Our Life Is Not A Movie Or Maybe

Ein Filmblog. Filmtipps, Filmkritiken & Assoziationen.

Archive for the ‘Abenteuer’


Why did the chicken cross the road?

“Why did the chicken cross the road?” – das ist ein Satz aus John Hustons “The African Queen” (1951). Der Film spielt 1914 in Deutsch-Ostafrika. Den Ausbruch des Ersten Weltkrieges bekommt eine Mission im Dschungel zu spüren, als deutsche Truppen die Hütten des Dorfes in Brand stecken. Die Missionarin Rose Sayer (Katharine Hepburn) flieht gemeinsam mit Kapitän Charlie Allnut (Humphrey Bogart) auf einem kleinen Dampfboot. Das heruntergekommene Boot trägt den stolzen Namen “African Queen”.

The African Queen: Katharine Hepburn und Humphrey Bogart
Bild: Rose entleert den Ginvorrat. Charlie hat noch einen schweren Kopf.

Was folgt, ist ein Mischung aus Abenteuer und Romanze. Sie zieht ihre Kraft aus den gegensätzlichen Charakteren, die sich, auf einer Nussschale zusammengezwängt, erst auf einen verwegenen Plan und dann auch aufeinander einlassen.

Während eines Gespräches fragt Rose den Kapitän, was ihn nach Afrika geführt hat. Ein Brückenbau der Briten ist es gewesen. Für Charlie ein unverständliches Projekt, schließlich gleicht der Dschungel auf der linken Seite des Flusses dem auf der rechten Seite. Das Unerklärliche drückt er mit den Worten aus: “Why did the chicken cross the road?”

Das ist die Stelle des Films, an der sich 0,12% aller Zuseher fragen, ob die Figur Charlie Allnut so sprechen würde. Allnut wird als einfacher Mann eingeführt. Zu Beginn des Films, wenn er von Rose und ihrem Bruder zum Essen eingeladen wird, windet er sich qualvoll auf seinem Stuhl, während die Missionare gepflegte Oberklasse-Konversation betreiben. Viel mehr als ein wiederholtes “That’s right, Miss”, kann er nicht beitragen. Hinzu kommt ein Magenknurren Allnuts, das dem Ganzen eine degradierende Note verleiht.

Ob Allnut so sprechen würde oder nicht, ist letztlich egal, weil sich der Film zum Vorteil des Zuschauers entwickelt. Was nützt ein Kapitän, der keinen vernünftigen Satz formulieren kann? Und Charlie wird noch zu hoher Form auflaufen. Eine Einstellung zeigt ihn beim Rasieren. Der polierte Dampfkessel der “African Queen” dient ihm als Spiegel. Während Rose gleichgültig am Ende des Bootes sitzt und in einem Buch liest, legt Charlie los:

“Ah, it’s a great thing to have a lady aboard with clean habits. It sets the man a good example. A man alone, he gets to living like a hog. Then, too, with me, it’s always: ‘Put things off. Never do today what you can put off till tomorrow.’ But with you: ‘Business before pleasure.’ Every time. Do all your personal laundry, make yourself spic and span, get all the mending out of the way and then – and only then – sit down for a nice quiet hour with the Good Book. I tell you, it’s a model – like an inspiration.”

Eine Auswahl ähnlich bemerkenswerter Filmperlen findet man auf dieser (filmsite.org) Seite.

Anders als im Film, kann man den Satz vom Huhn – der schriftlich erstmals 1847 (Wiki) dokumentiert ist – aber auch ernst nehmen. Und wenn es nur dazu dient, eine humorvolle Antwort zu finden.

Why? Antworten.

Eine mögliche Antwort – Ludwig Wittgenstein in den Mund gelegt – lautet: “The possibility of ‘crossing’ was encoded into the objects ‘chicken’ and ‘road’, and circumstances came into being which caused the actualization of this potential occurrence.” Pyrrho der Skeptiker könnte wie folgt geantwortet haben: “What road?” Oder noch skeptischer: “It did?”

Eine größere Zusammenstellung möglicher Antworten findet man hier (philosophy.eserver.org).

Das Finale als “actualization of its potential”

Was hat das mit dem Film zu tun? Das Ende eines Films ist – ähnlich der Entscheidung des Huhns, to cross or not to cross – die Realisierung einer “Möglichkeit”. Und hier ist es, wo ich wirkliche Schwächen in den zwei zuletzt gesehenen Filmen von John Huston sehe.

Das Ende von “The Treasure of the Sierra Madre” (1948, IMDb) empfinde ich geradezu verwegen. Zumal es in einen Widerspruch mündet. Will Huston einen moralischen Film über den Fluch des Goldes (wobei sich freilich der Mensch als Fluch des Menschen erweist) zeigen – und daran gibt es wenig Zweifel, dann dient er der moralischen Botschaft nicht, wenn das Ende unglaubwürdig ist. Die Sache wird nicht besser, wenn das unglaubwürdige Ende auch noch mit starker Hand und spürbarer Freude inszeniert ist.

Sieht man vom Ende und dem Umstand ab, dass Humphrey Bogarts Charakter in “The Treasure of the Sierra Madre” einige sehr abrupte Stimmungswechsel vollziehen muss, dann ist der Film nach wie vor absolut sehenswert. Tolle Darsteller und eine gewohnt gekonnte, mätzchenfreie Inszenierung Hustons.

Die Entwicklung der Figuren gefällt mir in “The African Queen” besser. Aber auch hier läuft der Film auf ein wenig glaubwürdiges Ende hinaus. Gleichwohl ist auch dieser Film sehenswert. Gerade im Sommer, wenn zwanzig Minuten Mückenjagd Alltag sind, um schlafen zu können, wird man die Darstellungskünste Humphrey Bogarts bewundern (und nachvollziehen können), wenn er seinen Körper von Blutegeln übersät findet. Und Katharine Hepburn, die sich über den Psycho-Kick, den ihr das Durchfahren von Stromschnellen bereitet, begeistert, lässt man sich besser auch nicht entgehen.

Vielleicht fällt einem dann auch wieder das Huhn ein. Bezüglich “The African Queen” könnte man die Frage, warum das Huhn die Straße überquert, wie folgt beantworten: Das Huhn hat nach einem anderen Huhn bzw. Hahn gesucht. Auch um der Gefahr willen, Überfahren zu werden. No risk, no fun.

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IMDb: The African Queen

The Hidden Fortress (1958)

Ich habe mir “Die verborgene Festung” in der Version, wie sie die NewKSM DVD bietet, jetzt zum zweiten Mal angesehen und bin noch begeisterter über den Film als nach dem ersten Sehen. Ein in allen Aspekten geniales Werk!

Man stelle sich einen großen Haufen Gold vor, dazu einen General, eine Prinzessin und zwei gierige Bauern, die sich auf der Flucht vor ihren Gegnern durch feindliches Gebiet schlagen müssen. Die denkbar beste Geschichte, die sich aus diesem Material formen lässt, stellt mit einiger Wahrscheinlichkeit Kurosawas “Die verborgene Festung” dar.

The Hidden Fortress / Die verborgene Festung
Bild: Matakishi (Kamatari Fujiwara) und Tahei (Minoru Chiaki)

Kurosawa beginnt sehr originell, in dem er uns zwei Bauern, die wir trotz all ihrer Schwächen schnell mögen werden, von hinten zeigt. Sie sind auf dem Weg nach Hause. Zumindest in die Richtung, denn nach Hause trauen sie sich nicht. Die Häuser haben sie verkauft, um in den Krieg ziehen zu können. Reich wollten sie werden. Stattdessen haben sie alles verloren, sind gerade noch einmal mit dem Leben davon gekommen. Nein, so können sie sich nicht nach Hause wagen. Die Stimmung der beiden ist denkbar schlecht. Man stöhnt gemeinsam über die Schmach, die Hitze, die Ungerechtigkeit der Welt – und beleidigt sich dabei kräftig gegenseitig. Bereits die erste Szene macht deutlich, dass man in diesem Film viel zu Lachen haben wird. Das sind phantastische Charaktere, die von großen Schauspielern verkörpert werden.

Wie gierig die beiden sind, zeigt sich, als sie einen kleinen Goldbarren finden. Ein Barren und zwei Bauern? Das gibt Zank. Leider werden sie bei der Suche nach mehr von einem Fremden überrascht. Es handelt sich um General Rokurota Makabe (Toshirô Mifune), dessen Mission es ist, Prinzessin Yuki (Misa Uehara) in Sicherheit zu bringen. Die Identität der beiden verschleiert der General den Bauern. Das ist nicht sehr schwer. Eine gewaltige Odyssee kann beginnen.

Eine wunderschöne Hommage an Eisensteins Treppenszene aus dem “Panzerkreuzer Potemkin” (1925), vermehrt um die Möglichkeiten den Tonfilms:

The Hidden Fortress / Die verborgene Festung

The Hidden Fortress / Die verborgene Festung

The Hidden Fortress / Die verborgene Festung

The Hidden Fortress / Die verborgene Festung

Was mich vor allem an Eisensteins Film begeistert hat, ist die unglaubliche Dynamik der Bilder. Und nichts davon geht bei Kurosawa verloren. Atemlos rauschen die Massen am Auge der Kamera vorbei. Und mittendrin: unsere kleinen und sehr, sehr menschlichen Helden Matakishi und Tahei.

The Hidden Fortress / Die verborgene Festung
Bild: Hat Rokurota Makabe (Toshirô Mifune) einen Plan? Matakishi und Tahei sind einmal mehr ratlos.

Wo soll man bei einem perfekten Film mit dem Nachweis beginnen, was ihn großartig macht? Vielleicht mit den originellen Figuren, um die herum Kurosawa eine großartige Geschichte geschrieben hat? Am wenigsten Farbe besitzt noch die Prinzessin. Aber auch sie ist nicht bloß ein Vehikel, um die Reise zu motivieren. Mehr als Prinz denn als Prinzessin erzogen, ist sie nicht das zarte Geschöpf, was man sich zunächst vorstellen mag.

Ein wie immer großartiger Toshirô Mifune als General Rokurota Makabe hat vielerlei Aufgaben zu erfüllen. Für das Denken, Planen und Kämpfen ist er zuständig. Alles Aufgaben, in denen er keine Unterstützung von Seiten der erschütterten Kriegsheimkehrer erwarten kann. Mifune spielt ihn mit resoluter Bestimmtheit über ein weites Spektrum, von kriegerischer Entschlossenheit bis hin zu empfindsamen Momenten des Mitgefühls.

“Die verborgene Festung” ist Kurosawas erster Film im Seitenverhältnis von 1:2,35 (Toho-Scope, entspricht Cinemascope). Er zeigt sofort, dass das Breitwandformat eben nicht nur für Schlangen und Begräbnisse gut ist, wie der geschätzte Fritz Lang so gern formulierte. Kurosawa zeigt uns eindrucksvolle Bilder voller Kontraste, ohne dass sich die Kamera dabei bemerkbar machen würde. Das ist großartig. Das kann und will man sich immer wieder anschauen.

Kurosawa wäre nicht Kurosawa, wenn der Film nicht auch ein moralisches Bewusstsein erkennen ließe. Es versteht sich von selbst, dass dabei nichts jenseits der Kunst zu vermitteln versucht wird. Im Film bedeutet das, dass jeder von jedem etwas lernen kann. Der eine weniger, die Bauern deutlich mehr.

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IMDb: The Hidden Fortress / Die verborgene Festung

Drei “schwarze” Filme mit Tyrone Power

Warum sich nach einer langen Pause nicht ungewöhnlich zurück melden? Aber das tue ich im Grunde genommen gar nicht. Auch wenn es ungewöhnlich erscheinen mag, wenn man die drei Filme mit Tyrone Power, um die es heute geht, nicht kennt. Zwei Abenteuerfilme aus den 40-er Jahren? Muss das wirklich sein? Interessiert man sich für zeitlos gute Filme (gutes Drehbuch, überzeugende Darsteller und tolle Bilder), dann eigentlich schon. Wobei wir uns das “eigentlich” auch noch wegdenken – und damit einem Pflichtprogramm ins Auge sehen. Das Weiterlesen rechtfertigt sich also zumindest in der Sache.

Vorweg noch ein Wort zum Titel. “Schwarze“ Filme? Natürlich geht es nicht um Flops. Oder Filme, die von tragischen Ereignissen begleitet worden sind. Grund ist einzig die Farbe, die in allen drei Titeln präsent ist. Schwarz ist das Kostüm des Zorro, schwarz ist der „Schwan“ und schwarz ist die Nacht (der Alpträume).

Tyrone Power

„The Mark of Zorro“ (1940)

Rouben Mamoulians “The Mark of Zorro” (1940, IMDb) war einer der ersten Filme in meiner DVD-Sammlung. Und für ganz kurze Zeit auch der älteste Film der Sammlung. Berühmt wegen seines Degenduells zwischen Tyrone Power und Basil ‘Sherlock Holmes’ Rathbone, geschätzt wegen seines Humors – und zeitlos aufgrund seiner Inszenierung. Die Größe des Regisseurs Mamoulian ist mir zum Glück bald darauf aufgegangen, als ich “Dr. Jekyll and Mr. Hyde” (1931, IMDb) gesehen habe. Welches Remake hat einen der beiden Mamoulian-Filme übertreffen können? Keines.

Im Gegensatz zur Entdeckung der Größe Mamoulians, hat sich noch viel Staub auf die Hülle von “Zorro” herabgesenkt, bis ich Tyrone Power neu entdeckt habe. “Zorro” ist nicht die Charakterrolle gewesen, die mir den Darsteller hinter der Figur mit dem Verlangen nach mehr ins Gedächtnis gebrannt hat. Und weil auch nicht außercineastische Gründe – wie ihn beispielsweise ein Kurzauftritt von Joan Blondell oder Marian Marsh darstellen – weitere Recherchen inspiriert haben, vergingen eben etliche Jahre.

„Zorro“ ist als Stoff so bekannt, dass ich keine weiteren Worten zum besten Film mit diesem Helden verlieren möchte.

„The Black Swan“ (1942)

Auf “The Black Swan” bin ich eher zufällig gestoßen. Vielleicht weil mir “The Adventures of Robin Hood” (1938) so gar nicht zugesagt hat. Trotz der Besetzung mit Olivia de Havilland! Dem Film merkt man sein Alter wirklich an. Drei Oscars (Art Direction, Film Editing und Music) gab’s einmal dafür. Das verwundert heute schon ein wenig. Ich weiß nicht, ob es am Skript, den Strumpfhosen oder Errol Flynn gelegen hat (wohl an allem), aber den Film hätte ich mir gern erspart.

Nach der Enttäuschung wollte ich dem Genre mit “The Black Swan” eine letzte Chance geben. Piratenfilme, Abenteuerfilme überhaupt, sind nicht meine Vorzugskandidaten, wenn es an die Auswahl von Filmen geht. Was für eine schöne Überraschung habe ich dann aber mit dem “schwarzen Schwan” erlebt. Wie angenehm kann man überrascht werden, wenn man sich einem Film ohne Erwartungen nähert.

Zwar gewinnt “The Black Swan” (übrigens der Name eines Schiffes unter Piratenflagge) mit seinen Duellszenen gegenüber “Zorro” nicht. Denn die verzichten auf großartige Choreographie. Beschleunigte Wiedergabe ist hier der einzige und sehr augenfällige Spezialeffekt. Aber sie sind kurz und überhaupt kein wesentlicher Bestandteil der Handlung. Wegen der Duellszenen habe ich mir den Film sowieso nicht angeschaut. Ich beginne lediglich damit, weil die Duellszenen die einzige Schwäche des Films sind. Der Rest ist Licht!

Dem Film liegt ein Drehbuch von Ben Hecht zugrunde. Und das spürt man jederzeit. Hier hat ein Meister des Fachs gearbeitet. Der Seeräuberfilm überzeugt durch seinen Plot (”Master and Commander” mit all seinen visuellen Effekten hat mich im Vergleich viel weniger mitgerissen). In erster Linie vielleicht dadurch, weil er mit ausgesprochen witzigen Dialogen und Einstellungen vorangetrieben wird. Und man hier genau das so schwer zu treffende rechte Maß erwischt hat.

Die Grundidee vom Piraten, der sich in eine Frau verliebt, die wiederum einen anderen (natürlich einen Schuft) liebt und deshalb entführt wird, damit sie sich in den Piraten verlieben kann, klingt wirklich nicht rasend originell. In “The Black Swan” ist sie ist aber sehr erfrischend umgesetzt. Und das sage ich immerhin heute, siebzig Jahre nach dem Dreh.

Maureen O’Hara darf nämlich nicht nur ein hübsches, leider aber auch irgendwie dummes und häufig kreischendes Objekt in den Händen der Protagonisten spielen, sondern eine Frau, die sich mit dem Helden des Films ein Duell auf Augenhöhe liefert. Ich korrigiere daher auch meine vorherige Aussage bezüglich der Duellschwächen des Films. Der Film hat ja sein Duell! Wenn Maureen O’Hara und Tyrone Power auch nur Worte (freilich von der einen oder anderen Handgreiflichkeit begleitet) wechseln, dann hat das mehr Feuer als wenn sich kalte Klingen in schöner Choreographie kreuzen. Humor und Wortwitz anstatt Melodrama und verkitschter Liebesszenen. Das sieht man gern, das macht den Film zeitlos. Selten habe ich so gelacht.

Um abschließend vom Schönen zum Schöneren zu kommen, sei noch erwähnt, dass “The Black Swan” den Oscar für die beste Cinematography gewonnen hat. Und das völlig zu Recht. Was die Opulenz der Bilder betrifft, da ist der „schwarze Schwan“ wahrlich kein schwarzes Schaf, das sich verstecken müsste. Das muss sich wohl eher dieser schräge Vergleich …

“Nightmare Alley” (1947)

Etwas ganz anderes – ich sage bewusst nicht „something completely different“ – ist der Film “Nightmare Alley” (IMDb). Es ist kaum möglich, nach “Zorro” und “Black Swan” einen fließenden Übergang zu finden. Denn “Nightmare Alley” ist ein dunkles Drama ohne Humor und Späßchen. Liest man, was sowohl mit dem Autor als auch dem Regisseur passiert ist, dann muss ich an „Leaving Las Vegas“ (1995, IMDb) denken, der von der Stimmung her vergleichbare Emotionen auslöst, inhaltlich und thematisch freilich nichts mit „Nightmare Alley“ gemein hat.

Tyrone Power, der sich lange bemüht hat, dem Abenteuergenre mit Flucht in substanzhaltigere Rollen zu entkommen, beweist hier eindrucksvoll, was er kann, so ihm die Möglichkeit gegeben wird. Wie übrigens auch Pre-Code Star Joan Blondell, der man hier endlich einmal eine Charakterrolle eingeräumt hat. Letztlich beweist “Nightmare Alley” per se, was im Film bereits 1947 in Bezug auf realistisches Inszenieren möglich war. Wir Verdanken das dem Regisseur Edmund Goulding, der ein Buch von William Lindsay Gresham verfilmt hat.

“Nightmare Alley” erzählt eine Geschichte von großen Ambitionen, eine Geschichte vom Aufstieg und Fall des Protagonisten. Im Kern sind alle großen Filme einfach, aber wie ist er inszeniert! „Nightmare Alley“ beginnt im Milieu eines Wanderzirkus, dessen vom Scheinwerferlicht abgewandte, dunkle Seite unaufdringlich aber nachdrücklich geschildert wird. Reichlich Raum für Schatten gibt es hier. Hier entdeckt Stanton Carlisle (Tyrone Power) sein Talent zur Manipulation von Menschen. Zusammen mit der Wahrsagerin Zeena (eine beeindruckende Joan Blondell) führt er die Massen hinters Licht. Aber Stanton will höher hinaus. Dazu bedient er sich aller Ressourcen und Mittel. Legt Zeena beiseite und greift sich die nächste Frau. So avanciert er zum großen Star mit eigener Nummer. Aber da oben wird die Luft dünn und das Verhalten leichtsinnig, wenn man wie Stanton noch höher hinaus will. In einer mysteriösen, unglaublich coolen wie auch kontrollierten Psychiaterin (eine grandiose Helen Walker) findet er schließlich seine Meisterin, als ihm seine Partnerin Molly (Coleen Gray) nicht mehr folgen will. Das böse Erwachen folgt, wie man so sagt.

Wenn der Film vorbei ist und man sich bewusst wird, dass man „Nightmare Alley“ wohl nicht vergessen wird, dann weiß man auch, dass man einen wunderbaren großen Film gesehen hat.

Billy Wilders “Witness for the Prosecution” (1957, IMDb) mit Marlene Dietrich, Tyrone Power und Charles Laughton sollte man sich sowieso mal wieder anschauen. Aber der Film ist so bekannt, dass er hier ausnahmsweise mal am Schluss genannt wird. Und schließlich hat Tyrone Power nicht “Witness for the Prosecution”, sondern “Nightmare Alley” als seinen besten Film bezeichnet.

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Fay Wray, King Kong, Remakes & Sequels

Dank der massiven, allgegenwärtigen Werbung ist auch mir nicht entgangen, dass “Indiana Jones 4″ vergangenen Donnerstag gestartet ist. Der Film gehört einem Genre an, das mich weitestgehend gleichgültig lässt. Deshalb haben mich auch ein jugendlich frischer Harrison Ford und Cate Blanchet als russischer Haarschnitt aus einer vergangenen Zeit nicht ins Kino locken können.

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Dieses cineastische “Großereignis” hat mich aber dazu veranlasst, mir darüber Gedanken zu machen, ob die Bildcollage, welche diese Seite ziert, den Geist der hier besprochenen Filme überhaupt widerspiegelt. Ja und nein, denke ich. “King Kong” (1933) ist ein Abenteuerfilm mit Action und Fantasyelementen. Um diesen Beitrag zu archivieren, musste ich die Kategorie “Abenteuer” erst anlegen. Repräsentativ für die hier besprochenen Filme ist “King Kong” also definitiv nicht.

Dennoch habe ich nicht die Absicht, Fay Wray und Bruce Cabot zu ersetzen. Mir gefällt “King Kong” (1933) nämlich aus mehreren Gründen. Zum einen ist der Film wunderbar erzählt und animiert. Dann gefällt mir die Ambivalenz des Filmens im Film. Ob bei mir das Unterbewusstsein bei der Auswahl “King Kongs” eine Rolle gespielt hat, mag ich bezweifeln, aber diese Ambivalenz passt doch gut zum Titel dieser Seite: Our Life Is Not A Movie Or Maybe. Und das Foto, das eine nicht so ganz realistische Darstellung von Fay Wray mit wirklich sehr viel Emotion zeigt, spiegelt auch diesen Gedanken eines Spektakels wieder, das nicht existiert.

Die Rechtfertigung für Fay Wray und “King Kong” an diesem Ort mag sich nicht aufdrängen, mir gefällt sie. Mir gefallen sie. Und nicht zuletzt ist “King Kong” “der größte Abenteuerfilm aller Zeiten“, oder?

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