William Wylers Thriller “The Desperate Hours” (1955) erzählt von der Geiselnahme einer zufällig ausgewählten Familie durch drei Gangster. Im Mittelpunkt des Films steht dabei das Psychoduell zwischen den zu Höchstform auflaufenden Hauptdarstellern Fredric March und Humphrey Bogart.

Inhalt: Es hat bereits etwas Vorausgreifendes, wenn am Morgen der Zeitungsjunge mit jugendlichem Übermut die Zeitung mit großem Knall gegen die Tür des Hauses der Familie Hilliard wirft. Ein Artikel in der aktuellen Ausgabe widmet sich nämlich drei Verbrechern, die wir später noch ziemlich genau kennenlernen werden, wenn sie sich das Haus hinter dieser Tür als Versteck wählen.
Vom sich nähernden Unheil ahnt die Familie beim Frühstück natürlich noch nichts. Gewohnt souverän führt Wyler das Personal seines Films ein. Das sind zunächst: Dan Hilliard (ein brillianter Fredric March), seine Frau Eleanor ( Martha Scott) und die beiden Kinder Cindy (Mary Murphy) und Ralph (Richard Eyer). Die Tochter trägt sich bereits mit Heiratsgedanken, der Sohn, der dem Vater kaum bis zum Bauchnabel reicht, beweist in einer großartigen Szene ebenfalls sich entwickelnde Persönlichkeit.
Die Akteure in ganz und gar natürlich wirkenden Szenen höchst elegant vorzustellen, ist eine der großen Stärken Wylers. Was so oft unbeholfen umgesetzt wird und, didaktisch aneinandergereiht, unnatürlich wirkt, fließt unter Wylers Regie bei hohem Informationsgehalt für den Zuschauer mit Leichtigkeit dahin. Die Eleganz des Erzählens wird durch das hervorragende Bild der Paramount DVD, die zwar kein Bonus-Material kennt, diesen Mangel aber mit wunderbarem Kontrast, Bildschärfe und feinem Korn ausgleicht, unterstützt.


“Sorry to bother you.”

Wenig später zerstreut sich die Familie in den Tag. Nur die Mutter hält sich noch im Haus auf, als es an der Tür läutet und sich Humphrey Bogart in der Rolle des Kriminellen Glenn Griffin mit den Worten: “Sorry to bother you” vorstellt. Das “sorry” ist natürlich bloße Floskel, seine beiden Kumpane sind bereits in das Haus eingedrungen.
Für Familie Hilliard, die nach und nach wieder zusammen findet, beginnt eine qualvolle Zeit. Cineastisch ist das interessant, weil uns eine Vielzahl von Figuren und Interaktionen Abwechslung und Spannung garantieren. Letztere nach und nach gesteigert wird.
Wie bereits erwähnt, steht das psychologische Duell der Hauptfiguren im Vordergrund. Griffin, der sich in seiner Geisteshaltung Hilliard gegenüber zwischen Respekt und Verachtung bewegt, lässt keinen Zweifel daran aufkommen, bei Gefahr kurzen Prozess zu machen. Wenn Hilliard neben den Gangstern im eigenen Lager seinen Sohn, der vom Lesen vieler Heldencomics inspiriert ist, unter Kontrolle halten muss, stellt für Griffin sein Kumpel Sam Kobish (Robert Middleton) eine zusätzliche Gefahrenquelle dar. Dessen infantile Minderbemitteltheit macht ihn zu einer schwer zu berechnenden Größe.
Was Griffin getan hat, welche Pläne er verfolgt, was die Polizei unternimmt, um die Gangster zu fassen, sind Nebenschauplätze. Von Interesse ist vor allem das Geschehen im Haus. Die Spannung steigt, nachdem sich die Dinge nicht wie von Griffin geplant, entwickeln.


“The Desperate Hours” ist vielleicht nicht die Offenbarung an Originalität, das sehr gute Drehbuch, die herausragenden Leistungen aller Darsteller und die meisterhafte Inszenierung lassen beim Sehen keine Minute lang werden.
IMDb: The Desperate Hours
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