Our Life Is Not A Movie Or Maybe

Ein Filmblog. Filmtipps, Filmkritiken & Assoziationen.

Archive for the ‘Worte’


Der Andruck und sein Verwandter

Wer sich Fritz Langs “Frau im Mond” (1929, IMDb) anschaut, und später das schöne Wort “Andruck” bei Wikipedia nachzuschlagen sucht, wird feststellen, dass die Erläuterung: “… ein Probedruck zur Überprüfung der Qualität” in keiner Beziehung zum gesuchten Begriff steht. Und dass die erste deutsche, zudem in schwarz-weiß gefilmte Mondmission etwas mit “mehrfarbigen Arbeiten an einer Druckmaschine” zu tun haben könnte, fällt mehr unter Ironie als Information.

Frau im Mond
Bild: Das Weltraumschiff “Friede”. Auch der Name wird den Nazis nicht gefallen haben, als sie den Film – Raketentechnologie wurde als Staatsgeheimnis behandelt – verboten.

Frau im Mond
Bild: Der Andruck (die kritischen “40″ dürften etwa 4g entsprechen)

Der psychologische Andruck

Wenn man keine Erklärung zum Andruck findet, dann fällt es um so leichter, über den psychologischen Andruck nachzudenken. Den psychologischen Andruck stelle ich mir als eine dem Andruck verwandte Kraft vor. Sie beschreibt den gefühlten Andruck. Auch der psychologische Andruck ist von externen Faktoren abhängig, setzt aber Gefühl und Bewusstsein voraus. Er ist nicht messbar. Nicht mit Instrumenten oder wissenschaftlicher Methodik. Sonne verringert ihn für gewöhnlich, graue Wolken erhöhen ihn. Üblicherweise wird der psychologische Andruck in Bildern ausgedrückt, zum Beispiel: “Ich fühle mich federleicht.” oder “Jeder Schritt fällt mir schwer.”

Welle
Bild: Katsushika Hokusai, 1832

Bestimmte Ereignisse können den psychologischen Andruck wie eine Welle zusammenstürzen lassen. Man fühlt sich “in Höhen katapultiert” oder “auf Wolken wandelnd”.

Das ist natürlich alles ungenau. Leider. Aber was soll man machen? Warten wir darauf, was uns Wikipedia vielleicht schon in naher Zukunft über den psychologischen Andruck verraten wird. Es wird die Welt vollständiger und zu einem behaglicheren Ort machen.

Die Screencaps des Films stammen übrigens von der spanischen DVD (”Mujer en la Luna”), deren Bild vielmehr besticht, als es die Bilder hier erahnen lassen.

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IMDb: Frau im Mond

Ethlyne Clair

Ethlyne Clair

“Ich habe immer mehr an Bildern gehangen als an Worten, es ist wohl merkwürdig und ein Widerspruch zu meinem Beruf, aber dem kann ich nicht mehr nachgehn. Das Letzte wird ein Bild sein, kein Wort. Vor den Bildern sterben die Wörter.”

Christa Wolf, Kassandra

Czechoslovakia

Der Tipp von Nicole De Loiselle (Claudette Colbert), Czechoslovakia rückwärts zu buchstabieren, um besser einschlafen zu können, erweist sich für Michael Brandon (Gary Cooper) in Ernst Lubitschs Komödie “Bluebeard’s Eighth Wife” (1938) als schlechter Rat. Das Wort ist zu kompliziert. Das Licht anzuknipsen, macht eine Kontrolle der Buchstabenreihenfolge zwar möglich, Schlaf ist so aber nicht zu finden.

Bluebeard's Eighth Wife

Bluebeard's Eighth Wife

Im September 1938 wird die Geschichte die Fiktion einholen und ihren eigenen üblen “Scherz” mit dem Land spielen.

“Bluebeard’s Eighth Wife” ist heute nach wie vor sehenswert, vor allem wegen einer famosen Claudette Colbert, aber bei weitem nicht so gut wie “Trouble in Paradise” (1932), “Design for Living” (1933), “The Shop Around the Corner” (1940) oder “To Be or Not to Be” (1942).

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IMDb: Bluebeard’s Eighth Wife

Gentlewoman

Samantha Morton

gentlewoman: (obsolete) A woman of the nobility.

Obsolet! Wie gut, dass Laurence Dunmores „The Libertine“ dem alten Äquivalent von „Lady“ wieder Leben einhaucht. Dort erklärt nämlich Samantha Morton als Elizabeth Barry, was gentlemen und gentlewomen geziemt.

Betrachtet man die englische Übersetzung („A Gentle Woman“) von Robert Bressons Film „Une femme douce“ (1969, IMDb) vor dem Hintergrund des Niedergangs des Wortes „gentlewoman“, dann gewinnt auch der Titel tiefere Bedeutung. Oder ist das, trotz tragischer Heldin, zu viel der Interpretation? Auf jeden Fall erscheint mir die Übersetzung sehr feinsinnig.

Nonchalant

Nonchalant: wichtige Geisteshaltung in Lubitsch-Komödien.

Etymology:

French, ‘not being concerned’.

Bedeutung:

1. Casually calm and relaxed.

2. Indifferent; unconcerned; behaving as if detached.

Quelle: http://en.wiktionary.org/wiki/nonchalant