“, sagt John Irving. Es steckt viel vom Autor in “Garp”, das vermutet man spätestens bei der ersten Ringerszene.
Um die Möglichkeiten und den Zauber des Mediums Film zu bewundern, schaut man sich “Garp” am besten zusammen mit “The Door in the Floor” an. Es gibt Parallelen (Schriftsteller, Unglücksfälle und das mehr oder weniger erfolgreiche Ringen, diese zu bewältigen), wenngleich die Filme ganz anders gestimmt, erzählt und strukturiert sind. “The Door in the Floor” etwa erzählt nur ein Drittel der Handlung des ihm zugrunde liegenden Romans. Daher die düstere Stimmung. Der Teil, in dem Irving seinen Lesern Zucker reicht, fehlt.
Beide Filme sind hervorragend besetzt. Bleibt “Garp” daneben wegen seines Humors, seiner positiven Ausstrahlung und raffiniert verknüpften Ereignissen in Erinnerung, so “The Door in the Floor” wegen seiner Stimmung, den wunderbaren Farben, tollem Set-Design und der Erkenntnis, das manche Dinge larger than life sind.
Mir gefällt “The Door in the Floor” als Film etwas besser. Die Beschränkung auf einen Teil des Romans erlaubt mehr Tiefe. Das Screenplay, dem das zu verdanken ist, stammt vom Regisseur Tod Williams. Es wundert nicht, dass der unbekannte Regisseur die Zusage des Buchautors Irving für den Film erhalten hat.

Ort der Handlung: Long Island

Die Frau des Künstlers: Kim Basinger

Der Künstler: Jeff Bridges

Filmposter in Filmen haben meistens eine besondere Bedeutung
“Garp” wirkt durch die Anhäufung von Ereignissen ein wenig überladen. Das hat mich aber über die bloße Kenntnisnahme nie wirklich gestört. Dazu war der Film zu gut erzählt. Zum anderen hat mir die Aussage, die ich aus dem Film herausgelesen habe, so gefallen, dass ich dem Film viel mehr nachgesehen hätte.
Leider ist die “Garp”-DVD (Amazon) arm ausgestattet: “Specials: USA-Kinotrailer”. Auf “The Door in the Floor” (Amazon) kommen Darsteller, Regisseur und auch John Irving zu Wort.
