Our Life Is Not A Movie Or Maybe

Ein Filmblog. Filmtipps, Filmkritiken & Assoziationen.

Archive for September, 2008


Schein und Sein: Ben Hecht in Deutschland

Eigentlich wollte ich nur kurz einen Autor und sein im Berenberg Verlag erschienenes Buch vorstellen. Aber gestern habe ich mir noch einmal den phantastischen Lubitsch Film “To Be or Not to Be” von 1942 angeschaut. Thematisch drängen sich hier gleich mehrere Parallelen auf. Die reizen mich zu sehr, als dass ich sie nicht verfolgen würde. Zum Buch komme ich daher etwas später.

Denn über schöne und talentierte Darstellerinnen verliert man gern ein Wort. So etwa über Carole Lombard, die in “To Be or Not to Be” neben ihrer vielleicht besten Darstellung überhaupt zugleich ihren letzten Auftritt in einem Film erlebt. Kurz darauf ist sie nämlich mit dem Flugzeug verunglückt. Dieses Wissen wirft leider seinen Schatten auf bestimmte Szenen des Films und nimmt ihnen die Leichtigkeit, die ohnehin durch den geschichtlichen Hintergrund immer wieder in Frage gestellt wird. Schließlich ist ihr junger Verehrer im Film Pilot. Spätestens wenn er sie zu einem Rundflug einlädt, holt die Realität die Fiktion ein. Wenig tröstlich ist der Gedanke, dass es wenigen Schauspielern gelingt, auf dem absoluten Höhepunkt ihrer Karriere abzutreten.

Realität und Fiktion sind ein zentrales Thema von “To Be or Not to Be“. Noch zentraler ist dieses Thema in Howard Hawks Film “Twentieth Century” (IMDb) aus dem Jahr 1934. Wie “To Be or Not to Be” ist auch “Twentieth Century” eine Komödie. Carole Lombard spielt in der Rolle der Lily Garland wieder eine Schauspielerin.

Oscar Jaffe (John Barrymore) macht Lily Garland mit einem Theaterstück zum Star. Dem gemeinsamen Erfolg folgt eine Beziehung. Mit seiner Eifersucht vertreibt Jaffe den Star allerdings nach Hollywood. Mit Lily Garland verschwindet auch der Erfolg, alles geht den Bach runter. Auf der Flucht vor den Gläubigern begegnet er Lily zufällig im Zug (dem “Twentieth Century Limited”) wieder. Da sie aus nachvollziehbaren Gründen nichts mehr mit ihm zu tun haben möchte, heißt es für Jaffe alle Register der Schauspielkunst zu ziehen, um sie wieder unter Vertrag zu bekommen. Lily hat inzwischen ebenfalls alle Tricks der Schauspielkunst verinnerlicht. Die Grenzen von Kunst und Leben verschwimmen für die beiden vollkommen. Ihre melodramtischen, völlig überzogenen Attitüden sind es denn auch, die den Zuschauer zum Lachen bringen. Phantastische Darstellerleistungen und eine große Komödie von dem besser als Western- (Red River, Rio Bravo) oder Gangsterfilm-Regisseur (Scarface) bekannten Howard Hawks machen den Film zu einem Ereignis.

Twentieth Century
Bild: Lily Garland (Carole Lombard) und Oscar Jaffe (John Barrymore)

Was “To Be or Not to Be” und “Twentieth Century” erst zu dem machen, was sie sind, sind ausgezeichnete Drehbücher. Der finale Übergang der heutigen Veröffentlichung! “To Be or Not to Be” haben Ernst Lubitsch und Edwin Justus Mayer geschrieben. Von letzterem stammt übrigens auch “Midnight” (1939, IMDb).

Sowohl an dem Theaterstück wie auch dem Drehbuch zu “Twentieth Century” hat ein Mann mitgeschrieben, dessen Name ungleich öfter auftaucht als der von Edwin Justus Mayer. Obgleich man ihn den “Shakespeare von Hollywood” nannte, ist sein Name – Ben Hecht – nicht jedem bekannt. Dabei hat Ben Hecht unter anderem die Geschichte zu Josef von Sternbergs “Underworld” (1927) geliefert, er hat “The Front Page” geschrieben, das von Lewis Milestone im Jahr 1931, von Howard Hawks als “His Girl Friday” 1940 und später auch von Billy Wilder verfilmt worden ist. Er hat die Drehbücher für Howard Hawks “Scarface” (1932), Ernst Lubitschs “Design for Living” (1933) sowie Hitchcocks “Spellbound” (1945) und “Notorious” (1946) geschrieben. Unzählige weitere Arbeiten zeichnen ihn aus. Das alles weckt das Interesse für den Mann hinter diesen Werken. Und wirft die Frage auf, ob es denn nicht auch Bücher von ihm gibt.

Die Revolution im Wasserglas

Das Hintergrundwissen für seine Arbeit als Autor in Hollywood hat sich der 1894 in New York geborene Hecht als Reporter erworben. Ab 1910 arbeitet er für die Chicago Daily News. 1918 wird er als einer der ersten ausländischen Reporter im Auftrag der Daily News nach Deutschland geschickt. Das im Berenberg Verlag erschienene Buch “Die Revolution im Wasserglas” schildert seine Eindrücke, erzählt, wie der damals Vierundzwanzigjährige, kaum dass er im Berliner Adlon Hotel abgestiegen ist, von einem Kellner über die bevorstehende Erstürmung des kaiserlichen Schlosses durch Karl Liebknecht und seine Männer informiert wird. Das ist natürlich eine Geschichte, die er sich nicht entgehen lassen wird.

Wenig später lässt er sich von einem der bekanntesten deutschen Fliegerasse ein Flugzeug besorgen. Mit einem Bomber aus dem Ersten Weltkrieg, der kurzer Hand aus einem Hangar entwendet wird, reist er fortan durch Deutschland, immer auf der Suche nach einer interessanten Geschichte. Mehrere erzählt er uns. Unter anderem, wie er die Revolution in Bayern erlebt hat. Später auch über die Bekanntschaft mit George Grosz.

Das schmale Buch liest sich wie ein auf Tatsachen beruhender Abenteuerroman. Interessant ist es nicht nur für diejenigen, die sich für den stillen Schöpfer vieler namhafter Filme interessieren. Obgleich der Reiz des Buches vor allem in der bildhaften Schilderung der zeitlichen Ereignisse, weniger in einer präzisen geschichtlichen Einordnung liegt. Das Talent des späteren Autors ist hier bereits erkennbar. Hecht beweist ein gutes Gespür für den Ungeist der Zeit und warnt wiederholt in seinen Reportagen vor einem Erstarken jener Kräfte, die den Ersten Weltkrieg mit ermöglicht haben. Hier ist es wieder: das Sein hinter dem Schein; erlebt in einem politischen Possenspiel. Bei den Herausgebern seiner Zeitung wollte man davon wenig hören. Der Bolschewismus erschien als die größere Gefahr. Ganz erfolgreich ist das Buch auch auf einem anderen Gebiet. Man beginnt, sich für die Geschehnisse der Zeit zu interessieren. Mehr kann man nicht verlangen. Zumal die Komödie Politik immer noch aufgeführt wird.

Dr. Jekyll and Mr. Hyde (1931)

Es ist Miriam Hopkins, die „Dr. Jekyll and Mr. Hyde“ den Charme von Pre-Code Cinema verleiht. Aber wie viele weitere gute Gründe sprechen für diesen großartigen Film! Ich weiß gar nicht, wo beginnen.

Zunächst einmal fällt der Einstieg mit seiner subjektiven Perspektive auf. Wir sehen Dr. Henry L. Jekylls (Fredric March) Hände auf der Orgel spielen. Der Schatten seines Kopfes tanzt über dem Notenblatt. Eine schöne Metapher, die hier bereits auf den Gegenstand der Arbeit des Wissenschaftlers anspielt. Im wahrsten Sinne des Wortes „anspielt“.

Fredric March und Miriam Hopkins

Wenn sich Dr. Jekyll im Anschluss daran anschickt, das Haus zu verlassen, bewegen wir uns mit ihm durch den langen Flur. Vor einem Spiegel schwenkt sein und also unser Blick – subjektive Perspektive – herüber. Und natürlich sehen wir keine Kamera im Spiegel auftauchen sondern Dr. Jekyll, der seinen Anzug richtet. Das ist sehr schön gemacht. Überhaupt ist die Cinematographie von Karl Struss, die für den Oscar nominiert worden ist, außerordentlich. Niemals langweilig, weil hochvariabel in ihren Bildern. Weil jedes Bild seine Bedeutung hat, egal ob Schatten über die Wände tanzen oder ein Split-Screen (!) zu bewundern ist. Karl Struss ist hier dem optimalen Verhältnis von Kreativität und Einfachheit – letzteres in einem Sinn verstanden, in dem die Bilder der Geschichte dienen müssen – nahe gekommen, wie es selten der Fall ist.

Die wahre Entdeckung des Films ist für mich aber Fredric March. Hochbeeindruckend, wie er die unterschiedlichen Charaktere Jekyll und Hyde – vor allem Hyde! – zum Leben erweckt. Auch die tricktechnische Verwandlung von Jekyll in Hyde, man schrieb immerhin das Jahr 1931 als man den Film gedreht hat, beeindruckt. Ohne alle Konkurrenten zu kennen, bin ich mir sicher, dass Fredric March den Oscar für seine Leistung völlig zu Recht gewonnen hat.

Was gibt es weiter zu sagen? Die Romanvorlage von Robert Louis Stevenson ist ja hinlänglich bekannt. Samuel Hoffenstein and Percy Heath haben darauf basierend ein exzellentes Drehbuch geschaffen, welches unter der famosen Regie von Rouben Mamoulian in einem großen Film aufgegangen ist.

Interessant ist die Gewichtung der Handlung. Einmal der Wissenschaftler, der schon von seinem Charakter ganz darauf angelegt ist, mit dem Feuer zu spielen. Heutzutage mag Jekylls theoretischer Ansatz von der Separation „guter“ und „böser“ Zellen etwas albern erscheinen. Glücklicherweise wird das nie detailliertes Thema des Films. Der bewegt sich auf der Ebene eines Wissenschaftlers, der bereit ist, die Grenzen der Ethik zu übertreten. Und der Auslöser – hier wird es interessant – ist das Aufeinandertreffen der natürlichen Veranlagung des Menschen mit der gesellschaftlichen Konvention. Da möchte Dr. Jekyll Muriel Carew (Rose Hobart) heiraten. Aber deren Vater besteht auf acht Monaten Wartezeit. Wenig später steht Dr. Jekyll am Bettrand der schönen Ivy Pearson (Miriam Hopkins) …

Diese Konstruktion ergibt eine viel komplexere Geschichte, als man zunächst vermutet – und ist eine schöne Herausforderung an den Seher.

Über manche Liebesschwüre des Films hat sich nach über 75 Jahren natürlich ein leichter Staubfilm gelegt. Insgesamt sind die Dialoge auch aus heutiger Sicht nicht zu beanstanden und faszinieren immer wieder. Etwa wenn Dr. Jekyll der völlig verschreckten Ivy erklärt, dass er zwar keine Schönheit ist, aber „under this exterior you’ll find a very flower of a man!“ Trotz dieser Zusicherung will die Angst aus Miriam Hopkins’ Augen nicht verschwinden. Und wir leiden mit ihr.

Rouben Mamoulian ist mit großartigem Personal vor und hinter der Kamera die meines Erachtens beste „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ Adaption der Filmgeschichte gelungen. Unbedingt sehenswert, auch und gerade wenn man sich nicht für Gruselfilme interessiert.

Wertung: 10/10

IMDb: Dr. Jekyll and Mr. Hyde (1931)

Ende der Sommerpause!

Am kommenden Donnerstag startet Ulrich Edels (”Wir Kinder vom Bahnhof Zoo”, 1981) “Baader-Meinhof-Komplex” im Kino. Grund genug, um die Eintragungen in diesem Blog wieder aufzunehmen. Da sich auch der Sommer verabschiedet hat, lockt das Medium Film um so mehr.

Weil der letzte Eintrag auf ein Interview mit Volker Schlöndorff verweist: Sein Buch “Licht, Schatten und Bewegung” habe ich inzwischen gelesen. Ich kann es hier nur empfehlen. Der Mann ist nicht nur in der Welt herumgekommen, sondern versteht auch zu erzählen. Letzteres durchgängig mit Substanz. Die Ausnahme bestätigt die Regel. Schlöndorffs Film “Die Stille vor dem Schuss” möchte ich mir zur Vorbereitung auf den “Baader-Meinhof-Komplex” sowieso noch einmal anschauen. Zum dann fünften Mal, denke ich. Der Film von den Terroristen, die es in die DDR verschlägt, wo Anarchie auf biedere Erstarrung stoßen, gefällt mir nämlich sehr. Das liegt natürlich auch an dem herausragenden Spiel von – allen voran – Bibiana Beglau und Nadja Uhl.

In Volker Schlöndorffs Biographie ist übrigens ein Bild abgebildet, das den Regisseur beim New York Marathon zeigt. Dazu schreibt er, dass ihm Bibiana Beglau nach dem Lauf die Waden massiert hat. So zahlt sich Filmemachen aus. Es sei ihm gegönnt …

Der neunte Tag
Bild: Diehl, Beglau, Matthes in “Der Neunte Tag”

Weitere wunderbare Filme, die ich in der letzten Zeit gesehen habe, sind: Volker Schlöndorffs “Der Neunte Tag” (2004, IMDb). Ein Film über den katholischen Priester Henri Kremer (Ulrich Matthes), der überraschend aus dem Konzentrationslager in Dachau entlassen wird. Als er in seine Heimat in Luxemburg zurückkehrt, stellt sich heraus, dass er nur für neun Tage beurlaubt ist. Die Gestapo macht ihm ein unmoralisches Angebot. Er soll darauf hinwirken, dass die Kirche Luxemburgs (in Person des örtlichen Bischofs) den Papst darauf drängt, die Nazis zu unterstützen. Damit könnte er sich und die Priester im KZ Dachau retten. Was soll er tun? Sich und die Priester retten, indem er ein unmenschliches System absegnen hilft? Dieser innere Konflikt wird nach außen hin durch das “Duell” des Priesters mit seinem Gegenüber bei der Gestapo, Untersturmführer Gebhardt (August Diehl), ausbalanciert. In einer kleinen Rolle als die Schwester Kremers: Bibiana Beglau. Der unbedingt empfehlenswerte Film basiert lose auf den Aufzeichnungen des Priesters Jean Bernard. Schlöndorff ist ihm Jahrzehnte vor dem Entstehen des Films in Person begegnet, wusste allerdings noch nicht, dass er einmal “Der neunte Tag” drehen wird.

Vier Minuten
Bild: Hannah Herzsprung und Monica Bleibtreu in “Vier Minuten”

Schwer beeindruckt hat mich als nächstes “Vier Minuten” (2004, IMDb) von Chris Kraus. Eine in die Jahre gekommene, zynische Klavierlehrerin (Monica Bleibtreu – großartig!), die im Gefängnis für gewöhnlich nur mit talentfreien Schülerinnen zu tun hat, bekommt mit Jenny von Loeben (Hannah Herzsprung – großartig!) endlich das Talent in die Hände, von dem jeder Lehrer träumt. Aber die verbittert-strenge Art der Lehrerin und das aufbrausend ungestüme Wesen von Jenny müssen erst einmal aufeinander abgestimmt werden. Konflikte bleiben da nicht aus. Nicht unter den beiden. Und nicht unter den Mitgefangenen und einem Wärter, der sich in seiner Eitelkeit gekränkt sieht und mit dem ihm zur Verfügung stehenden Mitteln zurückschlägt. Die interessanten Vergangenheiten der beiden Protagonistinnen, die nach und nach ans Licht drängen, runden den Film ab. Muss man sehen!

Dann habe ich Charlie Chaplin ganz neu entdeckt. Durch seine Autobiographie und die Filme “The Kid” (1921) und “City Lights” (1931). Von “The Immigrant” (1917) war ich ja schon begeistert. Selten war ich mir so gewiss, die Arbeit eines Genies anschauen zu können. Wahrscheinlich weil zu seinem perfekten Spiel, das mit den perfekten Bildern des Perfektionisten in Szene gesetzt ist, den grandiosen Ideen, dem zeitlosen Humor auch noch eine philosophische Grundhaltung durchschimmert, die mir sehr gefällt.

Außerdem habe ich William Wyler für mich entdeckt. Und zwar mit dem Film “The Heiress” (1949, IMDb). Eine nicht mehr ganz so junge, aber vermögende Tochter (Olivia de Havilland), ein Vater (Ralph Richardson), der seine Frau verloren und diese seither in einer Art und Weise idealisiert, dass ihm seine Tochter im Vergleich wie ein armseliges, trauriges Abbild erscheint und nicht zuletzt Morris Townsend (Montgomery Clift), ein attraktiver, aber vermögensloser Mann, der Catherine Sloper – so der Name der Tochter – heiraten möchte, bilden das Hauptpersonal des Dramas zwischen Konvention und Miskommunikation. Die großartigen Darsteller und eine zeitlos schöne Inszenierung begeistern noch heute. Miriam Hopkins (”Trouble in Paradise”, “Design For Living”) spielt eine Tante.

The Heiress
Bild: The Heiress (Ralph Richardson, Olivia de Havilland, Montgomery Clift, Miriam Hopkins)

Mit Miriam Hopkins lässt sich auch der Bogen zu einem anderen großen Film schlagen, den ich nicht unerwähnt lassen möchte: Ernst Lubitschs “Design for Living” (1933, IMDb). Lubitschs “Trouble in Paradise” ist einer meiner Lieblingsfilme. Und genau dieses Niveau erreicht auch “Design for Living”. Man kann sich nur wundern, wie intelligent und freizügig (ohne dabei viel Haut zeigen zu müssen) der Film im Jahr 1933 noch sein konnte. Also bevor die Moralwächter mit dem Hays Code auf den Plan traten.

Miriam Hopkins in
Bild: Miriam Hopkins in “Design for Living”

Worum geht es? Gilda Farrell (Miriam Hopkins) lernt bei einer Zugfahrt den Maler George Curtis (Gary Cooper – der Sheriff aus “High Noon” mal hochkomisch) und den Dramatiker Thomas B. Chambers (Fredric March) kennen. Sie verliebt sich in beide. Die beiden Künstler wohnen in einer gemeinsamen Wohnung. Da Gilda sich für keinen von beiden entscheiden kann, zieht sie kurz entschlossen mit bei ihnen ein. Ein “Gentlemen’s Agreement” beschließt Kunstförderung und den Ausschluss von Sex. Aber ist Gilda ein Gentleman? Komplikationen sind also vorprogrammiert.

Ernst Lubitsch zeigt sich bei der Verfilmung eines tollen Drehbuchs mit großartigen Dialogen ganz auf der Höhe seiner Kunst. Nicht nur das Was? sondern auch das Wie? begeistern. Vor allem das Lubitsch-typische Wie? Wie erzählt Lubitsch zum Beispiel, dass die Hochzeitsnacht zwischen Gilda und Max Plunkett (Edward Everett Horton) – wenn zwei sich um die gleiche Frau streiten, muss der Dritte nicht der Glückliche sein – miserabel und absolut unbefriedigend verlaufen ist? Mit Hilfe einer geschlossenen Tür. Nämlich so: Es ist Nacht. Gilda kommt noch einmal aus dem Schlafzimmer. Die zwei Tulpen, die ihr Thomas und George zur Hochzeit geschickt haben, und die sie vorher noch mit Wut in die Ecke geworfen hat (Max Plankett hat sie als nette Geste bezeichnet), werden liebevoll wieder in ihren Topf gesteckt. Die Gefühle für Thomas und George sind also noch nicht erkaltet. Gilda verschwindet wieder im Schlafzimmer. Am nächsten Morgen sehen wir Max Plunkett aus dem Schlafzimmer kommen. Er stoppt, blickt die Tulpen an und kickt sie mit Rage durch das Zimmer bevor er aus dem Blick verschwindet. Warum wohl versetzt die vormals “nette Geste” nun in Rage …

Komödien auf diesem Niveau werden heute leider nicht mehr gedreht.