Our Life Is Not A Movie Or Maybe

Ein Filmblog. Filmtipps, Filmkritiken & Assoziationen.

Archive for the ‘Poster’


Karl Struss

Vielleicht, weil ich gerade über Motiv und Inspiration nachdachte, bin ich bei einem Bild von Karl Struss hängen geblieben. Fotografie ist nicht nur Licht und Schatten. In jedem Foto teilt sich auch der Fotograf mit.

Foto: Karl Struss
Bild: Foto von Karl Struss (1917)

Eine zugegebener Maßen banale Einsicht. Interessanter ist die Frage, ob uns obiges Bild aus dem Jahr 1917 bereits etwas über die Zukunft von Karl Struss, aus dem ab 1920 ein berühmter Kameramann werden sollte, verraten kann.

Es sagt wohl nichts, wenn ich aus dem Licht- und Schattenspiel des Fotos leicht Parallelen zu “Sunrise: A Song of Two Humans” (1927, mit dem Oscar ausgezeichnet), “Dr. Jekyll and Mr. Hyde” (1931, Oscar nominiert), “The Sign of the Cross” (1932, Oscar nominiert) oder auch “The Great Dictator” (1940) ziehen kann.

Dr. Jekyll and Mr. Hyde
Bild: “Dr. Jekyll and Mr. Hyde” (1931), Regie: Rouben Mamoulian, Kamera: Karl Struss.

Ist obige Frage ein Zeitvertreib, ist immerhin der Gedanke an sich die Beschäftigung mit ihm wert. Denn in jedem Bild, das wir aufnehmen, teilen wir uns mit.

Entweder / Oder

Gun Crazy a.k.a. Deadly is the Female

Peggy Cummins

“Gun Crazy” a.k.a. “Deadly is the Female” (IMDb): eine der DVDs, die noch irgendwo um die Welt reist, um den Weg in meinen Player zu finden. Bei Amazon kann man den Film leider nicht kaufen. Dabei ist er eine echte Perle.

Join the Marines 1918

Schon wegen der Bezahlung sicher keine echte Alternative zum Leben der Annie Laurie Starr (Peggy Cummins) in “Gun Crazy”. Immerhin hat man 1918 noch eine deutliche Sprache gesprochen. Heute gibt es nur noch Missionen, die Frieden in die Welt tragen.

Entweder / Oder

Laughter
Harry d’Abbadie d’Arrasts (!) “Laughter” (1930)

Louis Malle: Zazie
Louis Malles “Zazie dans le métro” (1960)

Pirate Lane

Es gibt eine erstaunliche Parallele zwischen dem Schwimmen, sofern es als Leistungssport betrieben wird, und einem Zeitvertreib, der früher unter dem Schlagwort Piraterie für Nervenkitzel sorgte. Die gewachsene Bedeutung von “Wunderanzügen” hat die Nähe der beiden Disziplinen nur augenscheinlicher gemacht.

Das mag seltsam klingen, aber die Ähnlichkeiten sind frappierend. Das ist mir letzte Nacht klar geworden. Ausgangspunkt war das unten abgebildete Foto und die Frage, ob der Fotograf bei der Auswahl des Kostüms – bzw. der noch schwierigeren Beschränkung auf Schlüsselaccessoires – in die gleiche Richtung wie ich gedacht hat. Sehr wahrscheinlich nicht. Dafür muss man Anreizen wie Alela Dianes “The Pirate’s Gospel” oder Jacques Tourneurs “Anne of the Indies” ausgesetzt gewesen sein. Andererseits dürfte der Piratenfilm zur Zeit der Entstehung des Fotos bereits eine erste Blüte erlebt haben. Wenngleich die Hauptrollen sicher nicht mit Frauen besetzt waren. Wurde hier “Neuland” fotografiert?


Bild: Ein Foto vom Kameragenie Alfred Cheney Johnston?

Weil die Distanz zwischen Foto und Assoziation so groß war, sind die Gedanken in der schlaflosen Nacht denn auch weiter abgedriftet. Das Foto verschwand allmählich aus dem Bewusstsein. Die Disziplin Schwimmen tauchte in der Wahrnehmung auf – und erwies sich nach längerer Reflexion überraschend als evolutionsgeschichtliche Variation der Piraterie. Ein Vergleich zeigt die Ähnlichkeiten:

1. Das Element Wasser

Pirat und Schwimmer sind auf das gleiche Element angewiesen. Das Wasser ist nicht wegzudenken, ohne dass die Ausübung der Tätigkeit unmöglich gemacht würde. Dabei ist der Rückzug vom Weltmeer in die Halle ins Becken eine klare, wenn auch fragwürdige Ausprägung der Spezialisierung. Durch Wettbewerbe wie z.B. das Langstreckenschwimmen – und die damit verbundene Rückkehr ins Meer – besinnt man sich der Ursprünge.

2. Kampf um Gold

Pirat und Schwimmer streben nach Gold. Michael Gross ist 38000 Kilometer für drei Olympia-Goldmedaillen geschwommen. Henry Morgen hätte darüber nur gelacht.

3. Tools

Was dem Pirat sein schnelles Schiff gewesen ist, ist dem Schwimmer sein Schwimmanzug. Preislich nähert sich der moderne Schwimmanzug den Anschaffungskosten eines Schiffes wieder an. Die Parallele wird deutlicher, denkt man an die Anfänge der Fliegerei. Otto Lilienthal ist auch nicht in einen Airbus gestiegen, sondern hat sich seinen Flugapparat auf den Rücken geschnallt. Beim Schwimmen verläuft die Entwicklung lediglich in die andere Richtung. Hier ist weniger mehr. Sinnigerweise hat man Schwarz als Anzugfarbe gewählt. Man zeigt Flagge.

4. Outlaws

Wie steht es mit dem Gesetz? Handelten die Piraten, die für die englische Krone spanische Schiffe kaperten, gesetzlos oder nach Law and Order? Schwimmt, wer dopt, nach den Regeln? Die Grenzen scheinen so fließend, wie Wasser schwer zu fassen ist.

5. Evolutionssprung

Denkt man an die Fremdschädigung, in die früherer Kaperfahrten unausweichlich mündeten, dann bemerkt man den Evolutionssprung, den das Schwimmen darstellt. Heute schädigt sich der dopende Schwimmer ausschließlich selbst. Das wird vom Publikum honoriert. Ruhm und Ehre sind fester Bestandteil des Wettkampfes.

Jean Peters: Die Piratenkönigin / Anne of the Indies

Fazit und Ausblick

Der schwimmende Leistungssportler ist ein moderner Nachfahre des Piraten. Mit der Dramaturgie eines Piratenfilms inszeniert, ließe sich leicht ein neues Subgenre für das Kino erschließen.

Ist Schwarz eine Farbe?

Blöde Frage? Ich weiß nicht. Physikalisch gesehen, ist “Schwarz” die Abwesenheit von Licht. Kein Licht, keine Farbe? Ist die Unterscheidung von s/w-Film und Farbfilm nicht unsinnig, wenn Weiß und Schwarz gewöhnliche Farben wären? Andererseits trägt “Schwarz” einen Namen wie andere Farben auch; wird gleichberechtigt behandelt.

Die Überlegung hat etwas von der Unterscheidung zwischen Gut und Böse. Was ist Gut? Die Abwesenheit des Bösen. Was ist das Böse? Die Tat, die ins Gefängnis führt!

Wenn ich mich recht erinnere, was ich vor über 15 Jahren gelesen habe, dann war es ein Poster von Rita Hayworth, mit dem ein Gefangener – nachdem es ihm hinter der Mauer zu bunt geworden war – die Durchbruchsgrabung in seiner Zelle verborgen hat. Ob das Filmsternchen “Schwarz” getragen hat, weiß ich allerdings nicht mehr.

RH