Das jüngste Stadtporträt der Künstlerin Sarah Morris – 86 Minuten Film, gebannt auf 35mm – entstand während der Spiele der Macht im Zentrum der Macht im Sommer 2008. Im Frühsommer 2009 wurde das Werk der Amerikanerin erstmals in einer umfassenden Einzelausstellung der Öffentlichkeit gezeigt, im Frankfurter Museum für Moderne Kunst. Die Ausstellung endete am 30. September.

Die Filmmontage rückt die glamouröse Selbstinszenierung der Olympischen Spiele in ein unaufgelöstes undramatisches Wechselspiel mit der öffentlichen Selbststilisierung Chinas, die neukapitalistische Welt des Wohlstandes, des Reichtums, des Fortschritts, eines Landes ohne Lächeln. Die Jahrtausendspiele und ihre (Mit)Spieler, Akteure vor und hinter den Kulissen, Marionetten hinter Masken, wechseln sich ab mit den vorbeifliegenden Fassaden Beijings, modernsten Meisterwerken der Architektur: Stahl. Beton. Glas. Spiegelnde Oberflächen – Reflexion der Macht. Alles Fassade? Sicher nicht. In wechselnder Reihenfolge richtet die Künstlerin den Focus wie durch ein Vergrößerungsglas auf Beijings Schaufenster zur Welt, Einblicke in das sich öffnende und doch stets verschlossen bleibende China des 21. Jahrhunderts. Filter der Wirklichkeit. Gefiltert auch von der Künstlerin, auf der Suche nach den verborgenen Gesichtern der Stadt, durchbricht sie Oberflächen ohne tiefgründig zu werden, zeigt Menschen in einer nichtmenschlich erscheinenden Welt. Der Film porträtiert Autorität im Reich der Mitte. Damit einhergehend löst er Gefühle der Distanz, der Kälte, der Beklemmung aus. Eine Gemeinsamkeit beherrscht alle Perspektiven: toter, farbloser Glanz in einem schier unendlichen Farbenrausch in einem Film mit unglaublicher Geschwindigkeit, einem ruhelosen Film, einem sehenswerten Kunstfilm, der die Facetten einer künstlichen Welt zeigt.
T.S.