Our Life Is Not A Movie Or Maybe

Ein Filmblog. Filmtipps, Filmkritiken & Assoziationen.

Archive for the ‘TV’


Der Regisseur und sein Thema

Gestern habe ich “gero von boehm begegnet …” einmal nicht verpasst. Gesprächspartner war der Regisseur Volker Schlöndorff, dessen Buch “Licht, Schatten und Bewegung” (Amazon) ich vor gar nicht langer Zeit gelesen und an diesem Ort auch schon erwähnt und empfohlen habe.
gero von boehm begegnet ...

Ein mehr an Information als sie das Buch liefert, hat die kurze Sendezeit natürlich nicht zugelassen. Interessant fand ich immerhin die Äußerung des in Potsdam lebenden Schlöndorff bezüglich der Beziehung, die zwischen Regisseur und Hauptfigur bzw. dem Stoff eines Films bestehen muss. Die Figur sollte demnach zumindest einen Teil des Selbst in sich tragen. Anderenfalls fehlt die Bindung zum Film, das Projekt will nicht recht gelingen. Als Beispiel führte Schlöndorff “Michael Kohlhaas – Der Rebell” (1969, IMDb) – die Geschichte eines “der rechtschaffensten und zugleich entsetzlichsten Menschen seiner Zeit” (Heinrich v. Kleist, Michael Kohlhaas) – an. Den Film habe ich leider noch nicht gesehen, aber Kleists Novelle vor wenigen Wochen erneut gelesen.

Mit dem absolut rigiden Charakter der Figur, der es an jeglicher Flexibilität mangelt, ist er als Regisseur bald in Konflikt geraten. Was er bei der Arbeit beim Film von Louis Malle gelernt hat, nämlich Umwege zu gehen, das Terrain und dessen Gefälle zu nutzen (was für ein schönes Bild!), geht dem Kleistschen Helden wahrlich völlig ab:

“Du kannst mich auf das Schafott bringen, ich aber kann dir weh tun, und ich will’s!”

Ich mag mich der Kritik an der Hälfte seiner Werke nicht anschließen, solange ich nicht jeden Film gesehen habe. Die Vorstellung von einem Film und das fertige Werk mögen zwei Dinge sein, die den Regisseur durch ihre Abweichung voneinander unzufrieden stimmen. Die Wirkung des Films auf den Zuschauer, der im besten Fall ganz offen an das Werk herantritt, kann eine andere sein. Ich werde mir “Michael Kohlhaas” sicher irgendwann einmal anschauen. Dafür spricht schon Anna Karina, welche die Rolle der Elisabeth Kohlhaas spielt.

Das Gesagte hat mich gestern auch deshalb in besonderer Weise angesprochen, weil mir neulich der Zusammenhang von Biografie und Werk der Regisseure Kenji Mizoguchi und Masaki Kobayashi aufgefallen ist. Daran habe ich denken müssen, als Volker Schlöndorff über das sich wiederfinden im Stoff als Bedingung für einen guten Film sprach. So hat es sicher seinen guten Grund, dass Volker Schlöndorff “Die Stille nach dem Schuss” (Amazon) so gut gelungen ist. Mir gefällt der Film jedenfalls sehr gut.