Our Life Is Not A Movie Or Maybe

Ein Filmblog. Filmtipps, Filmkritiken & Assoziationen.

Archive for the ‘Uncategorized’


Die Wolke

Wolke

Über den Blättern eine Wolke.
Über der Wolke ein Gedanke.
Zwei Minuten später hat sich die Wolke aufgelöst.
Wird der Gedanke Wirklichkeit werden?

Nicht zu fotografieren

Ein nicht ganz früher Morgenspaziergang. Eine schöne Radfahrerin kommt mir entgegen. Sie lächelt mich an. Und das ist selten. Radfahrerinnen lächeln Spaziergänger für gewöhnlich nicht an. Sie haben ihre Gründe. Einer sind zu viele, zu oft hässlich eindeutige Blicke.

Aber meine schöne Radfahrerin hat mich angelächelt. Schon von weitem. Und ich habe zurückgelächelt. Was zu einem noch intensiveren Lächeln bei ihr und dann bei mir geführt hat. Das war Lächeln der ehrlichen, offenen Sorte. Lächeln ohne Absicht. Ich weiß nicht, an was sie gedacht hat. Aber ich weiß, an was ich gedacht habe. Es hatte mit der schönen Radfahrerin nur wenig zu tun.

Der Eintritt außergewöhnlicher Umstände ist es gewesen, ein Zustand inneren Glücks. Ein Glück, das die Oberfläche sympathisch veredelt und zugleich ein sichtbares Signal meiner Harmlosigkeit gesetzt haben muss. Und so flog mir, ihr, uns ein Lächeln zu. Und die Sonne strahlte wärmer.

Später kam mir der Gedanke, dass Wunder (als Spezialfall außergewöhnlicher Umstände) durch unbeteiligte Dritte ähnlich wahrgenommen werden, wenn diese den Zeugen des Wunders begegnen. Ungeachtet der Frage, ob das Wunder wahr ist oder nicht, ungeachtet der Frage, wie nachvollziehbar der Eintritt eines bestimmten Ereignisses ist oder auch nicht. Letztlich ist es die Aura der Zeugen, die vom Eintritt des Wunders überzeugt – nicht die Fakten.

Wunder hin, Wunder her. Ein überzeugendes Lächeln – ungleich wahrscheinlicher – macht die Welt um vieles angenehmer. Wir sollten mehr Lächeln. Anderen Grund zum Lächeln geben.

Das Bild des Bloggers vom Leser

Die Zeit hat heute eine Interview mit dem Regisseur Pedro Almodóvar veröffentlicht. Eine Frage lautet: “Sind Kino und Leben für Sie letztlich dasselbe?” Die Antwort Almodóvars: “Aber ja. Das Kino ist eine fabrizierte Wirklichkeit, aber mit gleicher Wertigkeit. Der Unterschied ist nur: Das Leben ist nicht perfekt, und das Kino hat die Möglichkeit, es zu perfektionieren. Für mich gibt es keinen Unterschied zwischen echten und künstlichen, realen und gespielten Gefühlen. Es gibt nur wahrhaftige und nicht wahrhaftige Gefühle.”

Ohne auf Perfektion zu zielen, kann sich der Blogger – gleich dem Regisseur – das Bild seines Lesers “fabrizieren”. Texte online zu stellen, ist dem Kino nämlich so unähnlich nicht. Es kommt – leider, leider – dem Horrorfilm am nächsten. Als Bild: es ist dunkle Nacht. Nur aus dem Fenster einer kleinen Hütte dringt Licht. Aus diesem Fenster schaut – gut sichtbar – der Blogger in die Nacht hinaus, und fragt sich, wie viele Augen ihn betrachten mögen. Und mit welchen Absichten?

Mit Almodóvar als Inspirationsquelle (”Dann entdeckte ich das Kino und erträumte mich als Regisseur, der Schauspieler und Drehbuch zu einer eigenen Fantasiewelt verbindet.”) ist der Leser, den man “im Dunkel der Nacht” nicht sehen kann, zur persönlichen Beruhigung schnell und vorteilhaft entworfen.

Der Leser seinerseits kann sich einen dunklen Kinosaal vorstellen. Mein Entwurf des Lesers stellt, wenn nicht ihn selbst, dann seinen Sitznachbarn dar. Wer sitzt da nun? Wie schaut der Leser dieser Seite aus? Unzweifelhaft so:

Leserin

Der Leser in meiner Phantasie ist, wer hätte das vermutet?, weiblich und ziemlich attraktiv (wahrscheinlich zur Beruhigung), filminteressiert (logisch) und besitzt Sinn für Humor. Ironie bedarf nicht der Kennzeichnung als solcher. Für gewöhnlich ist der Leser verdammt nah dran, einen Kommentar zu schreiben, nimmt aber aus Rücksicht vor Belästigung im letzten Moment davon Abstand. Ganz genau wie in Dostojewskis “Weißen Nächten”:

“Aus diesem Grunde geschieht es, dass wir einander manchmal fast grüßen, besonders, wenn wir beide gleichzeitig guter Laune sind. Als wir uns unlängst zwei Tage lang nicht gesehen hatten und uns erst am dritten Tag begegneten, griffen wir schon nach den Hüten, allein da besannen wir uns noch zum guten Glück, ließen die Hände sinken und schritten lediglich teilnahmsvoll aneinander vorüber.”

Mit so einem Entwurf im Kopf verliert das Bloggen, der Horrorfilm, seinen Schrecken. Und alles wird leicht …

Beach Lightness

Tage am Meer

Olivier Assayas’ “L’heure d’été” / Sommerstunden (2008, IMDb) kann ich leider noch nicht vorstellen. Die DVD ist noch nicht angekommen. In Zeiten der Schweinegrippe hätte ich die vielleicht besser nicht in Großbritannien bestellt. Kaum war die Bestellung abgeschickt, als ich von 100.000 neuen Fällen las … Wer an dem Film so sehr interessiert ist, dass er nicht warten möchte, der findet hier (Only the Cinema: Summer Hours) eine sehr gute Besprechung. Wer Wert auf Überraschung legt, der überfliegt die Texte auf dieser Seite besser nur – und kehrt später zurück.

Ein weiteres Massenphänomen: Heute war ein Bild in einer der besten Zeitungen der Welt, auf dem ein Strand an der Ostsee abgebildet ist. Aber was heißt Strand! Den Strand hat man wegen der vielen Menschen gar nicht gesehen. Schätzungsweise drei bis vier “Erholungssuchende” pro Quadratmeter. Als treuer Anhänger der “früher war alles besser” – Theorie, ist das die Gelegenheit, um einen Vergleich mit früher anzustellen.

Isle of Man

Mensch, war das früher schön! Weiter Sandstrand, Sonne und kaum Urlauber. Von Schweinegrippe nicht zu reden. Und schöner kann man die Isle of Man auch nicht bewerben.

Passing Fancy

A passing fancy – nichts währt ewig. So ist es. Heute müssen am Strand SMS verschickt werden (”Liege am Strand, total toll hier.”), da kommt man natürlich nicht mehr zum Ballspiel.

Dorothy Sebastian

Dorothy Sebastian und (?) auf Coney Island (?) – natürlich beim Ballspiel. Beste Stimmung, viel Platz und keine Schweinegrippe. Früher eben …

Parallelwelle

Kitsch gab es früher auch. Aber parallel (!) zum Strand verlaufende Wellen sieht man heute nicht mehr. Früher – da war nicht nur alles besser, sondern auch vieles anders.

Was hat “La Nuit” mit Tarantino zu tun?

Selbst wenn ich zeitlich korrekt formuliert hätte, nämlich: Was hat Tarantino mit William-Adolphe Bouguereaus “La Nuit” zu tun? – würde die Frage nicht zu großen Erkenntnissen führen. Immerhin hat das Betrachten von Bouguereaus “La Nuit” zu Assoziationen geführt, die ich hiermit festhalte.

William Bouguereau: La Nuit

1. La Nuit

Bouguereaus “La Nuit” ist – in flapsigem Englisch formuliert – “one of four works featuring beefy, semi-nude, Victorian babes floating through the air as allegories for the times of the day.” (Birmingham Free Press) Manchmal tritt einem der Respekt nicht offen im Stil entgegen, sondern verbirgt sich im Kontext. Der Text hinter dem Link gibt eine flockig formulierte, aber gute Einführung zum Maler und dem Bild “Morgendämmerung”.

Mich hat “La Nuit” – die Zeit, um Filme zu sehen! – an ein Video von Madonna erinnert: “Frozen”. Was freilich bedeutet, dass die Inspiration für das Video, wenn es sie gab, von dem Bild ausging. Das Video, das ich mir zum ersten Mal seit Veröffentlichung wieder angesehen habe, hat von dem Gefallen, den es damals (vor über 10 Jahren?) ausgelöst hat, fast alles verloren. Eine süßliche Melodie, schwacher Text, melodramatische Gesten. Aber die Bilder des Videos haben sich eingeprägt.

Bei Tarantinos Filmen habe ich eine ähnliche Feststellung gemacht: die Bilder und Einstellungen, die mir gefallen haben, sind (nachweislich) direkte Inspirationen aus anderen Filmen. Und die haben mich inhaltlich alle mehr überzeugt, ohne vom Nachfolger stilistisch abgehängt zu werden.

2. Die Details

Bouguereau: Detail
Bild: Bouguereau im Detail

Die Parallele von Tarantino zu Bouguereau lässt sicht über ein Detail herstellen. Die Füße. Die zeigt Tarantino bekanntermaßen immer gern. Folgende Beispiele habe ich ohne langes Suchen gefunden:

Quentin Tarantino: Death Proof
Bild: Kein Bouguereau als Vorlage …

Quentin Tarantino: Death Proof
Bild: Zeige mir deinen Fuß und ich sage dir …

Quentin Tarantino: Death Proof
Bild: Lass Füße sprechen

Quentin Tarantino: Kill Bill
Bild: Kill Bill

Bouguereau war für seine Darstellungskünste von Händen und Füßen berühmt. Schuhe tragen die wenigsten der Abgebildeten. Zugegeben, ein schwacher Link, der Regisseur und Maler verbindet.

Vielleicht gibt es noch eine Ähnlichkeit. Obwohl Bouguereau im Zeichenstil als Realist zu bezeichnen ist, sind es die Bilder inhaltlich nur begrenzt. Tarantino hält sich zugute, dass die Gewalt seiner Filme immer gebrochen, nicht realistisch dargestellt ist. Das Reale liegt also zwischen der idealisierten Welt Bouguereaus und der ästhetisierten Gewalt Tarantinos. Man wird wissen, was einem näher liegt.