Our Life Is Not A Movie Or Maybe

Ein Filmblog. Filmtipps, Filmkritiken & Assoziationen.

Archive for the ‘Sci-Fi’


„Dark Angel“ revisited

Diese Besprechung „Dark Angel“ revisited zu betiteln, ist deshalb gewagt, weil ich die erste Staffel der Serie acht Jahre nach ihrem Start zum ersten Mal gesehen habe. Immerhin hätte man sie inzwischen zwei Mal sehen können. Ein zweites Mal schließe ich für mich nach der erschöpfenden Tour durch Pilotfilm und 20 weitere Episoden allerdings aus. Nachdem die Ironie im Titel eingestanden ist, möchte ich auf das Körnchen Wahrheit verweisen, das dennoch enthalten ist. Es bezieht sich in diesem Fall nicht auf das wiederholte Sehen, sondern den Test der Zeit, den je nach Machart auch acht Jahre bedeuten können. Man denke nur an „Miami Vice“, um zu verstehen, was ich meine.

Dark Angel

Die Macher von „Dark Angel“ haben sich augenscheinlich nicht wie Michael Mann in „Miami Vice“ darum bemüht, die Spitze des Zeitgeistes abzubilden. Die Serie wird zumindest von der Mode nicht ebenso schnell überholt werden. Hinzu kommt, dass die Erzählweise überraschend gut ist. Damit meine ich nicht den Inhalt, sondern die Bilder, den Schnitt, das Editing überhaupt. Die Auszeichnung mit dem CSC Award der Canadian Society of Cinematographers für „Best Cinematography in TV Series“ (Brian Pearson) kann ich nachvollziehen. Wenn nur die Drehbücher und das Schauspiel mit den Bildern hätten Schritt halten können! Leider gab es in dieser Beziehung sehr viel durchzustehen.

Die Story

Nach „Titanic“ greift James Cameron alten Terminator-Stoff auf, modifiziert ihn – um sich mit „Dark Angel“ zurückzumelden. Die Parallelen blinken einem nicht in Neonfarben entgegen, man kann sie aber erkennen. Dieses Mal kommen keine Besucher aus der Zukunft, die Handlung selbst spielt in der Zukunft, die zukünftige Katastrophe wird durch einen das Leben verändernden Terroranschlag in der Vergangenheit ersetzt, transgene Supersoldaten nehmen die Rolle der Maschinen ein. Feiner Unterschied: Auf dem Motorrad sitzt nun nicht mehr Arnold Schwarzenegger, sondern Jessica Alba („I don’t do guns.“)

Die Handlung von „Dark Angel“ spielt im Jahr 2019. Rückblenden führen uns aber immer wieder zurück zu den Ursprüngen der Geschichte, die im Jahr 2009 liegen. In diesem Jahr entkommen Max Guevara (Jessica Alba) und elf weitere Teenager aus der militärischen Sicherheitseinrichtung „Manticore“. Die Gene dieser Teenager sind verändert. Ihre physischen Fähigkeiten sind denen normaler Menschen deutlich überlegen. Bei „Manticore“ hat man unter der Leitung von Donald Lydecker (John Savage) versucht, aus ihnen Supersoldaten zu machen. Wenige Monate nach ihrer Flucht verüben Terroristen einen Anschlag mit einer Waffe, deren elektromagnetischer Impuls die Kommunikationssysteme der Vereinigten Staaten lahmlegt, Chaos verursacht und das Leben nachhaltig verändert.

Die Episoden der Serie erzählen von Max’ Versuch, Kontakt zu den Menschen herzustellen, mit denen sie aus dem Lager entkommen ist. Ein stetes Katz und Maus Spiel beginnt, denn ihr ehemaliger Ausbilder, Donald Lydecker, ist ebenfalls hinter seinen Schützlingen her.

Dark Angel
Bild: Logan Cale (Michael Weatherly) und Donald Lydecker (John Savage)

Unterstützung findet Max bald in Logan Cale (Michael Weatherly), der einen geheimen Kampf gegen das Verbrechen führt. Dazu speist er unter anderem – „it can not be traced, it can not be stopped“ – Videobotschaften ins Fernsehnetz. Bereits im Pilotfilm durch einen Unfall an den Rollstühl gefesselt, ist er der Experte am Computer, der jederzeit jede Informationen besorgen kann. Die Leichtigkeit, mit der Cale am PC fremde Computersysteme hacken, Konstruktionspläne beschaffen, Funkfrequenzen blockieren, koreanische Schiffsverbindungen abfragen, chinesische Satellitendaten nutzen und natürlich ungehindert Videobotschaften ausstrahlen kann, ist schon für sich genommen völlig unglaubwürdig. In der Serie steht sie dazu im krassen Widerspruch zur unplausiblen Behauptung, dass das Land 10 Jahre nach dem Terroranschlag noch immer technologisches Notstandsgebiet ist.

Im Kampf gegen „Manticore“ und andere Kriminelle sind Max und Cale schnell ein eingespieltes Team. Auch privat kommen sie sich näher. Größere Nähe verhindert das Drehbuch, das in entscheidenden Augenblicken immer drängende Ereignisse zwischen sie schiebt.

Erster Eindruck und eine verhängnisvolle Idee

Ich fand den Pilotfilm der ersten Staffel nicht so schlecht wie erwartet. Technisch ist er sogar sehr gut gelungen. Die Idee, sich deshalb die ganze Staffel anzusehen, hat sich im Nachhinein aber als Wahnsinn herausgestellt. Viel zu viele Schwächen haben aus dem Vorhaben bald einen Krampf gemacht.

Figuren und Besetzung

Haben wir uns die Serie wegen Jessica Alba angeschaut? Vielleicht. Ausschließen können wir das nicht. Gegenprobe: Hätten wir die Serie auch mit Woody Harrelson in der Hauptrolle geschaut? Wohl kaum. Immerhin war ihr Spiel über weite Strecken erträglich. Zumindest bis Emotionen oder bedeutungsschwere Gefühle ins Spiel kamen. Wenn vereinzelt Tränen rollten, dann war endgültig Schluss mit lustig. Auch das rezitieren vermeintlich cooler Sprüche gelang selten überzeugend. Daher überrascht es nicht, dass der Golden Globe für „Best Performance by an Actress in a TV-Series“ nicht an Jessica Alba ging. Die Nominierung muss jeder für sich beurteilen.

Aber ich will nicht die Titelheldin kritisieren, wenn mich andere Figuren viel mehr gestört haben. „Original Cindy“ (Valarie Rae Miller) etwa. Die immer in der dritten Person – also als „Original Cindy“ – und zudem mit miesem Text auf sich Bezug nehmen musste. Sie und ihr „brother“ Herbal Thought (Alimi Ballard) vom Kurierdienst, bei dem sie und Max ihr Geld verdienen, waren beide mit einer unerträglichen Aussprache „gesegnet“. Was hat sich der Regisseur nur dabei gedacht? 11 Folgen nervt einen Herbal, nur damit man in der 12. einen Witz über dessen Aussprache einflechten kann. Horror!

Dark Angel
Bild: Original Cindy, Max, Sketchy

Wenn ich dann noch an die Episode „Cold Comfort“ denke, in der ein dämlicher Inder als möglicher Investor für den Kurierdienst auftaucht, könnte man Vorurteile der primitiveren Art bei den Machern vermuten. Andererseits sind alle Figuren mehr oder weniger stark ausgeprägte Klischees. Die lesbische „Original Cindy“, Max’ schnöseliger Boss und alle Männer, die Max kurz an die Seite gerückt werden. Bestand die Idee darin, sie durch diese Deppen größer zu machen? Wenigstens an den darstellerischen Fähigkeiten von Weatherly, Savage und manch ungenanntem Nebendarsteller ist nichts auszusetzen.

Das Drehbuch

Das Korsett des Serienformats in Verbindung mit limitierter Kreativkraft haben bei mir bald zu schweren Ermüdungserscheinungen geführt. Insbesondere in Folgen, die nicht die Handlung an sich entwickelt haben, sondern das isolierte Geschehen einer Episode. Füllfolgen wie „Art Attack“. Sie sind einfach zu uninteressant und oberflächlich, um zu fesseln.

Über die gesamte Staffel betrachtet, wird auch das permanente aber variationsarme Duell zwischen Max und Lydecker monoton. Viel zu oft dreht sich alles darum, Person X als erster aufzuspüren bzw. zu befreien, wenn man zweiter gewesen ist. Wahnsinnig spannend!

Störend sind ebenso die brutalen Brechungen, mit denen dem Zuschauer die Komplexität der Figuren (So?) nahe gebracht werden soll. Einmal erfahren wir, dass Logan auch Gedichte schreibt. Schreck, lass nach! Ein anderes Mal hat er plötzlich Depressionen. Fünf Minuten bevor Logan zur Pistole greift, erfährt Max davon. Sie wäre aber dennoch zu spät gekommen, wenn den Lebensüberdrüssigen nicht ein zeitgleicher Unfall der Nachbarin vom Sinn des Lebens überzeugt hätte. Glück muss man haben!

Die Dialoge

Die Dialoge dienen im wesentlichen dem Informationsaustausch. Sie sollen die Handlung vorantreiben. Wenn Emotionen darzustellen sind, wird es schnell peinlich. Hier hat nicht immer die Zeit gefehlt, sondern oft das Talent der Schreiberlinge. Ein Beispiel: In der Episode “C.R.E.A.M.” bittet eine Frau Max und Logan, ihren Vater aufzuspüren. Die von den beiden gelieferten Information führen zum Tod des Vaters. Was hat die Tochter zu ihrer Tat getrieben? Man macht sich darüber wie auch über die eigene Verantwortung Gedanken:

Logan : „Somebody recruited her, probably Allan Lens.“
Max: Damn, we got played. (dazu ein Gesicht, das ausdrücken könnte, dass die Cola 2 Grad zu warm ist)
Logan: Not that we can prove any of this.
Max: He ended up dying for what he believed in after all.

Genau, Schwamm drüber! Sinnlos, mit mehr Zitaten zu kommen. Die Leichtfertigkeit im Umgang mit Gefühlen wird deutlich.

Es gibt auch ein positives Beispiel. Einmal habe ich nämlich doch lachen müssen. In der Episode „Pollo Loco“ besucht sie den Priester im Beichstuhl, den sie kurz zuvor das Leben gerettet hat. Nur durch ein Gitter getrennt, wendet sich Max an den neben ihr sitzenden Mann:

Max “It’s me.”
Prieser: “You’re not supposed to tell me that.”
Max: “Oh!” (Pause) “So how does this bitch work?”

Kein intellektueller Salto Mortale, aber doch ein guter Lacher. Dieses Mal sehr überzeugend gespielt.

Letzter Kritikpunkt: die Logik. Ich habe schon ausgeführt, dass man die Handlung am besten nicht hinterfragt. Ebenso sollte man mit vielen Handlungen verfahren. Dazu ein Beispiel aus der Episode „C.R.E.A.M.“: Max muss für ihren Kollegen Sketchy (Richard Gunn) schnellstmöglich 15000 Dollar besorgen. Mit einer Freundin betritt sie eine Glücksspielhölle, um dort den Gangstern das Geld abzunehmen, denen Sketchy das Geld schuldet. Dank erweiterter physischer Fähigkeiten kann Max beim Roulette durch das Geräusch (nicht mitdenken!) die Zahl mit sehr großer Wahrscheinlichkeit voraussagen. Einmal geht es schief, sonst nur Treffer. Seltsamerweise wechseln die Damen dann vom Roulette (36-facher Gewinn) zum Poker, um schneller (!) zu Geld zu kommen …

Fazit

Den Piloten zur Serie kann man sich durchaus anschauen. Technisch ist er gut gemacht. Besser wird die Serie nicht, häufiger, viel häufiger ist sie schlechter. Wer wenig Zeit hat und zu Gewissensbissen bezüglich des fahrlässigen Umgangs damit neigt, der macht um „Dark Angel“ einen Bogen.

IMDb: Dark Angel

Dark Angel” bei Amazon kaufen.

Tron (1982)

Hintergrund

Das Drehbuch für “Tron” wurde von Steven Lisberger geschrieben, der auch Regie führte. Lisberger kam die Idee zum Film, als er zum ersten Mal Videospiele sah. Diese wollte er aus ihrem Nischendasein befreien und einem breiten Publikum vertraut machen. Um Videospiele und Computergrafik für das Kino nutzen zu können, wurde 1977 ein Animationsstudio gegründet, das “Tron” entwickeln sollte. Die Kosten explodierten und man wandte sich an Disney.

Somit wurde “Tron” zu einem der ersten Filme eines großen Studios, welche über weite Strecken Computergrafiken einsetzten. Für das Design des Films wandte sich Disney an die führenden Firmen, die sich mit Computergrafik beschäftigten. Der Film wurde zu einem Meilenstein, sowohl für das Kino als auch für die Computeranimationsindustrie.

Es überrascht, dass der Film lediglich 15-20 Minuten computeranimierte Bilder enthält. Da man damals Schauspiel und Computeranimation noch nicht kombinieren konnte, hat man die animierten Sequenzen zwischengeschnitten. Der Rest ist mittels eines hochkomplizierten Verfahrens – dessen Ausgangspunkt Schwarz/Weiß-Film ist – unter Verwendung hoher Kontraste auf herkömmlichem, wenngleich sehr teurem Wege entstanden. Die Methode wurde nie wiederholt.

Handlung

Die Vorgeschichte – das Interesse für Videospiele – bestimmt denn auch ganz wesentlich die Geschichte des Films. Der Chef einer großen Computerfirma, Dillinger (David Warner), hat ein Programm, das so genannte Master Control Programm (MCP) geschrieben, welches die Sicherheit relevanter Daten gewährleisten soll. Das Programm verselbstständigt sich, greift auf andere Programme zu, eignet sich die Funktionen an und wird dadurch schlauer.

Tron-(1982)
Bild: Man kennt das, die Frauen stehen total auf Videospieler

Flynn (Jeff Bridges), ein exzellenter Programmierer, dem Dillinger mehrere Videospielprogramme gestohlen und dann als eigene Entwicklungen auf den Markt gebracht hat, möchte in das System der Firma eindringen, um den Diebstahl nachzuweisen. Bei dem Versuch wird er auf eine Art und Weise, die man am besten nicht hinterfragt, in das Computersystem der Firma gebeamt. Zwischen Programmen muss sich der digitale “User” Flynn nun gegen das MCP behaupten, was in der Regel durch Computerspiele visualisiert wird.

In dieser digitalen Welt besitzen alle wichtigen Charaktere der Realwelt einen digitalen Gegenpart. Das erleichtert die Einführung der Figuren und beschert Flynn sowohl Gegner als auch Unterstützer.

Das Problem des Films ist die absolute Unglaubwürdigkeit der Konstruktion. Nicht nur, dass sich Flynn mit einem Versicherungsprogramm unterhalten kann. Nein, auch Emotionen sind in der digitalen Welt nicht unbekannt. Leider gibt der Film keinen Hinweis darauf, ob er als Metapher für einen bestimmten Sachverhalt verstanden werden möchte.

Tron-(1982)
Bild: Große Emotionen zwischen Bits und Bytes

Nimmt man hin, dass die Handlung ganz abstrus ist, dann erlebt man einen Film, der damals auf der absoluten Höhe der Technik war und auch heute noch von seiner cinematographischen Gestaltung beeindruckt. “Tron” will unterhalten und erreicht das mit reichlich Action.

Wertung: 6/10

David Cronenberg – Teil I: eXistenZ (1999)

Wer sich ein wenig mit Philosophie beschäftigt hat, dem ist vielleicht das folgende Gedankenexperiment vertraut: Ein Hedonist wird vor die Wahl gestellt, sein Leben entweder so wie bisher weiter zu leben oder aber sich auf ewig an eine neu konstruierte Maschine anschließen zu lassen, die garantiert, dass er zu jeder Zeit so glücklich wie nur möglich sein wird.

“eXistenZ” von David Cronenberg beschäftigt sich mit dem Thema virtueller Realitäten. Und in seinen besten Momenten, die leider sämtlich vor der dreißigsten Minute liegen, lässt der Film hoffen, vielleicht in die Richtung des obigen Gedankenspieles zu operieren, die Frage einer virtuellen Ersatzreligion aufzuwerfen oder aber ein anderes interessantes Problem zu behandeln. Nach einer halben Stunde verflüchtigt sich diese Hoffnung so schnell wie ein Bild vom Monitor verschwindet, wenn man den Stecker zieht. Der Film verliert dann völlig seine Linie.

Aber der Reihe nach. Zu Beginn werden wir Zeuge, wie die Entwicklerfirma Antenna Research vor kleinem Publikum das neue Spiel “eXistenZ” vorstellt. Dabei handelt es sich um ein Spiel, dass im Kopf des Spielers stattfindet, indem dort virtuelle Realitäten erschaffen werden. Dazu schließt man einfach einen Game-pod an den im Rückenmark installierten “Bio-port” – eine Art Steckdose – an und schon ist man Bestandteil der virtuellen Welt des Spieles “eXistenZ”.

eXistenZ (1999)

Allegra Geller, gespielt von Jennifer Jason Leigh, ist die Entwicklerin von “eXistenZ”. Sie, die “Game-Pod Goddess”, ist vor Ort und soll das neue Spiel vorführen. Dazu kommt es aber nicht, denn ein Attentäter stürzt mit den Worten “Tod dem Dämon Allegra Geller!” nach vorn und schießt sie mit einer Waffe, die nicht von dieser Welt ist, an. Der Attentäter kann gestoppt werden. Die Art und Weise, wie dies geschieht, lassen in Verbindung mit der seltsamen Waffe einen ersten Verdacht aufkommen, dass die Dinge hier vielleicht nicht die sind, als die sie uns erscheinen.

Mit ihrem persönlichen Security Guard Ted Pikul (Jude Law), der sich leider wenig später als schlichter Marketing Azubi entpuppt, flieht sie. Ihrer Firma möchte sie ihre Sicherheit zukünftig nicht mehr anvertrauen.

Wenig später finden wir uns in einer Tankstelle wieder, wo ein überzeugend agierender Willem Dafoe als Gas bei Pikul einen Bio-port installieren soll. Schon vor der Tankstelle gab es einen zweiten Hinweis darauf, dass etwas nicht stimmt: Da beobachtet Allegra Geller einen seltsam märchenhaft anmutenden zweiköpfigen Lurch. Der Ort der Handlung ist hier mit wunderbar atmosphärischen Bildern eingefangen. Deshalb ist es besonders schade, dass die Geschichte nun abkippt.

Nachdem Law endlich sein Bio-port installiert worden ist, begeben sich die beiden Flüchtigen gemeinsam auf ein Spiel in die Virtualität. Die aufgebaute Erwartung des Zuschauers an diese Kunstwelt bricht sofort zusammen. Im Cyberspace landen Geller und Pikul in einem Computershop, erstehen die nächste Generation des Game-pods und schließen diesen an ihren Körper an. Das Spiel im Spiel beginnt. Was uns im folgenden noch begegnen wird, ist weder interessant noch originell, sondern lediglich konfus. Die erzählerischen Mittel, die genutzt werden, um das Verschwimmen der Grenzen von Realität und Virtualität zu veranschaulichen, sind einfach arm. Die virtuelle Welt, in die der “Spieler” eintaucht, besteht zu einem Großteil aus genmanipulierten und hässlich mutierten Amphibien, die entweder gegessen oder zu Game-pods verarbeitet werden und seltsamen Realitäts-Rebellen, deren mörderische Motivation nie erläutert wird. Am Ende werden noch zwei Wendungen aus dem Hut gezaubert, dann ist zum Glück Schluss.

Wertung: 5/10

I Am Legend (2007)

Ein Spätsommernachmittag in New York City. Warme Farben verleihen der Stadt ein fast mediterranes Flair. Vögel zwitschern. Die Straßenschluchten sind menschenleer. Aus der Vogelperspektive verfolgt die Kamera ein Auto, das durch die Stadt jagt. Dr. Robert Neville (gespielt von Will Smith), einziger Überlebender einer globalen Virenkatastrophe, ist auf der Jagd. Auf dem Beifahrersitz Nevilles treuer Freund Sam, ein Deutscher Schäferhund, den Kopf aufmerksam aus dem Fenster gerichtet. Als eine Herde Rotwild aus dem Asphaltdschungel bricht, entwickelt sich eine rasante Verfolgungsjagd.

Als Neville endlich zum Schuss ansetzen kann, macht ihm eine plötzlich auftauchende Löwin die Beute streitig. Der Wissenschaftler zögert, die Waffe einzusetzen, als sich eine ganze Löwenfamilie um das gerissene Reh versammelt. Das Bild scheint eine schmerzhafte Erinnerung in ihm wachzurufen. Er bricht die Jagd ab.

Das ist der rasante Beginn zu “I Am Legend”, der dritten Verfilmung des Romans “I Am Legend” von Richard Matheson. Das Team Smith/Sam bilden ein Duo, das einen sofort in seinen Bann zieht und auch Zuschauer begeistert, die vierbeinige Freunde eigentlich lieber nicht in einem Film sehen wollen. Bedauern begleitet bereits die frühen Minuten des Films, wenn man daran denkt, dass der Hund wohl keinen Supporting Cast Award wird gewinnen können. Will Smith glänzt in der Rolle des Wissenschaftlers Robert Neville und verleiht dieser imposant Gestalt, soweit es ihm das mitunter etwas dürftige Drehbuch gestattet.

Es ist sicher keine leichte Aufgabe, ein Katastrophenszenario mit nur einem Überlebenden sinnvoll mit Handlung zu füllen. Dem Drehbuch gelingt das ansatzweise gut, das Remake rechtfertigt sich gegenüber dem Original.

I Am Legend (2007)

Aus Rückblicken erfahren wir, dass menschliches Versagen Schuld am Ausbrechen des Virus war. Leicht verlegen und doch unglaublich stolz verkündet eine Wissenschaftlerin in den Nachrichten, die Krankheit Krebs besiegt zu haben. Die Metapher, die sie bemüht, um dem Zuschauer das Wirkungsprinzip des Virus zu erläutern, lässt die Risiken erahnen, die man bewusst in Kauf genommen hat. Ein schöner Schnitt auf die Folgen dieses Reallife-Experiments veranschaulicht die Auswirkungen in drastischer Weise.

Dr. Neville muss seine Zeit zum Glück nicht wie sein Vorgänger Dr. Morgan aus “The Last Man on Earth” (1964) sinnlos damit verbringen, indem er alle Infizierten umzubringen versucht. Er arbeitet vielmehr daran, einen Antivirus gegen die Seuche zu entwickeln. Seine Arbeit verfolgt er mit der Maxime “I can still fix this.” In diesen Worten liegt viel mehr als nur ein aktuelles Anliegen mit Bezug auf seine wissenschaftliche Arbeit, sondern die Sehnsucht, den Verlust der Familie zu reparieren. Ein Verlangen, das sich freilich nicht erfüllen kann.

Es ist die Uhr, die das Leben des Wissenschaftlers bestimmt. Die Stunden zwischen Sonnenuntergang und -aufgang gehören den Dark Seekers, vor denen er sich sorgsam zu verbergen weiß. Täglich sendet er einen Funkspruch, um mit möglichen Überlebenden in Kontakt zu treten. Zum verzweifelten Versuch, Normalität jenseits der Einsamkeit zu erschaffen, gehört der regelmäßige Besuch in der Videothek. In dieser hat Neville Schaufensterpuppen gruppiert, um das Gefühl des Verlorenseins zu überwinden. Wieviel Schmerz liegt in den Worten ‘Please, say “Hello” to me!’, mit denen er einmal eine dieser Puppen anfleht, mit ihm zu reden, die Stille zu durchbrechen.

Da Dr. Neville um seine Experimente durchführen zu können, Probanden benötigt, ist es immer wieder notwendig, diese auf nicht ungefährliche Weise mittels ausgeklügelter Technik einzufangen. Eines Tages, es ist nicht ganz klar, ob ihn der Wahn der Isolation in eine seiner eigenen Fallen hat tappen lassen oder ob die Dark Seekers sich das Prinzip abgeschaut haben, findet sich der Wissenschaftler in einer Schlinge über dem Boden baumelnd gefangen. Die Sonne steht schon tief und die Bedrohungslage ist spürbar ernst. Nur knapp kann er den Wesen der Nacht an diesem Tag entkommen, nicht jedoch ohne einen erheblichen Verlust zu erleiden.

In einer der vielleicht rührendsten Szenen des Filmes erfahren wir denn auch, dass sich hinter “Sam” eigentlich eine “Samantha” verbirgt.

Die nun folgenden Ereignisse nimmt sich der Film leider zum Anlass, um metaphysische Themen in die Story zu weben: Wie erleben, wie ein wütender Neville wild zum Äußersten entschlossen mit seinem Wagen Jagd auf die Dark Seekers macht. Die sind wie alle Zombies und Vampirwesen neuerer Filmjahrgänge schnell und kräftig. Aüßerst gefährlich, zumal wenn wie hier in so großer Zahl vertreten. Dank ihrer zahlenmäßigen Überlegenheit hat der Doktor denn auch keine Chance. Aber – Oh Wunder! – gerade als der Anführer der Dark Seekers dem Leben von Dr. Neville ein Ende setzen will, flammt ein Licht im Dunkel (!) auf, hier mittels eines gewaltigen Scheinwerfers. Rettung naht in Gestalt von Anna, einer weiteren Überlebenden, die Nevilles Funkspruch gehört und deswegen in der Stadt ist.

Auf der Flucht vor den Wesen der Nacht zeigt die Kamera als Metapher für die Rettung ein Kruzifix, das vor der Windschutzscheibe hin und her schwingt. Das ist kein Zufall, sondern gehört zu Programm und Botschaft des Films.

Da gibt es die sehr schöne Szene, in der Neville Anna einen Song von Bob Marley vorspielt. Seine Tochter, so erfahren wir, hatte er nach dem Musiker “Marley” genannt. Und dessen Lebensmotto “Light up the Darkness” hat er sich selber verschrieben. Das ist großartig erzählt.

Den Kontrast zu seiner Weltanschauung (”Es gibt keinen Gott”) erläutert Anna im Anschluss. Die behauptet, von einer Stimme gerade im rechten Augenblick zu ihm geleitet worden zu sein. Und diese Stimme, Gottes Stimme, kann jeder hören der nur lauscht. Das erläutert sie mit einem entrückten Blick, der sie (Alice Braga) wohl wie keine andere für die Rolle empfiehlt.

Das alles könnte man sich als individuelle Meinung gefallen lassen und hinnehmen. Leider bezieht der Film in dieser Frage ganz eindeutig Position: Am Ende findet der Wissenschaftler nicht nur einen Antivirus, natürlich. Auch er hört die Stimme Gottes im entscheidenden Augenblick. Und die Kolonie, die am Ende ihre Pforten der Hoffnung öffnet, gibt zu allererst einen Blick auf die Kirche frei. Glocken läuten …

Das ist schon ein ärgerliches Ende. Der Film ist aber wegen des Duos Smith/Sam(antha) und der diese Beziehung begleitenden Bilder dennoch sehr empfehlenswert.

Wertung: 7/10

The Last Man on Earth (1964)

Ubaldo Ragonas “The Last Man on Earth” (1964) ist die erste Verfilmung des Romans “I Am Legend” von Richard Matheson.

Vincent Price spielt darin den Wissenschaftler Dr. Robert Morgan. Seine sich zu Filmbeginn aus dem Bett quälende, gebeugte Gestalt verrät viel darüber, was die letzten drei Jahre mit ihm angestellt haben. So lange ist es nämlich her, dass ein Virus die Weltbevölkerung ausgelöscht und ihn als “Last Man on Earth” zurückgelassen hat.

Der Wissenschaftler hat sich in einem Vorort einer amerikanischen Stadt verbarrikadiert und kann sein Haus nur zur Tageszeit verlassen. Die Nacht gehört den vom Virus geschaffenen Untoten. Zum Schutz des Hauses vor diesen – die hier alle Merkmale von Vampiren aufweisen – sind überall Spiegel und Knoblauch angebracht. Dr. Morgan verfolgt seit Jahren das Ziel, alle Vampire mittels angefertigter Holzpflöcke unschädlich zu machen. So hat er einem detaillierten Plan folgend, bereits die halbe Stadt gereinigt.

Der Alltag ist monoton und die Bilder vermitteln dieses trostlose Bild anschaulich, wenn Dr. Morgan mit seinem Wagen durch die menschenleere Stadt fährt. Und das tut er häufig. Mal gilt es, frischen Knoblauch für die Türen zu organisieren, mal die Spiegel zu ersetzen, die von den Vampiren immer wieder gerne zerstört werden. Auch der zur Routine gewordenen tägliche Funkspruch, mit dem er sich an etwaige Überlebende richtet, vermittelt Hoffnungslosigkeit. Wenn er die Drehbank anwirft, um neue Hölzpflöcke herzustellen, bereiten ihm die einsetzenden Geräusche Übelkeit.

Die Abendstunden schlägt er mit Musik tot, während draußen die Untoten im Takt an die Wände schlagen. Oder er sucht Trost in alten Filmaufnahmen, die er vor Jahren von seiner Familie angefertigt hat. In durch lange Verzweiflung begründete Lethargie gefangen, kümmern ihn weder die Untoten, die Nacht für Nacht versuchen, in sein Haus einzudringen, noch kommt er auf den Gedanken, sich eine andere, sicherere Unterkunft zu besorgen.

The last Man on Earth (1964)

Eine lange Rückblende im Film klärt grob über die Ausbreitung der Seuche auf. Ein Virus, der sich über die Luft verbreitet, aber zunächst nicht ernst genug genommen wird, fordert nach und nach immer mehr Opfer. Darunter auch die Familie des Wissenschafters. Am Schluss ist nur noch Dr. Morgan übrig. Nach seiner Theorie hat ihn ein in Panama zugefügter Biss einer Fledermaus immun gemacht.

Die Tristesse der sich ewig gleichenden Tage wird durchbrochen, als er eines Tages einem Hund begegnet. Man spürt das Glück, den dieser Hund für den Wissenschaftler bedeutet, in dem verzweifelten aber vergeblichen Versuch diesen einzufangen. Der Hund entwischt. Bei seiner Suche stößt er immerhin auf Indizien die dafür sprechen, dass er doch nicht allein ist.

Wenig später begegnet er sogar einer überlebenden Frau. Sie ist Grund zu Hoffnung, aber leider nicht das, was sie zu sein scheint. Immerhin warnt sie Dr. Morgan vor einer akut drohenden Gefahr, die der Wissenschaftler leider grob fahrlässig missachtet. Dieses irrationale Verhalten verleidet einem leider das gesamte Ende, das sich im Stile eines B-Movies präsentiert. Das ist schade, weil es vom Potential mehr Realismus in sich trägt, als die neueste “I Am Legend” Adaption.

Leider stimmen auch die im Film vorkommenden Untoten aus logischen Gründen ziemlich traurig. Als schwach beschreibt sie der Wissenschaftler. Mehrmals muss Dr. Morgan gleich mit mehreren von ihnen ringen, nicht ohne sie schließlich leicht von sich stoßen zu können. Andererseits können sie das Auto des Wissenschaftlers nach allen Regeln der Kunst zerstören. Die dünnen Brettchen vor dem Fenster des Hauses zu überwinden, ist ihnen allerdings nicht möglich. Sind sie dafür zu dumm? Das wird uns gesagt. Aber wir hören sie jede Nacht “Morgan, we gonna kill you!” rufen, was doch wohl auf eine Grundintelligenz schließen lässt?

Lässt Dr. Morgan diese Grundintelligenz vermissen, wenn der Wissenschaftler sich seit Jahren darum bemüht, alle Vampirwesen einzeln zu beseitigen? Ist das nicht aussichtslos? Soll es nur die Vergeblichkeit seines Schaffens veranschaulichen? Warum bemüht er sich nicht um ein Antiserum anstatt tagtäglich Holzpflöcke zu drechseln und auf die unschöne Jagd nach Untoten zu gehen, nur um seine Opfer anschließend umständlich verbrennen zu müssen?

Leider wirft der Film an zu vielen Stellen ungewollt Fragen auf, um wirklich ungetrübten Filmgenuss zu gewährleisten.

Wertung: 6/10