Our Life Is Not A Movie Or Maybe

Ein Filmblog. Filmtipps, Filmkritiken & Assoziationen.

Archive for the ‘Humor’


Claude Chabrol: Nada (1974)

Wer mit dem Werk von Claude Chabrol ein wenig vertraut ist, der wird “Nada” als ungewöhnlich für das Schaffen des Regisseurs einstufen. Den Film einem bestimmten Genre zuzuordnen, ist nicht möglich. “Nada” bedient sich der Elemente des Polit-Thrillers und der Satire. Am besten umschreibt ihn vielleicht die Bezeichnung Farce.

Claude Chabrol: Nada (1974)
Nada: ein Produkt der Phantasie – und deshalb vielleicht doch vorstellbar?

Claude Chabrol: Nada (1974)

Chabrol erzählt in seinem 1974 geschaffenem Werk von der Entführung des amerikanischen Botschafters in Frankreich durch die linksradikale Terror-Gruppe “Nada”. Nada bedeutet nichts. Mit diesem Namen ist die Gruppen-Ideologie der Entführer recht gut beschrieben. Zwar mag sich die Gruppe den Namen zugelegt haben, um auf ihre anarchistischen Absichten zu verweisen. Er signalisiert dem Zuseher aber viel treffender die Abwesenheit von jeglichem Programm. Denn die Ideale von einst sind den Mitgliedern lange abhanden gekommen.

André Épaulard (Maurice Garrel) etwa, der von der Gruppe als Experte für die Entführung kontaktiert wird, glaubt nicht mehr an die Revolution. Auch eine erfolgreiche Entführung hält er nicht für möglich. Nur weil er Gruppenmitglieder von früher her kennt, schließt er sich dem Unternehmen an. Der Lehrer Marcel Treuffais (Michel Duchaussoy), der sich – oh Ironie! – als liberalen Kommunisten bezeichnet, zweifelt an Ideologie und Vorhaben. Andere machen mit, weil sie Abwechslung in ihren Alltag bringen wollen.

Claude Chabrol: Nada (1974)

Bild: Marcel Treuffais (Michel Duchaussoy) reagiert gereizt …

Claude Chabrol: Nada (1974)

Bild: André Épaulard (Maurice Garrel) sagt Buenaventura Diaz (Fabio Testi) voraus, er werde das Lösegeld nie sehen

Weil der Film nicht auf psychologisch entwickelte Spannung abzielt, ist der Blick auf ein Zitat hilfreich. Es erscheint mir als ein Schlüssel für die dem Film zugrunde liegende Idee. Marcel Treuffais zitiert Schopenhauer, nach dem “der Solipsist ein Verrückter ist, der in einer uneinnehmbaren Festung eingeschlossen ist.” Die Ich-Bezogenheit des Solipsisten, der andere Standpunkte nicht gelten lässt, ist auch das zentrale Problem von Terroristen. Es passt zum Stil des Films, dass man der Filmfigur – der das freilich nicht so bewusst wird wie dem Zuschauer – den Spiegel in die Hand drückt.

Die Gültigkeit von Schopenhauers Gedanken beginnt der Zitierende Augenblicke später zu belegen. Im Straßenverkehr gereizt, zieht Treuffais sein Messer. Keine der Figuren im Film, unabhängig davon, ob sie auf Seiten der Terroristen oder der Polizei steht, tickt normal – und belegt damit auch die Allgemeingültigkeit des Zitats für die “Nada”-Filmwelt. Wenn der unmotivierte Terrorismus einem brutal kalkulierenden Polizeiapparat begegnet, stoßen nicht zwei Welten, Gut und Böse gar, aufeinander. In “Nada” ringen Parteien miteinander, von denen beide die gleichen Mittel anwenden. Mit dem Abgleiten ins programmatische Nichts lösen sich auch die politischen Positionen auf.

Claude Chabrol: Nada (1974)

Bild: Nicht unbemerkt …

Claude Chabrol: Nada (1974)

Bild: … verläuft die Entführung des Botschafters … aus einem Bordell

Immer wieder wird die eigentliche Handlung von Worten und Bildern begleitet, die leicht als beißende Kommentare Chabrols zu entschlüsseln sind. Wären sie weniger gekonnt umgesetzt, wären sie von Gleichgültigkeit motiviert, müsste man sie zynisch nennen. Chabrol meistert diese Gratwanderung. Nicht minder bemerkenswert ist der Umstand, wie Chabrol eine Vielzahl von Figuren einzuführen versteht, denen in wenigen Augenblicken eine unverwechselbare Charakteristik verliehen wird.

Claude Chabrol: Nada (1974)

Bild: Die Waffen der Linksterroristen

Claude Chabrol: Nada (1974)

Bild: Macht keine Kompromisse: Kommissar Goemond (Michel Aumont)

Claude Chabrol: Nada (1974)

Betrachtet man das Ende des Films, dann erweist sich die Position des intellektuellen Heißsporns Marcel Treuffais, der sich zur rechten Zeit in einen nachdenkenden Zauderer verwandelt, als die gesündeste Einstellung. Bis es soweit ist, rechtfertigt der kreative, kritisch-humorvolle Stil Claude Chabrols das Verweilen vor dem Fernseher.

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IMDb: Nada

Kihachi Okamoto: Kiru (1968)

Für Kihachi Okamotos schönen Film “Kiru” (1968) sollte ich werben können, ohne zu viel von der Geschichte zu verraten. Wer Akira Kurosawas “Sanjuro” (1962) kennt, dem werden die sieben Samurai, die in Genta (Tatsuya Nakadai) einen weisen Ratgeber finden, auf den sie natürlich nicht hören, irgendwie vertraut vorkommen. Ich schreibe bewusst “irgendwie”, denn zum Glück erzählt “Kiru” Kurosawas “Sanjuro” nicht noch einmal, wenngleich die Vorlage – “Peaceful Days” von Shugoro Yamamoto – dieselbe ist. Ort und Handlung der Filme sind verschieden. Auch die Atmosphäre und der Stil der Filme weisen nur Ähnlichkeiten auf. Bezüglich der Atmosphäre musste ich eher an Kurosawas “Yojimbo” (1961) denken. Aber auch hier sind es nur Anleihen. “Kiru” ist surrealistischer und – obwohl er auf mehr humoristische Brechungen setzt (die in seltenen Fällen auch mal nicht überzeugen) – im Kern melancholischer und dunkler in seiner Aussage.

Vorspann

Schon der Vorspann des Films hat mich fasziniert. Die treibende Musik (Masaru Sato), dramaturgisch durch extreme Nahaufnahmen und Freeze Frames unterstützt, reißt mit und baut Spannung auf. Da weht ein Hauch Italowestern über den Schirm. Natürlich reißen in “Kiru” keine Kugeln Löcher in die Tafeln des Titels. Aber das kurze Aufheulen des Windes (der wie das Abfeuern eines Colts klingt), der forsche Schritt eines unbekannten Mannes, der Fokus auf Hand und Schwert erzeugen hochdynamische Bilder von entsprechender Stimmung.

Kiru

Kiru

Kiru

Handlung

Der Film spielt 1833. Vom Schauplatz könnte es ein Western sein: Ein Wüstenkaff, heulender Wind, staubgeschwängerte Luft – und ein Fremder (Etsushi Takahashi), der in die Stadt kommt. Der Fremde ist ein Ronin, dem der Magen knurrt. Eigentlich nur ein Farmer, der unbedingt Samurai werden möchte. Ach, die Parallele zum coolen Westernhelden bricht schon ab …

Der Versuch, ein Huhn zu fangen, scheitert, weil ein weiterer Ronin in die Stadt kommt. Auch ihm knurrt der Magen. Die Figur des Genta wird von Tatsuya Nakadai gespielt, ist also für den Film von entsprechender Bedeutung.

Der Versuch der beiden Ronin, gemeinsam ein Huhn zu fangen, scheitert, weil ein weiterer Mann in die Stadt kommt. Der so humorvoll einsetzende wie clever erzählte Film nimmt langsam Fahrt auf.

Kiru
Bild: Knurrende Mägen im Diskurs (E. Takahashi und T. Nakadai)

Kiru
Bild: Ein Huhn, kombiniert mit Hunger …

Kiru
Bild: … verursacht große Augen bei Genta (Tatsuya Nakadai)

Die verwahrloste Stadt, in der sich die Ronin aufhalten, hat einen Aufstand erlebt. Der Boss des lokalen Yakuza Clans wurde hingerichtet. Der Clan, der sich hoheitlicher Rückendeckung sicher wähnt, will Rache nehmen.

Sieben Samurai wollen sie wenig später am Verantwortlichen vollstrecken. Ronin Genta warnt. Er erzählt, wie er zwei Jahre zuvor eine ähnliche Geschichte erlebt hat. Man solle lieber Vorsicht walten lassen. Die sieben Samurai hören natürlich nicht auf ihn. Das ist gut für den Film. Denn erst mit ihrer Tat beginnt die komplexe Handlung von “Kiru” so richtig. Inhaltlich weicht sie vom heiteren Ton der Eröffnungssequenz – der gleichwohl beibehalten wird – ab.

Kiru
Bild: Genta hat gewarnt, die Samurai hören nicht auf ihn.

Kiru
Bild: Das kann noch schlimme Folgen haben, erklärt Genta den Samurai …

Der Humor

Ein Beispiel für den schrägen Humor, der oft nur über die Bilder erzählt wird:

Kiru
Bild: Schreck und Furcht sprechen aus der Miene des Mannes. Welche Gefahr hat er erblickt? Einen Attentäter?

Kiru
Bild: Nur eine Katze? Was begründet seine Furcht?

Kiru
Bild: Er fürchtet um den Fisch, den er im Korb hinter seinem Rücken transportiert.

Kiru
Bild: Die Katze hat den Fisch erspäht … Die Geschichte wird fortgesetzt – und verursacht noch echte Lebensgefahr für die beteiligten Personen.

Fazit

Mit “Kiru” hat Kihachi Okamoto einen stilistisch eigenständigen Film geschaffen, der durch eine komplexe, sehr überzeugend inszenierte Handlung, großartige Darsteller und eine brilliante schwarz-weiß Fotografie (Rokuro Nishigaki) überzeugt. Auch wenn die Klasse der Werke Kurosawas nicht erreicht wird, rechtfertigt die Originalität des Films eine unbedingte Sehempfehlung.

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IMDb: Kiru

Army Go Home / Buffalo Soldiers (2001)

Vor Jahren verkündete ein deutscher Vorzeigebiathlet in einem TV-Interview, ein leidenschaftlicher Jäger zu sein. Mir war der Sportler bis dahin sympathisch gewesen. Deshalb wird man mir keine böswillige Interpretation unterstellen, wenn ich die Worte in ihrer Konsequenz so verstanden habe, dass er mit Freude die Tiere des Waldes abknallt. Drastisch formuliert. Gewöhnlich als Notwendigkeit für den Erhalt von Flora und Fauna verkauft und akzeptiert, klang das einmal ganz anders motiviert. Irgendwie ehrlicher, näher an der Wahrheit.

Buffalo Soldiers / Army Go Home
Bild: Elwoods (Joaquin Phoenix) Angsttraum vom Fallen

Etwas Wahrhaftiges habe ich auch aus dem Humor von “Army Go Home” / “Buffalo Soldiers” herausgehört und -gesehen, den die ARD wenige Tage vor der erstmaligen Verleihung von Tapferkeitsmedaillen für Soldaten der Bundeswehr ausstrahlte. Die letzten gab es bekanntlich aus zittriger Hand für Kinder, die im Osten Berlins die Heimat verteidigt haben. Das sei aber nur erwähnt, weil Berlin im Film als symbolische Kulisse für den Mauerfall auftaucht.

Hätte ich gewusst, dass inzwischen eine DVD von “Buffalo Soldiers” mit englischsprachiger Tonspur verfügbar ist (Euro Video hatte darauf verzichtet), dann hätte ich mir lieber das Original angesehen. Es ist immer ein Jammerspiel, wenn sehr gute Schauspieler nur gut oder weniger als gut synchronisiert werden. Und darauf läuft es hinaus, zwangsläufig.

Der Film hat mir aber auch auf deutsch gefallen. Lediglich zwei Stellen fand ich deutlich überzeichnet. Möglicherweise hätten Originalsprecher und -text die Wirkung entschärft.

Filme über amerikanisches Militär gliedern sich bekanntlich in zwei Gruppen: förderungs- und nicht förderungswürdig. Obwohl es eine Sache der Auslegung ist, ob der Film die Bedingungen:

“# The production must help increase public understanding of the Armed Forces

# The production must be authentic in its portrayal of persons”

erfüllt, kann man sicher sein, dass der Film keine Platzpatrone an Unterstützung durch the Armed Forces erfahren hat. Es spricht für den Film, der mit einem intelligenten Drehbuch und einer sehr guten Besetzung aufwartet.

Handlung

1989, kurz vor dem Mauerfall, bestimmt Langeweile das Leben der Soldaten in einer U.S. Kaserne im Westen Deutschlands. Nietzsche wird im Film zitiert werden. Danach (sinngemäß) fällt der Mensch in friedlichen Zeiten über sich selbst her. Was bedeutet, dass es keinen Frieden gibt, immer Kriegszustand herrscht. Das kann man als These des Films, wohlverschleiert hinter viel Humor, durchaus ernst nehmen.
Was bedeutet Langeweile für das Leben der Soldaten? Ist sie der Anfang aller Philosophie, wie Nietzsche ebenfalls sagt? Dem Zuschauer stechen keine potentiellen Philosophen ins Auge. In “Buffalo Soldiers” nutzt man die Zeit mit Hehlerei und Drogenhandel. Bei Jux und Dollerei gibt es schon mal casualties.

Buffalo Soldiers / Army Go Home
Bild: Eine Idee aus “From here to Eternity”? Die Frau des Kommandeurs leiht sich Elwood öfters für “Privates” aus …

Buffalo Soldiers / Army Go Home
Bild: “Wo ist die Einheit?” Von erweiterer Sinneswahrnehmung durch Drogen keine Spur …

Buffalo Soldiers / Army Go Home
Bild: Von Bestechung hält Sergeant Lee (Scott Glenn) nichts

Regimentsschreiber Ray Elwood (Joaquin Phoenix), unfreiwillig in die Army geschlittert, hat sich bestens arrangiert. Den sanftmütigen, völlig überforderten Kommandeur (Ed Harris) hat er im Griff, die Drogengeschäfte laufen gut und auf der Autobahn kann er mit seinem in Deutschland super-billig gekauften Mercedes-Benz mit Top-Speed durch die Nacht brettern.

Gerade als ein Waffendeal für Elwood und Kameraden das große Geld verspricht, setzt sich den Soldaten mit Sergeant Lee (Scott Glenn) ein scharfer Hund in den Nacken, aus dem spätestens Vietnam einen Psychopathen gemacht hat.

Buffalo Soldiers / Army Go Home

Bilder: Elwood erspäht Sergeant Lees Tochter (Anna Paquin). Der Plan, es diesem heimzuzahlen, wird geboren.

Buffalo Soldiers / Army Go Home

Klingt das nach alberner Komödie? Die Umsetzung befreit den Film von diesem Verdacht. Es gibt zahlreiche Handlungsfäden, die dem Film eine vernünftige, sehr facettenreiche Form verleihen. So manches Panzercrewmitglied mag im Vollrausch nicht mitkriegen, was abgeht, die Macher des Films wussten genau, was sie wollten. Das Drehbuch und gute Darsteller haben es ihnen leicht gemacht.

Buffalo Soldiers / Army Go Home
Bild: Vorsicht ist beim Heroin-Kochen die Regel Nr. 1.

Buffalo Soldiers / Army Go Home
Bild: “Wo steht denn überhaupt die Berliner Mauer ?” – Vorurteil: schlechte Geographiekenntnisse.

Buffalo Soldiers / Army Go Home
Bild: “1000 Gallonen Mob & Glow? Brauchen wir so viel?” Die Army nicht, Elwood schon …

Wie man sich denken kann, hat das Produktionsjahr 2001 dem Film in Amerika nicht geholfen. Zwei Tage vor “9/11″ hatte der Film Premiere. Schnell hat die Politik Bush das Militär zur heiligen Kuh erklärt. Und so mancher “Sergeant Lee” wird ihr zum Dank als Held ins Gras gebissen haben, vielleicht mit einer Tapferkeitsmedaille bedacht.

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IMDb: Buffalo Soldiers

The Hidden Fortress (1958)

Ich habe mir “Die verborgene Festung” in der Version, wie sie die NewKSM DVD bietet, jetzt zum zweiten Mal angesehen und bin noch begeisterter über den Film als nach dem ersten Sehen. Ein in allen Aspekten geniales Werk!

Man stelle sich einen großen Haufen Gold vor, dazu einen General, eine Prinzessin und zwei gierige Bauern, die sich auf der Flucht vor ihren Gegnern durch feindliches Gebiet schlagen müssen. Die denkbar beste Geschichte, die sich aus diesem Material formen lässt, stellt mit einiger Wahrscheinlichkeit Kurosawas “Die verborgene Festung” dar.

The Hidden Fortress / Die verborgene Festung
Bild: Matakishi (Kamatari Fujiwara) und Tahei (Minoru Chiaki)

Kurosawa beginnt sehr originell, in dem er uns zwei Bauern, die wir trotz all ihrer Schwächen schnell mögen werden, von hinten zeigt. Sie sind auf dem Weg nach Hause. Zumindest in die Richtung, denn nach Hause trauen sie sich nicht. Die Häuser haben sie verkauft, um in den Krieg ziehen zu können. Reich wollten sie werden. Stattdessen haben sie alles verloren, sind gerade noch einmal mit dem Leben davon gekommen. Nein, so können sie sich nicht nach Hause wagen. Die Stimmung der beiden ist denkbar schlecht. Man stöhnt gemeinsam über die Schmach, die Hitze, die Ungerechtigkeit der Welt – und beleidigt sich dabei kräftig gegenseitig. Bereits die erste Szene macht deutlich, dass man in diesem Film viel zu Lachen haben wird. Das sind phantastische Charaktere, die von großen Schauspielern verkörpert werden.

Wie gierig die beiden sind, zeigt sich, als sie einen kleinen Goldbarren finden. Ein Barren und zwei Bauern? Das gibt Zank. Leider werden sie bei der Suche nach mehr von einem Fremden überrascht. Es handelt sich um General Rokurota Makabe (Toshirô Mifune), dessen Mission es ist, Prinzessin Yuki (Misa Uehara) in Sicherheit zu bringen. Die Identität der beiden verschleiert der General den Bauern. Das ist nicht sehr schwer. Eine gewaltige Odyssee kann beginnen.

Eine wunderschöne Hommage an Eisensteins Treppenszene aus dem “Panzerkreuzer Potemkin” (1925), vermehrt um die Möglichkeiten den Tonfilms:

The Hidden Fortress / Die verborgene Festung

The Hidden Fortress / Die verborgene Festung

The Hidden Fortress / Die verborgene Festung

The Hidden Fortress / Die verborgene Festung

Was mich vor allem an Eisensteins Film begeistert hat, ist die unglaubliche Dynamik der Bilder. Und nichts davon geht bei Kurosawa verloren. Atemlos rauschen die Massen am Auge der Kamera vorbei. Und mittendrin: unsere kleinen und sehr, sehr menschlichen Helden Matakishi und Tahei.

The Hidden Fortress / Die verborgene Festung
Bild: Hat Rokurota Makabe (Toshirô Mifune) einen Plan? Matakishi und Tahei sind einmal mehr ratlos.

Wo soll man bei einem perfekten Film mit dem Nachweis beginnen, was ihn großartig macht? Vielleicht mit den originellen Figuren, um die herum Kurosawa eine großartige Geschichte geschrieben hat? Am wenigsten Farbe besitzt noch die Prinzessin. Aber auch sie ist nicht bloß ein Vehikel, um die Reise zu motivieren. Mehr als Prinz denn als Prinzessin erzogen, ist sie nicht das zarte Geschöpf, was man sich zunächst vorstellen mag.

Ein wie immer großartiger Toshirô Mifune als General Rokurota Makabe hat vielerlei Aufgaben zu erfüllen. Für das Denken, Planen und Kämpfen ist er zuständig. Alles Aufgaben, in denen er keine Unterstützung von Seiten der erschütterten Kriegsheimkehrer erwarten kann. Mifune spielt ihn mit resoluter Bestimmtheit über ein weites Spektrum, von kriegerischer Entschlossenheit bis hin zu empfindsamen Momenten des Mitgefühls.

“Die verborgene Festung” ist Kurosawas erster Film im Seitenverhältnis von 1:2,35 (Toho-Scope, entspricht Cinemascope). Er zeigt sofort, dass das Breitwandformat eben nicht nur für Schlangen und Begräbnisse gut ist, wie der geschätzte Fritz Lang so gern formulierte. Kurosawa zeigt uns eindrucksvolle Bilder voller Kontraste, ohne dass sich die Kamera dabei bemerkbar machen würde. Das ist großartig. Das kann und will man sich immer wieder anschauen.

Kurosawa wäre nicht Kurosawa, wenn der Film nicht auch ein moralisches Bewusstsein erkennen ließe. Es versteht sich von selbst, dass dabei nichts jenseits der Kunst zu vermitteln versucht wird. Im Film bedeutet das, dass jeder von jedem etwas lernen kann. Der eine weniger, die Bauern deutlich mehr.

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IMDb: The Hidden Fortress / Die verborgene Festung

“The World According to Garp”, sagte er

Vor einigen Wochen habe ich auf der Seite der IMDb auf einem Message Board einen Beitrag eines Nutzers entdeckt, der über den Besuch von Satoshi Kon (”Paprika”, “Tokyo Godfathers”, “Millennium Actress”) in Schweden berichtet hat. Eine Frage, die dem Regisseur bei einer Publikumsdiskussion gestellt worden ist, galt seinen Lieblingsfilmen. Satoshi Kon nannte unter anderem den mir unbekannten “The World According to Garp”. Gestern habe ich mir die DVD angeschaut. Es ist eine der DVDs, die ich wegen ihres Covers (es zeigt einen süßlich lächelnden Robin Williams mit 80-er Jahre Fönfrisur) nie angefasst hätte. Was ein Fehler gewesen wäre. Zum Glück hatte ich von dem Film gelesen. Soviel zum Nutzen und Mehrwert von Message Boards auf IMDb.

“The World According to Garp” liegt ein Buch zugrunde, das, wie auch die Vorlage für den wunderbaren “The Door in the Floor” (2004), von John Irving stammt. Die Regie des 1982 gedrehten Films führte George Roy Hill (”Butch Cassidy and the Sundance Kid”, “The Sting”).

Ich werde über eine uneingeschränkte Empfehlung hinaus, sich den Film anzuschauen, keine Details der Handlung verraten, die das ereignisreiche Leben des Schriftstellers T.S. Garp nachzeichnet. Worin liegt die Magie des Films? Vielleicht darin, die Schönheit des Lebens ungeachtet seiner Widrigkeiten zu feiern.

The World According to Garp
Mann beißt Hund: Robin Williams als T.S. Garp

“Garp” ist im Vergleich mit “The Door in the Floor” die leichtere, deutlich humorvollere Irving-Verfilmung. Trotz eines höheren bodycounts und ungeachtet von Schicksalsschlägen, die auch den Titelhelden nicht verschonen.

„Schreiben ist wie Ringen. Man braucht Disziplin und Technik. Man muss auf eine Geschichte zugehen wie auf einen Gegner“, sagt John Irving. Es steckt viel vom Autor in “Garp”, das vermutet man spätestens bei der ersten Ringerszene.

Um die Möglichkeiten und den Zauber des Mediums Film zu bewundern, schaut man sich “Garp” am besten zusammen mit “The Door in the Floor” an. Es gibt Parallelen (Schriftsteller, Unglücksfälle und das mehr oder weniger erfolgreiche Ringen, diese zu bewältigen), wenngleich die Filme ganz anders gestimmt, erzählt und strukturiert sind. “The Door in the Floor” etwa erzählt nur ein Drittel der Handlung des ihm zugrunde liegenden Romans. Daher die düstere Stimmung. Der Teil, in dem Irving seinen Lesern Zucker reicht, fehlt.

Beide Filme sind hervorragend besetzt. Bleibt “Garp” daneben wegen seines Humors, seiner positiven Ausstrahlung und raffiniert verknüpften Ereignissen in Erinnerung, so “The Door in the Floor” wegen seiner Stimmung, den wunderbaren Farben, tollem Set-Design und der Erkenntnis, das manche Dinge larger than life sind.

Mir gefällt “The Door in the Floor” als Film etwas besser. Die Beschränkung auf einen Teil des Romans erlaubt mehr Tiefe. Das Screenplay, dem das zu verdanken ist, stammt vom Regisseur Tod Williams. Es wundert nicht, dass der unbekannte Regisseur die Zusage des Buchautors Irving für den Film erhalten hat.

The Door in the Floor
Ort der Handlung: Long Island

The Door in the Floor
Die Frau des Künstlers: Kim Basinger

The Door in the Floor
Der Künstler: Jeff Bridges

The Door in the Floor
Filmposter in Filmen haben meistens eine besondere Bedeutung

“Garp” wirkt durch die Anhäufung von Ereignissen ein wenig überladen. Das hat mich aber über die bloße Kenntnisnahme nie wirklich gestört. Dazu war der Film zu gut erzählt. Zum anderen hat mir die Aussage, die ich aus dem Film herausgelesen habe, so gefallen, dass ich dem Film viel mehr nachgesehen hätte.

Leider ist die “Garp”-DVD (Amazon) arm ausgestattet: “Specials: USA-Kinotrailer”. Auf “The Door in the Floor” (Amazon) kommen Darsteller, Regisseur und auch John Irving zu Wort.