Pen-Ek Ratanaruangs “Invisible Waves” – wieder eine Zusammenarbeit mit dem Cinematographer Christopher Doyle – kam keine drei Jahre nach dem Film “Last Life in the Universe” (2003) in die Kinos. Einiges spricht dafür, dass es sich dabei um einen Gegenentwurf handelt. Stand im Vorgängerfilm eine Liebesgeschichte und das Finden eines Sinns am Sein im Zentrum, geht es im Nachgänger – klassisch formuliert – um Verbrechen und Strafe, die zu Sinnverlust führen.

“Invisible Waves” ist ein sehr ruhiger Film. Man hätte den Stoff unter minimal anderen Voraussetzungen zu einem temporeichen Thriller verarbeiten können. Aber das konnte nicht die Absicht des Regisseurs sein, um das das Drehbuch von Prabda Yoon angemessen umzusetzen.
Wie auch dem Protagonisten Kyoji (Tadanobu Asano), offenbart sich dem Zuschauer nicht sofort, worauf die Geschichte hinausläuft. Viel Handlung gibt es nicht. Geduld ist angesagt, man wird am Ende nicht enttäuscht sein. Der Film ist eine Bildungsreise, die leider zu einer traurigen Erkenntnis führt.
Obwohl es zahlreiche Anknüpfungspunkte zu “Last Life in the Universe” gibt, so die Ähnlichkeiten einzelner Charaktere oder gleiche Namen, sind die Figuren doch nicht identisch. Wie bereits gesagt, man kann “Invisible Waves” als Gegenentwurf betrachten. Und dennoch ist es ein völlig eigenständiger Film, der kein Vorwissen voraussetzt.
Was den Film weniger leicht zugänglich macht, ist das Fehlen einer Projektionsfläche: sprich einer zweiten zentralen Figur. Kyoji, der einen Befehl befolgend eine schlimme Tat begangen hat, ist größtenteils auf sich allein gestellt. Auf einem Schiff, dessen bedrückende Atmosphäre Kafka nicht besser hätte beschreiben können, flieht er. Die in seinem Kopf stattfindenden Prozesse können und sollen zunächst nicht veranschaulicht werden, da sie sich auch erst entwickeln. Der Film bereitet sein Feld mit einer ganz eigenen Atmosphäre vor, die auf das Gemüt von Zuschauer und Kyoji wirkt.
Ein Barkeeper, mit dem sich Kyoji auf dem Schiff unterhält, gibt erste Anhaltspunkte über das Thema des Films. Der Barkeeper berichtet, er habe etwas Schlimmes getan und bestrafe sich mit der ungebliebten Tätigkeit auf dem Schiff selbst. Und darauf will wohl auch der Filmtitel, “Invisible Waves”, anspielen. Die unsichtbaren Nachwehen der Tat.
Je mehr der Film in seinem sehr langsamen Verlauf von seinem Gegenstand preisgibt, um so größer wird das Entzücken. Letzteres mit Blick auf die künstlerische Umsetzung, denn Heiterkeit kommt trotz leisen Humors nicht wirklich auf. Dafür ist das Thema zu ernst.
Am Ende seiner Reise ist Kyoji wieder dort angekommen, wo er aufgebrochen ist. Aber er ist ein anderer, bereit für das, was kommen wird.
Dieser Film wirft seine Geheimnisse nicht unter die Massen. Dem Zuschauer, der sie “Invisible Waves” entlockt, führen sie zu der Erkenntnis, einen großen Film gesehen zu haben. Pflichtkauf für Cineasten!
Wertung: 9/10











