“Elizabeth – The Virgin Queen” (1998) hat erzählt, wie Königin Elizabeth I. an die Macht gekommen ist und diese gefestigt hat. Ihre Regierungszeit, die sich darüber hinaus über weitere vierzig Jahre erstrecken sollte, wird als das “Goldene Zeitalter” bezeichnet.
Basierend auf einem Drehbuch von William Nicholson und Michael Hirst hat der Regisseur Shekhar Kapur, von dem auch “Elizabeth – The Virgin Queen” stammt, einen Film gedreht, der an die bereits gezeigten Ereignisse anknüpft und ihn folgerichtig “Elizabeth – The Golden Age” genannt.
Es scheint ganz so, als ob die Geschichtsbücher aus dieser goldenen Zeit den Drehbuchautoren zu wenig Drama geboten haben. Denn in das Zentrum des Films stellen sie eine Dreicksbeziehung zwischen der Königin (Cate Blanchett), dem Entdecker Sir Walter Raleigh (Clive Owen) und der Hofdame Beth (Abbie Cornish), die es so nicht gegeben hat. Aber die Kunst ist frei – und so sind es die Autoren. Was letztlich zählt, ist der Film als Kunstwerk, nicht dessen historische Genauigkeit.
In diesem Punkt kann der Film leider nicht überzeugen. Das liegt zunächst daran, dass er keine klare Linie besitzt. Die romantische Beziehung der Königin zu Raleigh besitzt von Anfang an keine Aussicht auf Erfüllung. Da dem Film damit im Zentrum das Potential für Entwicklung fehlt, wird die Beziehung zur Hofdame mit den zu erwartenden Implikationen eingeflochten, was dann ein Gemisch ergibt, das sich auf dem Level einer besseren Telenovela mit deutlich besseren Schauspielern bewegt. Mit viel Melodrama wird Elizabeth als eine Frau gezeigt, die weit hinter die Entwicklung ihrer Figur zu Ende des ersten Teiles zurückfällt.
Die begleitenden Ereignisse die mit der Handlung verknüpft werden, um den Film interessant zu machen, sind zum größten Teil so stereotyp gestaltet, dass sie über die knalligen Farben hinaus kein Eigenleben gewinnen.
Da gibt es die Verschwörer, die nur auf ein Zeichen von Maria Stuart (Samantha Morton) warten, um Elizabeth vom Thron zu stürzen. Und Philip II. von Spanien (Jordi Mollà), der immerhin mit der mächtigsten Seemacht seiner Zeit gegen England in die Schlacht zieht und am Ende die größte Niederlage zur See in Spaniens Geschichte zu verantworten haben wird. Eigentlich das Material für Spannung und Drama, möchte man meinen.
Leider werden alle diese Figuren mit der gleichen dunklen Plakatfarbe gezeichnet, die sie lediglich als Gegenspieler und Rivalen kennzeichnet. Im schlimmsten Fall zu Witzfiguren macht. Der österreichische Thronfolger, der um die Hand der Königin wirbt, wird als junger Tölpel gezeigt. Das Muster erinnert an den ersten Teil, wo Vincent Cassel den lächerlichen Franzosen in Frauenkleidern mimen musste. Philip II. von Spanien, als in schwarz gewandeter Dämon unter dem Kreuz, muss mit watschelndem Gang durch seine Auftritte steuern. Ist Elizabeth von schönen Hofdamen umgeben, hat man Maria Stuart dunkle Gestalten an die Seite gestellt, die sämtlich als Boten der Unterwelt durchgingen.
Viel farbenprächtiger als die einfarbigen Charaktere präsentieren sich die Bilder. Aber anstatt eine Entwicklung zu begleiten, sind sie oft symbolüberladen, schrecklich simpel und vorhersehbar. Da reicht es nicht, dass uns die die kleine Isabella von Spanien gezeigt wird, die ihr Vater, Philip II. von Spanien, auf Englands Thron setzen möchte. Nein, sie muss ein Püppchen in der Hand halten. Ständig werden dem Zuschauer Kreuze vor die Augen gehalten, als ob dieser nicht mitbekommen hätte, in welcher Mission Philip II. unterwegs ist.
Zur Veranschaulichung dieser einfachen Bildersymbolik eine Szene im Abriss: Ein in schwarz gekleideter, düster blickender Philip II. wird in einer dunklen Kapelle gezeigt (ein Kreuz im Hintergrund). Es erfolgt ein Umschnitt auf Elizabeth, die mit heller Rüstung in einem weißen, vom Wind bewegten Zelt gezeigt wird. Schnitt auf Philip II, der murmelt: “Elizabeth ist Dunkelheit, ich bin das Licht.” Schnitt auf Elizabeth, die das Zelt gleich mit einem weißen, wallenden Gewand verlassen wird.
Am Schluss wartet der Film dann überflüssiger Weise auch noch mit Magie auf: Sir Walter Raleigh steuert in stürmischer Nacht ein brennendes Schiff in die Linien der Spanier, springt über Bord und befindet sich nur Minuten später an Bord des Flaggschiffs der Engländer neben Sir Francis Drake.
Brilliant: Cate Blanchett
Was den Film sehenswert macht, ist die Leistung von Cate Blanchett. Ihre Zerissenheit zwischen Verlangen und Verpflichtung, die öffentlich zur Schau getragene Würde unter persönlichem Schmerz sind großartig. Mit einer anderen Schauspielerin wäre der Film sicher ganz schnell untergegangen.
Und so hat “Elizabeth – The Golden Age” doch ein paar große Momente. Etwa in der Konfrontation zwischen Elizabeth und dem spanischen Botschafter, der ihr vorwirft, Piraterie zum Nachteil Spaniens angeordnet zu haben. In diesem Moment überträgt sich etwas von der Energie und Würde der Figur Elizabeths, die sehr wohl weiß, wie nah am Abgrund sich das Land befindet.

Oder wenn sie vor der Schlacht die Reihen ihrer Männer abreitet und die Worte an sie richtet, die – da ist man sich wirklich absolut sicher – diesen hoffnungslos unterlegenen Haufen zum Sieg führen werden.
Makellos ist auch die Vorstellung von Geoffrey Rush, der wie schon im ersten Teil Elizabeths Berater Sir Francis Walsingham spielt. Fast tut er einem leid, dass er bei bekannter Bündnislage Philip II. den Vorwand für einen Krieg liefert, dies aber nach Drehbuch nicht hat kommen sehen dürfen. Solche Konstruktionen beleidigen die Vernunft des Zuschauers.
Clive Owen ist als guter Schauspieler bekannt und überzeugt in der Rolle des Sir Walter Raleigh soweit es das Drehbuch zulässt ebenso wie die ihm an die Seite gestellte Abbie Cornish.
Wer den englischsprachigen Trailer gesehen hat, wird wissen, dass man sich trotz aller Mängel des Films die DVD wohl wird besorgen müssen, um Cate Blanchett in Originalsprache erleben zu können. Wie leicht hätte diese Frau, einen anderen Regisseur und ein besseres Drehbuch vorausgesetzt, einen Meilenstein in diesem Genre schaffen können.
So bleiben vor allem eine tolle Cate Blanchett und schöne Kostüme in Erinnerung.
Wertung: 6/10
Die DVD erscheint im Februar.