Wanderer kommst du nach Japan, dann solltest du “Empire of Passion” kennen. Nein, so herum: Filmfreund, kennst du “Empire of Passion”, dann möchtest Du nach Japan reisen (obgleich du es nie so schön finden wirst). “Reich der Leidenschaft” klingt nicht unbedingt nach einem Werbefilm für die Schönheiten eines Ortes, der uns als Land der aufgehenden Sonne bekannt ist. Ist er aber, wenn auch auf einem indirekten Weg. Denn die Natur bildet, im Wechsel der Jahreszeiten eingefangen, eine atemberaubende Kulisse für den gegen Ende des 19. Jahrhunderts in einem kleinen Dorf spielenden Film über Leidenschaft und Verbrechen.

Nagisa Oshimas “Empire of Passion” erzählt von Seki (Kazuko Yoshiyuki) und ihrem deutlich jüngeren Liebhaber Toyoji (Tatsuya Fuji). Der eifersüchtige Toyoji, gerade aus dem Krieg heimgekehrt, erträgt es nicht, dass Seki die Nächte mit ihrem Mann verbringt. Aus der Lust heraus ersinnt Toyoji eine List, mit der er Seki dazu verführt, mit ihm gemeinsam Gisaburo (Takahiro Tamura), ihren Ehemann, zu töten.
“Empire of Passion” ist eine Geistergeschichte. Es lässt sich denken, dass man Gisaburo in einer solchen nicht mit einem Mord aus der Welt schaffen kann. Zumindest nicht dauerhaft. Wer mehr vom Inhalt wissen möchte, schaut sich den Film an. Das Geistermotiv erfährt in “Empire of Passion” eine sehr schöne Variation, das Motiv des schrägen Ermittlers mit Inspektor Hotta (Takuzo Kawatani) eine überzeugende Interpretation, das sei noch verraten.



Die Geschichte des Films ist nicht wahnsinnig ungewöhnlich. Harmonie im Bunde findet der Dritte nur bei Lessing. Was den Film einzigartig macht, ist seine Auflösung in phantastische Bilder. Für die zeichnet sich Yoshio Miyajima verantwortlich. Der Miyajima, der auch die Bilder für Masaki Kobayashis Filme “The Human Condition” (1959-61), “Seppuku” (1962) und “Kaidan” (1964) komponiert hat. Alles Werke der “muss man gesehen haben” – Kategorie. Denkt man sich noch talentierte Darsteller vor und einen begabten Regisseur neben der Kamera hinzu, dann hat man alles, was ein großer Film benötigt.
Die aktuelle Bewertung von 6.7/10 auf IMDb spiegelt eindrucksvoll wieder, dass Bildkomposition und Atmosphäre Aspekte sind, die man in der Masse weniger honoriert. Dabei ist der Film noch nicht einmal beim breiten Publikum angekommen. Er verdient ein höheren Bekanntheitsgrad und mehr, viel mehr Seher.
Wenn man auf die sprichwörtliche Insel müsste und nur eine Hand voll japanischer Filme mitnehmen dürfte, dann gehört “Empire of Passion” zumindest in den Kreis der Kandidaten.
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IMDb: Empire of Passion











