Our Life Is Not A Movie Or Maybe

Ein Filmblog. Filmtipps, Filmkritiken & Assoziationen.

Archive for the ‘Western’


C’era una volta il West (1968)

Gestern habe ich zum vierten Mal „C’era una volta il West“ („Once Upon a Time in the West“) gesehen, nachdem die DVD jahrelang im Regal geruht hatte. Ich war überrascht, wie stark stilisiert die Bildsprache von Leone doch ist. Das hatte ich so nicht in Erinnerung. Es hat ein wenig gedauert, bis ich mich durch die starken Bildkompositionen in die Geschichte hinein gesehen habe. Einmal dort angekommen, habe ich mich aber wieder sehr wohl gefühlt – und auch dieses Mal wieder Neues entdeckt. Den Film noch einmal zu sehen, hat sich also gelohnt. Ich habe keinen Grund gefunden, ihn von der Liste der Lieblingsfilme zu streichen.

Once Upon a Time in the West

Once Upon a Time in the West

Once Upon a Time in the West

Once Upon a Time in the West

Once Upon a Time in the West

Once Upon a Time in the West

Once Upon a Time in the West

Once Upon a Time in the West

Die großartige Geschichte, die stilistisches Protzen und manch coolen Spruch mühelos verkraftet, kennt man beim vierten Durchlauf natürlich. Deshalb hat man Zeit, auf andere Dinge zu achten. Auf die schönen Farben, die großartige Ausstattung, das Licht, die Bildkomposition, musikalische und thematische Motive, ja die Sounds überhaupt – und die Gesichter, die Dialog ersetzen, wenn man sie so phantastisch inszeniert. Weil man inzwischen manch anderen Western gesehen hat, entschlüpften einem auch wohlige Sätze wie „Ah, das hat Leone von Fred Zinnemann!“ oder „The Searchers!“ usw. Wenn das Gedächtnis besser wäre, käme es sicher zu deutlich mehr Äußerungen, aber immerhin.

Ich habe mich dieses Mal ganz über die Farben begeistern können. Die breite Palette von gelb bis braun, oder das schöne rot. Die Details der Ausstattung, angefangen vom Interieur des Eisenbahnwaggons bis hin zum immer größer werdenden Set von „Sweetwater“. So etwas kann man heute gar nicht mehr drehen.

Die tollen Wolken im Hintergrund von John Ford country. Der immer richtige Stand der Sonne, um maximalen Effekt aus der Kulisse zu gewinnen.

Wenn ich bei anderen Filmen mit Sicherheit von einer gefährlichen (die Story überlagernde) Ästhetisierung sprechen würde, sage ich bei „Once Upon a Time in the West“ selbst bei der Beerdigung von Brett McBain noch: „Herrliche Bilder!“ Der niedrige Kamerawinkel, das Gegenlicht, die Farben!, wenn Claudia Cardinale aus der Sonne an das offene Grab tritt. Das ist doch unglaublich schön. Solch gewaltige Bilder verkraftet sonst kein Film.

Once Upon a Time in the West
Bild: Herrlich!

Und die Musik! Was für eine Inkompetenz der Academie-Mitglieder, Ennio Morricone nicht mal für den Oscar zu nominieren. Abgesehen davon, dass dieser trotz fünf erfolgter Nominierungen nie einen Oscar für eine Filmmusik gewonnen hat. Der Ehrenoscar kam immerhin als Schuldeingeständnis. Wenn man sich anschaut, wer in der Kategorie Filmmusik schon gewonnen hat, muss man einfach in hysterisches Lachen verfallen.

Ist „Once Upon a Time in the West“ nun der beste Western? Ohne Frage! Natürlich. Und natürlich profitiert der Film von seinen großen Vorgängern, die er liebevoll aber in ureigenem Stil zitiert. Denn vor allem stilbildend ist er wie kaum ein anderer. Und dabei makellos, wie mir scheint. Oder doch ganz dicht an der Perfektion. Bei John Fords „The Searchers“ zum Beispiel finde ich trotz seiner epischen Wucht etwas zum kritisieren. Wenngleich auf einem über – den – Woken – Niveau.

Once Upon a Time in the West

Once Upon a Time in the West

Once Upon a Time in the West

Once Upon a Time in the West

„Once Upon a Time in the West“ ist auch bei weitem Sergio Leones bester Western. Ich bilde mir ein, dass dafür auch Bernardo Bertolucci verantwortlich ist, der die Geschichte, die dem Drehbuch zugrunde liegt, mitgeschrieben hat. Der Film ist mit stärkerem Stoff weniger zynisch als die früheren „A Fistful of Dollars“ (1964) und „The Good, the Bad and the Ugly“ (1966) oder der spätere „A Fistful of Dynamite“ (1971). Die durchweg geniale Besetzung trägt selbstverständlich ein übriges zum Erfolg von „Once Upon a Time in the West“ bei. Claudia Cardinale als „Zukunft“ oder Jill McBain und die Männer einer „ancient race“: Henry Fonda in seiner Lieblingsrolle als Frank, Jason Robards als Cheyenne und Charles Bronson in seiner Durchbruchsrolle als Harmonica. Besser besetzt kann man sich den Film nicht einmal denken. Geschweige von der Umsetzung …

Gestern nun habe ich den Film also zum vierten Mal gesehen. Und ich könnte schon wieder! Aber das wird dem Leser nicht anders gehen, oder?

IMDb: Once Upon a Time in the West

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Henry Fonda: Revolution im 68-er Western

Die Geschichte ist bekannt. Sergio Leone flog in die Vereinigten Staaten, um Henry Fonda zu erklären, warum er ihn für die Rolle des Frank in „C’era una volta il West“ („Once Upon a Time in the West“ / „Spiel mir das Lied vom Tod“, 1968) besetzen wollte. Er soll in etwa erklärt haben: „Stell Dir einen Gunman vor. Die Kamera zeigt ihn von der Hüfte abwärts, während er einen Revolver zieht und ein Kind erschießt. Die Kamera fährt um den Mann herum, schwingt sich auf Gesichtshöhe und – Oh mein Gott, es ist Henry Fonda!“

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Sergio Leone wollte das Publikum mit diesem Effekt schockieren. Ein Effekt, der natürlich nur funktionieren konnte, weil Fonda bis dahin vornehmlich als Good Guy besetzt worden war. Wer Henry Fonda als Tom Joad in John Fords „Grapes of Wrath“ oder in Sidney Lumets „12 Angry Men“ (es gibt unzählige weitere Beispiele) gesehen hat, zweifelt nicht am Überraschungspotential, wenn sich der eiskalte Mörder dann als Henry Fonda herausstellt.

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Jubal (Der Mann ohne Furcht, 1956)

Der Western hält immer wieder eine Überraschung bereit. Wie sich neulich gezeigt hat, führt die Spur von John Fords “Stagecoach” (1939) zu Flaubert zurück. Zugegeben, da war etwas Euphorie des Verfassers im Spiel. Die Verbindung lässt sich mit etwas Phantasie zwar ziehen, ist aber hauchdünn.

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Delmer Daves wunderbarer Western “Jubal” (1956) ist dagegen offensichtlich von Shakespeare inspiriert. Der im Folgejahr von Delmer Daves gedrehte Western “3:10 to Yuma” (1957) wurde hier bereits vorgestellt. Wenngleich “Jubal” die phantastische schwarz-weiß Cinematographie von “3:10 to Yuma” nicht ganz erreicht (das mag eine Geschmacksfrage sein, denn auch “Jubal” ist herausragend photographiert), ist die Handlung noch packender und dichter.

Daves, der das Drehbuch zusammen mit Russell S. Hughes nach der Romanvorlage von Paul Wellman geschrieben hat, kopiert “Othello” nicht einfach in eine Westernlandschaft, sondern verwendet lediglich Motive, die er variiert oder zum Teil ganz neu gestaltet, um daraus eine Geschichte zu machen, die in Landschaft und Zeit passt.

Handlung

Der Rancher Shep Horgan (Ernest Borgnine) findet eines Tages den Fremden Jubal Troop (Glenn Ford) am Straßenrand liegen. Troop hat ein Blizzard beim Überqueren der Berge beinahe das Leben gekostet. Horgan nimmt den Fremden mit auf seine Ranch. Horgans Frau Mae, gespielt von der deutlich mehr als nur attraktiven Valerie French, wartet nur auf eine Abwechslung. Von Versprechungen aus Canada auf die Farm gelockt, öden sie das Leben und Shep gleichermaßen an. Sie macht Troop ganz eindeutige Avancen. Der Fremde, der sein ganzes Leben lang dem Unglück, welches ihm anzuhaften schien, davongelaufen ist, hat Skrupel. Er ist Horgan freundschaftlich verbunden. Horgan vertraut ihm und ernennt ihn sogar zum Vorarbeiter. Aber Mae ist eine Frau, die eine starke Wirkung hinterlässt. Früh warnt ihn ein Arbeiter, dass ihm Mae schlaflose Nächte bereiten wird. Weil sie allen schlaflose Nächte bereitet.

In Pinky (Rod Steiger) findet Troop seinen Rivalen. Der konnte den Neuen von Anfang an nicht leiden. Als Vorgänger in der Gunst von Mae fühlt er sich nun zurückgesetzt und gedemütigt. Die Ernennung von Troop zum Vorarbeiter vermehrt seine Eifersucht um Wut. Von Pinky wird nichts Gutes ausgehen …

Daves wandelt das Motiv der “Desdemona” (der Unglücklichen) mit Mae Horgan, einer wahren femme fatale (und hot like hell), nicht nur ab, sondern entwirft auch eine Gegenfigur. Die unschuldige Naomi Hoktor (”I’ve not been kissed.”), gespielt von Felicia Farr, zieht mit ihren Leuten gerade durch das Gebiet der Ranch. Krankheiten erzwingen einen Aufenthalt. Man lernt sich kennen und findet sich sympathisch. Leider ist Naomi schon einem Mann versprochen. Der ist weniger sympathisch als Troop und scheint vor nichts zurückzuschrecken. Auch von dieser Seite kündigt sich also Ärger an.

Wie bei Shakespeare sind es die Themen Freundschaft, Loyalität, Leidenschaft und Eifersucht, die den Film bestimmen. Und so bleiben dramatische Entwicklungen nicht aus. Wer “Othello” kennt, kann sich zudem auf viele Variationen mit Wiedererkennungswert in der Handlung freuen.

Und doch wieder Flaubert?

Am Ende kann man den Bogen sogar wieder zu Flaubert spannen. Wenn Mae die Ranch mit den Worten “For a woman it’s 10000 acres of loneliness” beschreibt, dann klingt das doch ganz nach Madame Bovary, über die Flaubert schreibt:

“Wie Matrosen in Seenot ließ sie den verzweifelten Blick über die Öde ihres Lebens schweifen und suchte fern am nebligen Horizont ein weißes Segel.”

oder

“Ihr war … als stiegen angesichts des dampfenden Rindfleischs (!) vom Grund ihrer Seele noch mehr Schwaden der Langeweile auf.”

Sehr wahrscheinlich spielt auch eine Geschichte aus der Bibel mit hinein – der Hintergrund der durchreisenden Landsucher und Troops Lebensgeschichte deuten das an. Klar ist, die Themen des Films reichen weit über das, was man sich unter einer gewöhnlichen Westernhandlung vorstellt, hinaus. Großartige Schauspieler, ein in seiner Eifersucht bewunderungswürdig fieser Rod Steiger sei herausgehoben, überzeugen in ihren Rollen. Charles Bronson spielt als Reb Haislipp noch eine kleine Nebenrolle. Musik und Bilder, ich habe es erwähnt, sind weit über Durchschnitt. Insgesamt wundert man sich, dass der Film nicht bekannter ist. Das sollte sich ändern!

Wertung: 9/10

John Fords Kavallerie Trilogie – Teil I

Wer hinter dem Wort “Trilogie” das Konzept vermutet, einen bestimmten Stoff so umfassend zu behandeln, dass daraus drei Filme entstehen, der liegt falsch. Zwar erzählen alle Filme der Trilogie ihre Geschichten oft mit gleichem Personal, aber die Schauspieler verkörpern zum größten Teil unterschiedliche Figuren. Alle Filme haben einen eigenständigen, nicht aufeinander aufbauenden und abgeschlossenen Inhalt.

Der letzte Film der Reihe, Rio Grande (1950), ist zudem ein Kompromissprojekt, den John Ford nur drehte, um von seinem neuen Studio die Genehmigung für seinen Wunschfilm “The Quiet Man” zu erhalten.

“Kavallerie Trilogie” nimmt man deshalb am besten wörtlich: es sind Filme, die mehr oder weniger deutlich den Alltag in der US-Kavallerie im Westen der Vereinigten Staaten in der Generation nach dem Bürgerkrieg beschreiben. In dieses Geschehen werden die unterschiedlichen Geschichten eingebettet.

Wer mit dem Werk von John Ford weniger vertraut ist und dem der Gegenstand deshalb verdächtig nach tendenziösem Patriotismus klingt, wird gleich mit dem ersten Film eindrucksvoll eines besseren, deutlich mehrdimensionalen Blickwinkels belehrt.

Fort Apache (Bis zum letzten Mann, 1948)

Im ersten und besten Film der Trilogie beschäftigt sich John Ford mit dem Heldenmythos. In diesem Sinne ist der Mythos etwas, das im Nachhinein entsteht. Was da entsteht, muss mit der Wirklichkeit nicht viel zu tun haben. Wesentliche Bestandteile – insbesondere beim Heldenmythos – sind Auslassung, Vereinfachung und Übersteigerung.

John Ford - Fort Apache

So konnte auch General Custer, der aufgrund maßloser Arroganz und Dummheit mit all seinen Männern am Little Big Horn umkam, zunächst zum Helden werden. “Fort Apache” erzählt nicht seine Geschichte, aber die Rolle des Lt. Col. Owen Thursday (Henry Fonda) hat viel mit dem historischen “Vorbild” gemein.

Thursday wird nach Fort Apache versetzt. Er reist mit seiner hübschen Tochter Philadelphia an. Thursday ist ehrgeizig, überheblich und, was die Mischung gefährlich macht, dumm.

Nach dem Bürgerkrieg fühlt er sich hier auf das Abstellgleis geschoben. Mit seiner arroganten Art, die überall Nachlässigkeit, Missgunst und Inkompetenz wittert, verspielt er sich im Handumdrehen alle Sympathien. Die Indianerkriege mit ihren Unruhen in der Gegend sind für ihn die Chance, sich zu bewähren und endlich den Ruhm zu erlangen, der ihm seiner Meinung nach zukommt.

Der Thursday unterstellte Capt. Kirby York (John Wayne) ist da schon von anderem Kaliber. Um unnötiges Blutvergießen zu vermeiden, bricht er in das Lager der Indianer auf, um diese zu einer Rückkehr ins Reservat zu bewegen. Seine Verhandlungen sind erfolgreich, er kehrt erleichtert zurück.

Gegen allen Rat und gegen die von York mit den Indianern vereinbarte Absprache, bricht Thursday mit seinen Truppen auf, um durch ein provoziertes und ganz unnötiges Gefecht zu einem ruhmvolleren Ergebnis als einem bloßen Verhandlungssieg zu gelangen. Diese Vermessenheit reißt ihn und den größten Teil der Truppe in den Untergang.

Als der Film ausklingt, hat die Mythenbildung um einen heroischen Lt. Col. Owen Thursday, dessen Weste keine Flecken ausweist, bereits eingesetzt.

“Fort Apache” besitzt eine phantastische Cinematographie. Sie allein macht den Film schon sehenswert. Bis zur kleinsten Wolkenformation wird alles genutzt, um atemberaubend schöne Bilder zu komponieren. Die Landschaft des Monument Valley bietet die Kulisse für beeindruckende Hintergrundbilder.

Die Handlung selber, die viel subtiler erzählt wird, als man vermutet und die interessanten Nebenstränge machen den Film erst recht sehenswert. Die Indianer werden nicht als brutale Wilde dargestellt. Sie sind das Opfer verfehlter Politik und zeigen sich im Gefecht anständiger als die von Thursday geführten Truppen. Ford erzählt keine simple Gut kontra Böse Geschichte, sondern entwirft ein für seine Zeit beeindruckend ausgeglichenes Panorama, das durch seine Nebengeschichten eine komplexe Detaildichte besitzt.

Man langweilt sich beim Sehen keine Sekunde, was – neben vielen ernsten Zwischentönen – auch am vereinzelt eingestreuten Ford-typischen Humor liegt. Hier übertreibt es Ford zum Glück nicht. In “She Wore a Yellow Ribbon” (1949) gibt es dann schon eine Szene, die das Gleichgewicht ins Wanken bringt.

Stereotypen in seinen Figuren umschifft der Film in bemerkenswerter Weise. Was man bemängeln kann, ist höchstens die von einer bestimmten Philosophie geprägte Erzählweise. Nämlich dass der “einfache Mann” dem Gutmenschen immer am nächsten kommt. Aber selbst das lässt nicht so absolut formulieren.

Wenn dann bei aller Einschränkung doch Patriotismus und ein Loblied auf die Pflichterfüllung mitschwingt, dann handelt es sich dabei um eine historisch korrekte Beschreibung der Zeit vor der Jahrhundertwende.

Wertung: 9/10

Stagecoach (1939)

Stagecoach ist der Name eines vierrädrigen Kutschentyps. Gewöhnlich von vier Pferden gezogen, war diese Kutsche das gängige Langstreckenbeförderungsmittel bevor die Eisenbahn die Weiten Amerikas erschlossen hat. Eine lange Reise in einer solchen Kutsche (coach) erfolgte in Etappen von einer Station (stage) zur nächsten. Die Reiseroute des Films via “Overland Stage Line” verläuft von Tonto über Dry Fork, Apache Wells, Lee’s Ferry nach Lordsburg.

Stagecoach

Die erste Szene des Films zeigt eine Telegraphenstube, in der eine militärische Lagebesprechung stattfindet. Die Apachen der Gegend sind unter der Führung des aus dem Reservat ausgebrochenen Geronimo auf dem Kriegspfad und haben bereits zahlreiche Häuser in Brand gesteckt. Ein gerade eintreffender Funkspruch aus Lordsburg bricht nach dem ersten Wort ab. Die Meldung lässt Schlimmes ahnen: “Geronimo …”

Zur gleichen Zeit trifft in Tonto eine Kutsche ein. An Bord befinden sich bereits Lucy Mallory (Louise Platt), die ihren Mann Richard in Lordsburg besuchen möchte und Samuel Peacock (Donald Meek), ein Whiskyhändler. Nach einem kurzen Zwischenstop soll die Reise fortgesetzt werden.

Das ist die Gelegenheit, um die weiteren Fahrgäste einzuführen. Das sind Marshal Curly Wilcox (George Bancroft), der den Ausbrecher Ringo Kid verhaften möchte, der alkoholabhängige Doctor Boone (Thomas Mitchell), Dallas, eine Prostituierte, die von der “Law and Order League” aus der Stadt getrieben wird und Hatfield (John Carradine), ein sich als Gentleman gerierender Glücksspieler, der Lucy Mallory vorgeblich seinen Schutz anbieten möchte.

Wegen Geronimo und seinen Leuten stellt die Armee der Kutsche eine Eskorte zur Verfügung, warnt aber alle Reisenden über die Risiken. Niemand der unterschiedlich stark verängstigten Reisenden mag von der Reise Abstand nehmen. Am Ortsrand steigt in letzter Sekunde noch der zwielichtige Bankdirektor Henry Gatewood (Berton Churchill) zu.

Kaum haben die Reisenden die Stadt hinter sich gelassen, fängt die Kamera zum ersten Mal das beeindruckende Hintergrundpanorama des Monument Valley ein, durch welches die Reise führt. Der Regisseur wird Gefallen an der Landschaft gefunden haben, schließlich kam er für weitere acht Filme an diesen Drehort zurück.

Wenig später macht sich der letzte Mitfahrer durch einen Schuss in die Luft am Wegesrand bemerkbar. Es ist John Wayne in der Rolle des Ringo Kid. Dem wird von John Ford eine beeindruckende Einführung in den Film, der Wayne zum Star machen wird, zugestanden: den Sattel über den linken Arm geworfen und mit einem Gewehr in der Rechten, das er lässig wie einen Revolver herumschwingt – im Hintergrund die Tafelberge -, hält er die Kutsche an, während die Kamera ganz dicht an ihn heranzoomt. Unvergesslich!

Ringo Kid, der auf dem Weg nach Lordsburg war, um eine Rechnung mit den Plummer Brüdern zu begleichen, hat sein Pferd im Stich gelassen. Er wird vom Marshal freudig begrüßt und sofort unter Arrest gestellt. Eine böse Überraschung für Ringo.

In der nächsten Station wartet auf alle Reisenden eine böse Überraschung. Die Eskorte, die die Kutsche eigentlich übernehmen sollte, wurde abkommandiert. Die Weiterreise, von der niemand lassen möchte, wird noch gefährlicher.

Die Kamera schwenkt immer wieder über die Landschaft und fängt beeindruckende Bilder von der einsam durch das Monument Valley fahrenden Kutsche ein. Wie ein Kontrast schlagen einem die Bilder aus dem beengten Innenraum entgegen, in dem die unterschiedlichsten Typen dicht gedrängt gegenüber sitzen und miteinander hadern. Ihre Vorurteile wirken vor dieser großartigen und weiten Kulisse der Natur so recht als das, was sie sind. Die Reise durch die Wüste scheint zugleich ein Ort der Reinigung zu sein. Aber das alles braucht Zeit, die sich der Film nimmt, ohne sie zu vergeuden. Was am Anfang noch wie eine reichlich konstruierte Reisegruppe gewirkt hat, füllt der Film mit Leben: er verwandelt die Figuren in Individuen.

Im Figurenensemble richtet der Film besondere Aufmerksamkeit auf das Verhältnis des Outlaws Ringo zu Dallas. Der weiß zunächst nichts von deren beruflicher Tätigkeit, was die sich anbahnende Liebe mit einer gewissen Unsicherheit für die Zukunft behaftet.

Auch für den inhaftierten Ringo bringt man Verständnis auf, wenn man erst einmal mehr über dessen Hintergrund erfahren hat. Bald macht er Dallas den Vorschlag, ihm auf seine Ranch hinter der Grenze zu folgen. Vorher möchte er freilich noch Rache an den drei Plummer Brüdern nehmen, die er in Lordsburg vermutet.

Zuerst gilt es aber das Problem mit seiner Inhaftierung zu lösen. Und so lange die Kutsche nicht Lordsburg erreicht hat, ist überhaupt niemand in Sicherheit. Deshalb spitzt sich die Lage erneut zu, als die Kutsche durch ein überraschendes Ereignis aufgehalten wird, bei dem sich Doc Boone auszeichnen kann.

Manche Figuren der großen Gruppe bleiben im Film notgedrungen etwas blass, aber es gibt niemanden, den der Regisseur nicht mit ein paar Bildern Persönlichkeit einhauchen kann. Ein gutes Beispiel ist Peacock, der Whiskeyhändler, der mehr Gegenstand eines running gag und Projektionsfläche für den Trinker Doc Boone ist. Boone pflegt ein von großer Zuneigung geprägtes Verhältnis zum von ihm als “Reverend” verehrten Peacock, weil der dankenswerterweise mit einem großen Koffer von Probeexemplaren reist, den Boone “verwaltet”. Nicht zu Unrecht hat der in diesem Jahr dreifach nominierte Thomas Mitchell für seine philosophisch angehauchte Darstellung des Doc Boone den Oscar für die beste Nebenrolle bekommen.

Prägen die Reise vor allem soziale Aspekte, kommt im großen Showdown Hollywood auf seine Kosten. Aber vor dem finalen Duell müssen erst einmal die Gefahren der Reise überstanden werden. Geronimo und seiner Krieger machen sich nämlich schon für eine eindrucksvolle Verfolgung mit spektakulären Stunts bereit.

“Stagecoach” war John Fords erster Western mit Ton. Der Film war eine Revolution für das Westerngenre, das bis dahin vor allem das B-Movie beherrschte. Die Zeit hat dem Film wenig anhaben können. Es wäre schade, wenn man dieses sehenswerte Stück Filmgeschichte nicht kennt.

Wertung: 9/10