Our Life Is Not A Movie Or Maybe

Ein Filmblog. Filmtipps, Filmkritiken & Assoziationen.

Michael Haneke: Das weiße Band (2009)

Eine Geschichte ist es eigentlich nicht, die Michael Haneke erzählt. Auch wenn der Untertitel “Eine deutsche Kindergeschichte” lautet. “Das weiße Band” ist eine Bestandsaufnahme. Oder besser: der Versuch einer Bestandsaufnahme. Den Regisseur mag der Gedanke inspiriert haben, dass auch das Große seine Ursache im Kleinen hat. Das Große ist in Hanekes Film der erste Weltkrieg. Dabei geht es im “Weißen Band” nicht um den Krieg. Nicht im herkömmlichen Sinn. Schon eher um seine Ursachen. Und die sucht Haneke im Alltäglichen und nicht in der großen Politik.

Das weiße Band

Das Kleine – im doppelten Sinn – sind Kinder, ist ein Dorf. Bereits der Name des Dorfes, Eichwald, strahlt eine eigenartige Symbolkraft aus. Damit dem Zuschauer das Vorhaben des Regisseurs nicht verborgen bleibt, damit er den Bildern einen größeren Sinn beimessen kann, meldet sich gleich zu Beginn ein Erzähler zu Wort. Der nunmehr alte Dorfschullehrer von Eichwald weist mit gebrochener Stimme (Ernst Jacobi) darauf hin, dass die Begebenheiten, von denen er gleich erzählen wird, Bedeutung für die geschichtliche Entwicklung – und damit das Große – besitzen.

Das dörfliche Panorama, das Haneke aus der Sicht des sich erinnernden Lehrers (gespielt von Christian Friedel) zeichnet, wird von vielfältigen Repressionen bestimmt. Zwänge, die alle Lebensbereiche durchziehen. Sei es bei der Arbeit beim Baron, dem großen Arbeitgeber des Dorfes, oder im Privaten, wo Hass und religiöser Fanatismus das Leben beherrschen. Die Atmosphäre ist von eisiger Kälte. Wie zu erwarten ist, lösen sich die Repressionen nicht, bei Haneke schon gar nicht, in Luft auf, sondern münden in Gewalt. Im Kleinen und im Großen. In zahlreichen Variationen.

Der Film beginnt mit dem Unfall des Dorfarztes (Rainer Bock). Ein über den Weg gespanntes Seil bringt dessen Pferd zum Sturz. Der Arzt muss ins Krankenhaus. Die Szene gibt den Ton für den weiteren Film vor. Es ist eine Serie von an Kindern begangenen Grausamkeiten, die schließlich das dörfliche Miteinander bedroht. Nicht weil die Taten so erschütternd sind, sondern weil der Sohn des Barons unter den Opfern ist. Nun drohen für alle Konsequenzen.

Haneke ist immer dann am besten, wenn es darum geht, physische und psychische Gewalt mit klaustrophobischer Intensität zu vermitteln. Weil er sein Handwerk so gut versteht, kann er im “Weißen Band” darauf verzichten, die vielen Grausamkeiten detailliert im Bild zu zeigen. Dennoch wirkt ein Teil dieser Szenen auf mich nicht. Das liegt nicht an der Inszenierung und nicht an den durchweg überzeugenden Darstellern. Die Ursache ist die mangelnde Entwicklung Gewalt betreffender Szenen aus der Handlung.

Fehlt die Entwicklung, wirken die Szenen beliebig aneinander gereiht. Es entsteht der Eindruck eines präzise berechneten Effektkinos. Außerdem meint man die dahinter stehende Motivation zu erkennen: den an vieles gewöhnten Zuschauer zu schockieren.

Hinzu kommen viele Nebenfiguren, die blass bleiben. Ihr Schicksal würde uns mehr berühren, wenn man sie uns nur näher gebracht hätte.

“Das weiße Band” reiht Ereignisse aneinander. In guten Momenten gelingt es dem Film, ein Gefühl der Zeit vor dem ersten Weltkrieg zu vermitteln. So könnte es gewesen sein. In weniger guten Momenten misslingt der Spagat zwischen der allpräsenten Gewalt und dem Humor, der die dunkle Welt des Dorfes aufhellen und die Anspannung beim Zuschauer – als Vorbereitung für den nächsten Schockmoment – lösen soll. Zu oft präsentiert sich der Humor infantil-unschuldig. “Das weiße Band” klingt dann dissonant, zu groß sind die Kontraste. Das mag nicht jeder so sehen. Denn auch das lehrt die Erfahrung: der Film hat wohlmeinende Lacher im Kinosaal geerntet.

Wer jedenfalls Erzählkino erwartet, den wird der Film enttäuschen. Die bessere Alternative ist Volker Schlöndorffs “Der junge Törless” (1966, IMDb). “Das weiße Band” sucht mit einem sehr offenen Inhalt Interpreten für seine in schönen, unbarmherzig kalten Bildern in Schwarz-Weiß erzählte Theorie über die Gewalt und das Schweigen in Deutschland vor dem ersten Weltkrieg.

IMDb: Das weiße Band

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Hiroshi Teshigahara: Otoshiana / Pitfall (1962)

Hiroshi Teshigaharas Film “Otoshiana” (Pitfall) weist für einen japanischen Film eine ungewöhnlich kurze Laufzeit auf. Die Spieldauer der Masters of Cinema Edition beträgt lediglich 93 Minuten (IMDb gibt die Länge des Films mit 97 Minuten an). “Pitfall” ist die erste Zusammenarbeit des Regisseurs mit dem Schriftsteller Kôbô Abe, von dem sowohl die Romane als auch die Drehbücher für die von Teshigahara verfilmten Werke “Suna no onna” / Woman in the Dunes (1964) und “Tanin no kao” / The Face of Another (1966) stammen.

“Pitfall” basiert auf einem Theaterstück. Es entstand in einer bewegten Zeit voller Unruhen und Arbeitskämpfe. Obwohl das Stück für den Film komplett umgeschrieben wurde, wirkt der geschichtliche Hintergrund spürbar in den Stoff hinein.

Im Vergleich zu seinen späteren Filmen, die mit großen Namen besetzt sind, muss Teshigahara in diesem Independentfilm seine Lust auf Experimente nicht zügeln. Er kombiniert realistische, teilweise aus Dokumentarfilmmaterial stammende Bilder, mit fantastischen Elementen, die in einer großen, nie ganz durchschaubaren Verschwörung zusammenfließen. Es sei bemerkt, dass die Experimentierfreude niemals das Vergnügen am Sehen strapaziert oder gar überdehnt. Vielmehr ist sie die Basis für einen großartigen Film, der immer wieder neu zu überraschen versteht.

Der japanische Titel – Tony Raynes erläutert das und vieles mehr auf der Kommentarspur der schönen Masters of Cinema Edition – gibt bereits einen Hinweis auf das Kommende. Er besagt, dass eine Falle mit einer bestimmten Absicht errichtet worden ist.

Der Vorspann zeigt uns einen namenlosen Mann mit einem Kind. Die beiden laufen vor etwas weg. Wenig mehr ist offenkundig. Das Kind hat für den Film keine eigenständige Funktion. Es ist lediglich Beobachter. Bei dem Mann aus der Unterschicht handelt es sich um einen Minenarbeiter, der den schlechten Arbeitsbedingungen zu entkommen sucht.

Wenig später sehen wir ihn für einen Farmer nach Kohle graben. Im Hintergrund taucht ein Mann mit einem Fotoapparat auf. Die verdächtige Gestalt trägt einen weißen Anzug. Die Frage, warum er Bilder vom Minenarbeiter macht, bleibt unbeantwortet. Dass der Fremde beim Fotografieren zwischen Grabsteinen steht, löst eine beunruhigende Vorahnung aus.

Hiroshi Teshigahara: Otoshiana / Pitfall (1962)
Bild: Nach Kohle graben

Hiroshi Teshigahara: Otoshiana / Pitfall (1962)
Bild: Ein mysteriöser Beobachter

Neben diesem Vorausblick widmet sich Teshigahara im ersten Teil der Einführung seiner Hauptfigur. Die schlechten Lebensbedingungen der Minenarbeiter werden gezeigt. Direkt über die Handlung oder durch eine Reflexion des Arbeiters. Auf dieser von der eigentlichen Handlung losgelösten gedanklichen Ebene, fließen sogar Dokumentaraufnahmen ein. Ein Grund mag sein, dass der Regisseur in früheren Jahren Dokumentarfilme gedreht hat. Die Reflexion endet mit einem bitteren Resümee: so ein Leben wünscht man sich nicht noch einmal.

Hiroshi Teshigahara: Otoshiana / Pitfall (1962)
Bild: Das Foto zeigt ohne Frage den Arbeiter

Dann schlägt der Film eine unerwartete Richtung ein. Der Minenarbeiter erhält von seinem Boss – der seltsamerweise ein Foto von ihm besitzt – eine Karte. Er solle ihr folgen, sein neuer Arbeitgeber werde am Bestimmungsort auf ihn warten. Das Ziel der Reise, die durch beeindruckend verwahrlostes Terrain führt, ist eine Geisterstadt. Eine Frau betreibt einen kleinen Shop, sonst ist niemand zu sehen.

Hiroshi Teshigahara: Otoshiana / Pitfall (1962)

Hiroshi Teshigahara: Otoshiana / Pitfall (1962)
Bild: Am Bestimmungsort angekommen

Wenig später taucht allerdings der Mann im weißen Anzug auf. Man ahnt nichts Gutes. Unaufhaltsam nähert er sich unserem Minenarbeiter. Während der beunruhigte Arbeiter in einen Laufschritt verfällt, zieht er sich in aller Ruhe Handschuhe über. Der Film läuft keine halbe Stunde – und wir müssen bereits um die Gesundheit der zentralen Figur fürchten …

Hiroshi Teshigahara: Otoshiana / Pitfall (1962)
Bild: Unheimlicher Verfolger

Hiroshi Teshigahara: Otoshiana / Pitfall (1962)
Bild: Eine Verkäuferin

Das Ereignis, das geschickt zwischen dem Tod eines Frosches und einer Fliege eingebettet ist, führt zu ganz und gar überraschenden und hochoriginellen Entwicklungen. Ich möchte davon an dieser Stelle nichts preisgeben. Der Film ist so faszinierend ungewöhnlich, dass man sich gern ins Unbekannte stürzen darf. Die Laufzeit ist, wie erwähnt, ungewöhnlich kurz. Man riskiert also wenig. Dagegen ist eine angenehme Überraschung nahezu gewiss.

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IMDb: Pitfall

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Helmut Käutner: Des Teufels General (1955)

Die Vorlage für Helmut Käutners 1955 aufgeführten Film stammt aus der Feder von Carl Zuckmayer. Der hatte zehn Jahre zuvor das dreiaktige Drama “Des Teufels General” veröffentlicht. Das erfolgreiche Werk entstand noch während der Kriegsjahre und wurde 1946 uraufgeführt. Als Inspiration diente Zuckmayer die Freundschaft zu Ernst Udet, dem berühmten Fliegerass aus dem I. Weltkrieg. Udet, der in der Wehrmacht Generalluftzeugmeister im Generalsrang wurde, erschoss sich am 17. November 1941 wegen der Anfeindungen, die der Niederlage in der Luftschlacht um England folgten.

Helmut Käutner: Des Teufels General (1955)

Helmut Käutner: Des Teufels General (1955)

Bilder: Enführung

Die Hauptfigur im Film ist der General der Luftwaffe Harry Harras, gespielt von Curd Jürgens. Der unpolitische Mann ist ein Soldat alter Schule. Sein Verständnis vom Soldatenhandwerk stammt aus dem 1. Weltkrieg, als unter den Fliegern ein besonderer Ehrbegriff galt. Der Film verweist darauf, wenn Harras von einer Uhr erzählt, die er aus der Hand eines von ihm abgeschossenen Piloten empfangen hat. General Harras trinkt und feiert gern. Seiner Meinung verleiht er ohne auf persönliche Nachteile oder die Empfindlichkeiten anderer Rücksicht zu nehmen, mit deftigem Ausdruck Gehör. Im Dezember 1941 ist das in Deutschland gefährlich. Harras ist sich dessen nicht ausreichend bewusst.

Helmut Käutner: Des Teufels General (1955)
Bild: Fliegerheld Eilers mit Frau

Zu Beginn wird uns Harras auf dem Höhepunkt seiner Macht gezeigt. Seinen Kameraden voran feiert er den 50. Luftsieg des Fliegerhelden Friedrich Eilers (Albert Lieven). Die Stimmung ist gut, es fließt reichlich Alkohol. Wie gewöhnlich macht Harras aus seiner Abneigung gegen die Partei keinen Hehl. Er fühlt sich sicher, schließlich erfüllt er seine Pflichten treu. Außerdem: wer sollte ihn ersetzen können? Wer wollte ihn ersetzen? Er weiß nicht, dass er bereits abgehört wird.

Der Vorwand, mit dem sich die Staatsmacht in Gestalt des SS-Gruppenführers Schmidt-Lausitz (Viktor de Kowa) dem General nähert, sind unerklärliche Ausfälle in der Bomberflotte. Harras ist für die Flugtüchtigkeit der Maschinen verantwortlich. Die Untersuchung der vordergründigen Frage, ob ein Konstruktionsfehler oder Sabotage vorliegt, nutzt Zuckmayer, um die verhängnisvollen Verstrickungen eines Unpolitischen in ein Unrechtssystem aufzuzeigen. Zwar hat der General schon immer über den Krieg und seine Verantwortlichen geschimpft. Gleichwohl hat er als Soldat seine Pflicht getan. Und damit denen gedient, die er verachtet. Denen geholfen, die Verbrechen begehen. Zu spät wird das dem General klar.

Helmut Käutner: Des Teufels General (1955)
Bild: Zum Verbrecher degradiert

Helmut Käutner: Des Teufels General (1955)
Bild: Weggesperrt

Helmut Käutner: Des Teufels General (1955)
Bild: Ein Erschießungskommando “irrt” sich in der Tür

Am Beginn dieses Erkenntnisprozesses steht seine durch Gruppenführer Schmidt-Lausitz veranlasste Verhaftung. Ohne konkreten Anlass, mit keiner Information versorgt, wird er tagelang eingesperrt. Der Staat will seine Macht demonstrieren. In beeindrucken Bildern stellt Käutner das auf perfide Weise perfektionierte System der Erniedrigung dar, mit dem der innere Widerstand des Generals gebrochen werden soll.

Helmut Käutner: Des Teufels General (1955)
Bild: Zwei Welten

Der Mann, der nach dieser Einschüchterungshaft seinen alten Posten wieder einnehmen darf, ist nicht mehr der Soldat von vorher. Und Gruppenführer Schmidt-Lausitz setzt Harras stärker und stärker unter Druck. Als der die rätselhaften Ausfälle bei den Bombern endlich erklären kann, weiß er um seine Verstrickung in eine Verbrecherorganisation. Die Entscheidung zur Aufklärung wird zu einer späten Gewissensfrage. Was tun, wenn der Teufel seine Schuld einfordert?

Man spürt schnell, dass dem Film eine hochintelligente Vorlage zu Grunde liegt. Helmut Käutner gelingt eine hervorragende Umsetzung ins bewegte Bild. Das Drama entwickelt sich entlang sorgfältig entworfener Charaktere und geschickt verflochtener Nebenmotive. Die Besetzung des Generals mit Curd Jürgens ist ein Glücksfall. Als besonders gelungen empfand ich zudem die starken hell/dunkel-Kontraste und das Spiel mit dem Schatten. Dadurch legt sich über viele Szenen etwas Unheimliches.

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IMDb: Des Teufels General

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Luchino Visconti: Rocco und seine Brüder (1962)

Luchino Viscontis Familiendrama “Rocco e i suoi fratelli” erzählt die Geschichte der Familie Parondi, die auf ein besseres Leben hoffend, aus dem armen Süden Italiens nach Milan zieht. Hell erleuchtete Boulevards wecken bei der nächtlichen Ankunft der “Südländer” Erwartungen. Die wenigsten werden im Verlauf des Films in Erfüllung gehen.
Luchino Visconti: Rocco und seine Brüder (1962)
Bild: Verheißungsvolles, nächtliches Milan

Schon die Ankunft der verwitweten Rosaria Parondi (Katina Paxinou) mit ihren vier Söhnen bei Vincenzo (Spiros Focás), dem fünften und bereits in Milan lebendem Sohn, steht unter keinem guten Stern. Vincenzo wohnt bei seiner Freundin Ginetta (Claudia Cardinale) und feiert gerade Verlobung, als seine Familie eintrifft. Die Wiedersehensfreude ist groß. Schnell wendet sich das Gespräch aber dem Thema Geld zu. Und dann ist der Spaß vorbei. Die Situation eskaliert und Vincenzo wird gemeinsam mit seiner Familie aus der Wohnung geworfen.

Luchino Visconti: Rocco und seine Brüder (1962)
Bild: Nach Vincenzos Rauswurf trifft er Ginetta auf der Straße

Visconti erzählt seinen 168 Minuten langen Film – nie kommt er einem zu lang vor – in zwei Teilen, die jeweils aus zwei Kapiteln bestehen. Die Kapitel tragen die Namen der vier ältesten Söhne Rosaria Parondis, deren Geschichte sie erzählen.

Vincenzo, nach dem das erste Kapitel benannt ist, wird hauptsächlich benötigt, um die Familie in Milan einzuführen. Seine Beziehung zu Ginetta spielt eine untergeordnete Rolle. Viel wichtiger für die Handlung sind die Söhne, denen sich die beiden Folgekapitel widmen: Simone und Rocco. Das letzte Kapitel trägt den Namen Ciro. Auch Ciro bleibt bloße Skizze.

Luchino Visconti: Rocco und seine Brüder (1962)
Bild: Die leichtlebige Nadia (Annie Girardot)

Simone und Rocco

Simone (Renato Salvatori) versucht sich an einer Karriere als Profiboxer. Mit Lust und Ehrgeiz ist er nicht bei der Sache. Er interessiert sich mehr für Frauen als für Training. In Nadia, die er mit Geld aushält, findet er eine Begleiterin.

Luchino Visconti: Rocco und seine Brüder (1962)
Bild: Nadia zu Besuch bei Simone

Luchino Visconti: Rocco und seine Brüder (1962)
Bild: Leidenschaftslos

Rocco (Alain Delon) ist das Gegenteil seines lebenslustigen Bruders. Er ist ein gutmütiger, aber weltfremder Träumer. Obwohl er ebenfalls gute Anlagen für eine Boxkarriere zeigt, arbeitet er lieber in einer Reinigung.

Es gibt eine schöne Szene, welche die Unterschiede zwischen Simone und Rocco trefflich offenbart. Wir sehen den verschüchterten Rocco in der Reinigung. Rocco ist von vier dort angestellten Frauen umgeben. Und die erlauben sich ihre Späße mit ihm. Ob man ihn küssen sollte? … Dann kommt Roccos Bruder Simone – und schlagartig wendet sich das Blatt. Simone flirtet offensiv mit den Frauen, was diese erst überrascht, dann beeindruckt. Simone lässt sich auch mal eben seine Sachen bügeln. Das Geld zur Bezahlung, Simone fehlt es natürlich, borgt er sich von Rocco. Den wollte er sowieso anpumpen. Rocco schießt das Geld, immerhin seinen halben Lohn, gern vor. Seinem Bruder Simone kann er nichts abschlagen. Der weiß und nutzt das aus.

Das ungetrübte Verhältnis ändert sich im nächsten, dem dritten Kapitel. “Rocco” setzt über ein Jahr später ein. Rocco, der gerade seine Militärzeit ableistet, begegnet zufällig Simones ehemaliger Freundin Nadia. Die hat Simone aus gutem Grund vor langer Zeit verlassen. Eine Entscheidung, die sie nicht davon abgehalten hat, in andere Schwierigkeiten zu geraten.

Luchino Visconti: Rocco und seine Brüder (1962)
Bild: Nadia begegnet …

Luchino Visconti: Rocco und seine Brüder (1962)
Bild: … Rocco

Die sich zwischen den beiden anbahnende Beziehung, gefällt Simone, als man ihn darüber unterrichtet, gar nicht. Sein Lebensstil hat seine Boxkarriere an den Abgrund getrieben. Endlich erhält sein Frust die Möglichkeit, sich gegenüber seinem Bruder Rocco, der ihn immer unterstützt und den er selbst so oft hintergangen hat, zu entladen.

Luchino Visconti: Rocco und seine Brüder (1962)
Bild: Simone wird über die Beziehung zwischen Rocco und Nadia informiert

Luchino Visconti: Rocco und seine Brüder (1962)
Bild: Konfrontation

Fazit

Viscontis sozialkritisches Familiendrama ist kurzweilig und spannend inszeniert. Nur das melodramatische Finale, bei dem viele Tränen fließen, mutet heute ein wenig übertrieben an. Es ist die einzige Schwäche des Films.

Leider war die Bildqualität meiner DVD nicht optimal. Dabei könnte es sich um den Transfer von einer Videokassette gehandelt haben. Deshalb ist wohl auch der Untertitel auf den Screenshots zu sehen. Es gibt bessere Editionen des Films.

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IMDb: Rocco und seine Brüder

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Boys Just Want To Have Fun

Edward Yang zeigte in “Yi Yi” (2000), dass Girls Just Want To Have Fun. Shunji Iwai beweist in “Love Letter” (1995): auch Boys Just Want To Have Fun.

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