Um noch einmal an den etwas dunkler gefärbten Humor aus Luis Malles “Milou en mai” anzuknüpfen, ein letztes Zitat aus Luis Buñuels Buch “Mein letzter Seufzer”:
“Vor meinem letzten Seufzer stelle ich mir gerne einen letzten Scherz vor. Ich bitte alle meine alten Freunde zu mir, die wie ich überzeugte Atheisten sind. Betrübt versammeln sie sich um mein Bett. Dann kommt der Priester, den ich habe rufen lassen. Zum großen Entsetzen meiner Freunde beichte ich, bitte um die Vergebung aller meiner Sünden und empfange die letzte Ölung. Dann drehe ich mich zur Wand und sterbe. Ob man in dem Augenblick aber noch die Kraft hat zu scherzen?” (Luis Buñuel, Mein letzter Seufzer)
Ähnlich surreal – wenn man das Wort in diesem Zusammenhang überhaupt gelten lassen möchte – stelle ich mir folgende Situation vor: Man kommt aus dem Kino, wo man gerade Masaki Kobayashis “The Human Condition” (etwa 9 Stunden plus zweimal 5 Minuten Pause) gesehen hat. Noch ganz unter dem gewaltigen Eindruck des Films stehend, schwingt man sich auf sein Fahrrad. Weil man geistig noch ganz woanders ist – übrigens ein Phänomen, auf das auch Luis Buñuel in seinem Buch zu sprechen kommt – nimmt man die reale Welt um sich herum nicht richtig wahr. Man fährt deshalb vor eine Litfaßsäule. Es folgt ein Sturz auf das Straßenpflaster. Der letzte, schon verschwommene Blick richtet sich auf die Säule, die man langsam als Ursache für den Unfall auszumachen beginnt. An der Säule entdeckt man ein Poster, das unter der Schlagzeile “Drama im Anflug!” für den Film “Pearl Harbor” wirbt. Was für ein schrecklich deprimierendes Ende!
Die Chance, “The Human Condition” im Kino erleben zu können, geht leider gegen Null, käme einem Wunder gleich. Die Poster, die für Michael Bays widerlichen Film werben, gibt es natürlich. Ich bin heute einem begegnet. Leider ebenso wahr: Sucht man bei Amazon nach Masaki Kobayashi, dann erhält man lediglich fünf Suchergebnisse. Nicht ein Titel ist lieferbar.






